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Geboren 1763 in Göttingen, gestorben 1809 in Maulbronn
In Frankreich tobt ab 1789 die Revolution. Der König wird hingerichtet, nachdem er sich nicht den republikanischen Gesetzen unterordnen will. Die Revolution zunächst in Frankreich ausgerufen, wird auch in den von den französischen Truppen eroberten Ländern der Nachbarschaft etabliert. Neue freiheitliche Gedanken breiten sich auch in Deutschland aus. Die Opposition gegen die Feudalherren wird in blutigen Kämpfen unterdrückt. Napoleon besetzt weite Teile Deutschlands,
darunter auch Preußen. Die königliche Familie muß Berlin
verlassen. Erst in den Freiheitskämpfen von 1813 wird das Land wieder
frei. Es beginnt die Zeit der Restauration, die keine politische Freiheit
für die Bürger duldet. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher
werden strenger Zensur unterworfen.
Caroline Schlegel-Schelling geb. Michaelis wird 1763 in Göttingen als Tochter des international bekannten Göttinger Orientalisten und Theologen Michaelis geboren. Sie genießt eine solide, intellektuelle Ausbildung. Sie besitzt ein ausgeprägtes bürgerliches Selbstbewußtsein. Im Elternhaus begegnet sie Professoren und bekannten Persönlichkeiten wie G.E. Lessing, Lichtenberg und Goethe. Mit zwanzig heiratet sie den Bergmedikus Böhmer. Sie leben in Clausthal-Zellerfeld. Nach vier Jahren stirbt der Mann. Zwei der drei Kinder sterben ebenfalls. Sie zieht mit ihrer Tochter Auguste nach Mainz, wo sie eine Freundin hat. Bald nach ihrer Ankunft besetzen französische Revolutionstruppen die Stadt. In Mainz wird die Republik ausgerufen. Sie lernt überzeugte Republikaner kennen und besucht Sitzungen des Jakobinerclubs. Aber preußische Truppen zerschießen die Republik. Sie wird mit verfolgten Republikanern gefangengenommen, weil sie als Revolutionärin gilt. Ihr Bruder kann sie zwar aus der Gefangenschaft im Taunus befreien, aber sie findet keine Unterkunft. So heiratet sie 1796 den Literaturkritiker August Wilhelm Schlegel. Es ist eine Vernunftehe. In Jena leben sie zusammen mit Friedrich Schlegel, dem Bruder ihres Mannes, und Dorothea Veit-Schlegel, der späteren Frau Friedrichs. Zur Aufbesserung des Haushaltsbudgets unterhält sie einen Mittagstisch für zahlende Gäste, zu denen auch der junge Schelling gehört. Nach dem plötzlichen Tod ihrer fünfzehnjährigen Tochter Auguste macht sie sich Vorwürfe. Sie sieht in dem Tod eine Art Gottesurteil gegen ihre verbotene Liebe zu Schelling. 1803 trennen sich August Wilhelm und Caroline. Sie heiratet Friedrich Wilhelm Schelling, Philosoph und Professor an der Universität Jena. In jungen Jahren hatte sie sich gewünscht glücklich zu sein. Nun ist sie es. Caroline Schlegel-Schelling ist keine Ahnfrau des Feminismus. Sie will etwas für sich, nicht für andere. Sie will die Welt nicht ändern, erhebt aber für sich den Anspruch, Normen zu ignorieren, die sie in ihrer Persönlichkeitsentfaltung hemmen. Für beide Ehemänner, Schlegel und Schelling arbeitet sie als Übersetzerin, Lektorin, Sekretärin. Sie begutachtet viele Manuskripte, selber aber veröffentlicht sie so gut wie nichts. Ihre Hinterlassenschaft sind ein paar Rezensionen und schöne Briefe. 1809 stirbt sie sechsundvierzigjährig, während eines Besuchs bei den Schwiegereltern in Maulbronn. Carola Stern meint, sie habe versucht, in der Feudalgesellschaft als Mensch zu leben und mußte an Erschöpfung sterben Nach: Carola Stern. Caroline Schlegel-Schelling.
in: H.J. Schultz. Frauen. Porträts aus zwei Jahrhunderten. Stuttgart
Kreuz 1981, S. 8ff.
Quelle:
LiteraturPrimärliteraturSchelling Caroline von: Die Kunst zu leben. Sekundärliteratur Stern Carola: Caroline Schlegel-Schelling.
in: H.J. Schultz. Frauen. Porträts aus zwei Jahrhunderten. Stuttgart
Kreuz 1981, S.8 - 19.
Aufsatz von Carmen Stadelhofer |