Louise Aston, geb. Hoche
 
"Das Recht der freien Persönlichkeit ist in mir beleidigt."
  aston.gif
Geboren am 29.Nov. 1814 in Gröningen bei Halberstadt,
gestorben am 21 Dez. 1871 in Wangen/Allgäu


 Kurzbiografie

Louise Aston setzte sich radikal ein für ein Leben der Frauen in Automie und Souveränität. Nach der Trennung von ihrem Mann, einem 23 Jahre älteren englischen Fabrikanten, zu dessen Heirat sie von ihren Eltern gezwungen worden war, einer sogenannten Konvenienzehe, und "...der ihrem Herzen fremd war, ehe die Ahnung der Liebe in ihr lebendig geworden", ließ sie den Wohlstand zurück und zog mit ihrer kleinen Tochter nach Berlin, wo sie ihr erstes Buch , "Aus dem Leben einer Frau" veröffentlichte. Darin beschreibt sie nicht nur ihre eigene Unfreiheit als Ehefrau, bzw. "das Zwangsinstitut jeder Ehe", sondern ebenso die Ausbeutung der Arbeiter in der Fabrik ihres Mannes, d. h. die Armut und Unterdrückung des "vierten Standes".

In Berlin verkehrte sie in emanzipatorischen und revolutionären Kreisen. Die Freiheit der Frau stand für sie immer im Rahmen einer allgemeinen politischen Aktivität. In ihrer Gedichtesammlung "Wilde Rosen" bekannte sie sich zur freien Liebe und wurde deshalb von einem großen Teil der Gesellschaft und von der Öffentlichkeit als skandalöse Frau verfolgt. Nach ihrer "Emanzipationsschrift", die sie in 1900 Exemplaren verkaufte, wurde sie zur staatsfeindlichen Person erklärt und von Berlin nach Köpenick ausgewiesen. Während der Märzrevolution kehrte sie nach Berlin zurück, wo sie nicht mehr nur mit der Feder kämpfen wollte. Sie beteiligte sich 1948 am schleswig-holsteinschen Krieg und gab eine Zeitschrift "Der Freischärler, Für Kunst und soziales Leben." heraus. Ihre aggressiven Berichterstattungen führten schnell zum Verbot der Zeitschrift und zu ihrer erneuten Ausweisung aus Berlin. In ihrem 1849 erschienenen 48er Revolutionsroman "Revolution und Contrerevolution" entwarf sie einen neuen aktiven Frauentypus.

1850 heiratete sie den Bremer Arzt Daniel E. Meier, der wenig später wegen radikal-demokratischen Engagements seine Chefarztstelle verlor. Das Ehepaar mußte Deutschland verlassen, lebte in Rußland, Polen, Österreich und Ungarn, bevor Louise Aston sich mit ihrem Mann nach Wangen im Allgäu zum Kurieren einer Krankheit zurückzog. Sie starb dort 1871,unerkannt und isoliert von ihren Schriftstellerkolleginnen, die ihren Einsatz für die Freiheit der Frauen wegen ihres "unsittlichen Lebenswandels" nicht akzeptierten. Nur die Journalistin Mathilda Franziska Anneke, die spätere aktivste Vorkämpferin für die Stimmrechte der Frauen in Amerika, hielt zu ihr und verteidigte sie. Die Bedeutung von Louise Aston wurde viele Jahre später erst erkannt.

Text: Brigitte Nguyen-Duong 1998


 Quellen und Literatur

Hermes Handlexikon "Geschichte der Frauenemanzipation" von Daniela Weiland, ECON Taschenbuchverlag, 1983.
Ruth-Esther Geiger in "Frauen, Porträts aus zwei Jahrhunderten" (Hrsg. Hans-Jürgen Schultz)
 
Bild: www.sophie byu.edu
 
Primärliteratur:

1846: "Wilde Rosen"

1846: "Meine Emanzipation, Verweisung und Rechtfertigung"

1847: "Aus dem Leben einer Frau"

1848: "Lydia"

1848: "Revolution und Contrerevolution"

1849: "Der Freischärler" (Red. Louise Aston) Jg. 1 (Nr. 1-7)

1850: "Freischärler-Reminiscensen"

Sekundärliteratur:

Blos: "Frauen der deutschen Revolution 1848" Dresden, 1928

G. Groetzinger: "Für die Selbstverwirklichung der Frau: Louise Aston" Ffm. 1983

Möhrmann: "Die andere Frau. Emanzipationsansätze deutscher Schriftstellerinnen im Vorfeld

der Achtundvierziger-Revolution" Stuttgart 1977.

Bild: www.sophie.byu.edu


Auswahlseite