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"Frauen und Mütter Deutschlands, die ihr diesen Weltkrieg mit erlebt habt, müßt ihr nicht alle bereit sein, zu tun, was in euren Kräften steht, die kommenden Geschlechter vor gleichen Katastrophen zu bewahren." (Anita Augspurgs am Ende des Ersten Weltkriegs in einem Aufruf zusammen mit Lida Gustava Heymann. Hier zitiert nach Herrad Schenk.)
Anita Augspurg wird 1857 als jüngstes Kind von fünf Geschwistern in Verden an der Aller geboren. Die Familie ist von beiden Seiten seit Generationen eine Familie von Medizinern und Juristen. Der Vater ist bürgerlicher Liberaler. Anita will sich nicht dem bürgerlichen Leben in der Familie und dem Warten auf einen Freier unterordnen. Sie geht nach Berlin und besucht dort Lehrerinnen-Kurse, der einzig "erlaubten" Arbeit bürgerlicher Töchter. Nach dem Examen läßt sie sich als Turnlehrerin ausbilden, will aber nicht als Lehrerin arbeiten und nimmt mit 21 Jahren Schauspielunterricht. Sie erhält kleinere Engagements und geht mit auf Tourneen. Als sie dreißig Jahre alt ist, eröffnet sie in München ein Fotoatelier und hat Erfolg. Aus der Zusammenarbeit mit Frauengruppen weiß sie, wieviel Unkenntnis unter den Frauen herrscht, wenn es um ihre Rechte geht. Das Bürgerliche Gesetzbuch ist eindeutig frauenfeindlich. Sie entschließt sich, Jura zu studieren, was zu dieser Zeit für Frauen nur in der Schweiz möglich ist. Nach vier Jahren schließt sie 1897 mit der Promotion ab. Sie geht nach Berlin und arbeitet dort zusammen mit Minna Cauer, der Herausgeberin der "Frauenbewegung", einer Zeitschrift des radikalen Flügels der Frauenbewegung. Sie ist Mitbegründerin des "Vereins Fortschrifttlicher Frauenvereine" , in dessen Vorstand sie ist. Sie leitet den "Deutschen Verband für Frauenstimmrecht", später wirkt sie im internationalen Gremium der Frauenstimmrechts- und- Frauenfriedensbewegung mit. Ihre publizistische Tätigkeit ist beachtlich. So ist sie verantwortlich für die parlamentarische Beilage der Zeitschrift "Frauenbewegung". Bis 1907 arbeitet sie vorwiegend in Berlin zusammen mit Minna Cauer. Sie ist aber auch eine talentierte Rednerin. Die englischen Suffragetten erwecken ihre Hochachtung, weil sie sowohl kämpferisch als auch gewaltlos ihre Ziele verfolgen. In London demonstriert sie selber mit für das Stimmrecht der Frauen. Bei den gemäßigten Frauengruppen wird sie nicht geschätzt. Diese fordern z. B. die Bestrafung der Prostituierten und treten für die Beibehaltung des § 218 ein, den die radikalen Frauengruppen abgeschafft wissen möchten. Auch das allgemeine freie und gleiche Wahlrecht wird nicht von den Gemäßigten gefordert. Für diese ist nur das Klassenwahlrecht für ihre Männer, Väter und Brüder wichtig. Ihre Orientierung richtet sich auf die Andersartigkeit, aber Gleichwertigkeit der Frauen. Die radikalen Frauen hingegen fordern die Gleichheit. Ihnen geht es um die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung der einzelnen Frau. 1896 begegnen sich Anita Augsburg und Lida Gustava Heymann.(1867-1943) Die beiden Frauen arbeiten von da an zusammen, z. B. in der "Liberalen Deutschen Freisinnigen Volkspartei". Während des Ersten Weltkriegs bemühen sich beide, die Gleichgesinnten für den Frieden zusammenzuhalten. Sie verurteilen den Krieg, schreiben Protestbriefe und nehmen 1915 an der Internationalen Frauen-Friedenskonferenz in Den Haag teil. Daraufhin werden sie aus dem Bund Deutscher Frauen (BDF) ausgeschlossen. Sie erhalten Redeverbot und ihre Korrespondenz wird streng überwacht. Nach dem Krieg arbeiten sie engagiert beim Aufbau der Bayerischen Räterepublik in München mit. Nach deren blutiger Unterwerfung konzentrieren sie sich auf den Pazifismus. Sie geben eine eigene feministisch-pazifistische Zeitschrift heraus "Die Frau im Staat". Sie setzten sich für die Abschaffung der Kolonialherrschaft, die Gleichberechtigung der Frau und für eine Friedenserziehung ein. Nach Hitlers Machtergreifung, von der sie
auf Mallorca erfahren, kehren sie nicht mehr nach Deutschland zurück.
Sie lassen sich in Zürich nieder und arbeiten weiter für die
Sache der Frauen. Da ihr Vermögen in Deutschland konfisziert wurde,
leben sie bis zu ihrem Tod von der Unterstützung durch Freunde und
von eigener journalistischer Arbeit. Anita stirbt 1943 als sechsundachtzigjährige
nur fünf Monate nach dem Tod Lida Gustavas, ihrer Freundin.
Sekundärliteratur Schenk Herrad: . Anita Augspurg, in Hans Jürgen Schultz:(Hg) Frauenporträts aus zwei Jahrhunderten, Stuttgart 1981, S. 172 - 184) Bild: openpr.de
Aufsatz von Carmen Stadelhofer (Einige Sätze zur Person) Sätze zu Lida und ein Hinweis auf eine Veröffentlichung: Christiane Himmelsbach. "Verlaß ist nur auf unsere eigene Kraft. Mag. Uni-Oldenburg. BIS-Verlag.Oldenburg 1996 http://www.admin.uni-oldenburg.de/presse/mit/1997/juli.htm |