Elfi Böller, Jg. 1925 |
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Sperrstunde - Angst - Schrecken....
Diese 3 Worte sagen euch sicher nicht sehr viel. Dazu gehört eine Geschichte, die ich euch erzählen will.
Ich wohnte 1946 im Westteil der Stadt Neu-Ulm. Nur kurze Zeit nach dem großen Krieg war vergangen und das Bild der beiden Städte Ulm und Neu-Ulm war trostlos.
Nun meine Geschichte:
An einem Abend im Sommer 1946 wollte ich einen Besuch in der Oststadt machen. Jetzt werdet ihr denken: Das ist doch nichts Besonderes, was soll das!
Ich war also bei Freunden angekommen und der Abend war so schön, bis ich plötzlich sah, daß schwarze Wolken aufzogen und Wind aufkam. Ich schaute auf meine Uhr und erschrak, denn es war schon bald 22 Uhr.
Ich rannte los wie gehetzt - verließ bald die Oststadt - kam zur Innenstadt, die ich Niemandsland nannte. Der Wind wurde zum Sturm. Ich raste weiter durch die Geisterstadt, denn nur Trümmer waren rundum. Geräusche erschreckten mich. Zerfetzte Dachrinnen klapperten, Steine flogen von zerborstenen Mauern, Staub wirbelte mir ins Gesicht. Ich stolperte über Trümmerteile, denn in diesem Gebiet gab es keine Straßenlampen mehr.
Schrecken und Angst ließen mich weiter rennen, bis ich die Weststadt erreichte und nur noch wenige Minuten zu meiner Wohnung brauchte.
Als ich die Haustüre aufschloß, fiel mir ein Stein vom Herzen. Ich hatte zweimal Glück gehabt, nämlich unverletzt durch die Trümmerstadt zu kommen und nach der Sperrstunde nicht mehr auf der Straße zu sein.
Jetzt werdet ihr fragen: Was ist den eine Sperrstunde?
Nach der Besetzung unseres Landes durch amerikanische Truppen durften deutsche Bewohner nach 22 Uhr nicht mehr auf der Straße sein. Wer diese Anordnung nicht befolgte, wurde von der M.P. (d.h. Military Police) auf ihre Jeeps geladen, zur Polizeistation gebracht, dort vernommen, manchmal sogar eingesperrt.
Jetzt könnt ihr sicher verstehen, warum ich so rannte.
Das war eine Alltagsgeschichte des Jahres 1946.
Elfi Böller, November 1998 , Boeller@aol.com , zeitzeugen@lists.uni-ulm.de