Winfried Saup Studienführer für SeniorenTeil II: Allgemeine Informationen zum Seniorenstudium
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Für ältere Erwachsene und Senioren bestehen verschiedene Möglichkeiten, an einer deutschen Hochschule zu studieren:
Ein reguläres Studium ist an eine formale Hochschulzugangsberechtigung wie z.B. ein Abitur gebunden. Je nach Fachrichtung können zudem Zulassungsbeschränkungen bestehen. Inhalt und Aufbau des Studiums sind durch eine Studienordnung geregelt. Meist gibt es einen Lehrplan mit Pflichtveranstaltungen. Während des Studiums müssen in der Regel Leistungsnachweise in Form von Seminarscheinen und Zwischenprüfungen erbracht werden. Das Studium schlie§t mit einer Hochschulprüfung (z.B. ein Diplom) ab. Nach einem erfolgreichen Diplom- oder Magisterstudium kann eine Promotion angestrebt werden. Ältere Erwachsene mit Hochschulzugangsberechtigung können an allen deutschen Universitäten ein Studium aufnehmen. In der Bundesrepublik Deutschland verfolgen ca. 3500 bis 6500 ältere Erwachsene ein ordentliches Studium an einer Universität.
Ein Gasthörerstudium dient der Weiterbildung auf einzelnen Studiengebieten. Wer sich in einzelnen Wissensbereichen weiterbilden oder sein Kenntnisse auffrischen möchte, ohne Prüfungen oder einen Abschlu§ anzustreben, kann Gaststudierender werden. Das Abitur oder eine andere Hochschulzugangsberechtigung sind in der Regel keine Voraussetzung für eine Gasthörerschaft. Nur in Bayern wird von Gaststudierenden dieselbe Qualifikation wie von Studenten erwartet; jedoch kann die Hochschule Ausnahmen zulassen und auf eine Hochschulzugangsberechtigung aufgrund der Vorbildung, der Berufserfahrung oder des besonderen Interesses der Senioren verzichten. Gasthörern steht in der Regel ein breites Fächerspektrum zur Auswahl mit Ausnahme von Fächern mit Zulassungsbeschränkungen oder speziellen Seminaren oder Übungen. Gaststudierende können und müssen ihr Studium selbst planen; eine Betreuung oder Studienbegleitung durch die Hochschule ist nicht vorgesehen. Die Organisation des Gasthörerstudiums obliegt oft einer speziellen Einrichtung der Hochschule wie einer Kontaktstelle, Zentralstelle für Wissenschaftliche Weiterbildung, Arbeitsstelle für Weiterbildung oder Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung. Dort gibt es Informationen über Zulassung, Studiengebühren usw. Die Möglichkeit einer Gasthörerschaft besteht an allen deutschen Universitäten. Schätzungsweise 3500 bis 6000 ältere Erwachsene nehmen in der Bundesrepublik Deutschland die Möglichkeit der Gasthörerschaft an einer Universität oder Gesamthochschule in Anspruch.
Das Seniorenstudium ist ein spezielles Gasthörerstudium. Seniorenstudenten sind in der Regel als besondere Gasthörer eingeschrieben. Von einem normalen Gasthörerstudium unterscheidet sich das Seniorenstudium meist dadurch, da§ die Hochschule das Studium der älteren Erwachsenen und Senioren durch spezielle Beratungs-, Orientierungs- und Begleitveranstaltungen unterstützt. Allerdings gibt es in Deutschland kein einheitliches Modell eines Seniorenstudiums. Ein Bildungsangebot für Senioren wird von den Hochschulen Seniorenstudium genannt, wenn z.B. die regulären Lehrveranstaltungen für ältere Erwachsene zugängig sind, aber auch wenn ein strukturiertes Studienprogramm vorliegt oder wenn eine nachberufliche Qualifizierung angestrebt wird. Und selbst für eine Vortragsreihe, die von älteren Erwachsenen gehört werden kann, wird (in seltenen Fällen) die Bezeichnung Seniorenstudium verwendet. Häufig unterstützt die Hochschule durch eine spezielles Vorlesungsverzeichnis die Orientierung der studierinteressierten lteren. Meist sind weder Studieninhalte noch Studiendauer verbindlich vorgeschrieben. Derzeit (im Jahre 1997) bieten 42 Hochschulen in Deutschland die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Seniorenstudium2). Über 12000 ältere Erwachsene und Senioren sind an deutschen Universitäten als Seniorenstudierende eingeschrieben.
Die folgenden Hinweise zur Organisation des Studiums sind vor allem für ältere Studienanfänger gedacht. Die Ausführungen sind allgemein gehalten und werden in Teil III jeweils für jede Hochschule konkretisiert.
Für die Aufnahme des Seniorenstudiums ist eine Einschreibung oder eine Anmeldung vorzunehmen. In der Regel ist die Zulassung als Gasthörer/in erforderlich. Abitur oder eine andere Hochschulzugangsberechtigung sind nicht notwendig. Die Anmeldung zum Seniorenstudium erfolgt in der Regel bei der Studienabteilung der Hochschule; dort gibt es auch die entsprechenden Anmeldeformulare. Die Anmeldung muß für jedes Semester neu vorgenommen werden.
Die Belegung ist eine schriftliche Absichtserklärung, bestimmte Lehrveranstaltungen zu besuchen, verbunden mit der Eintragung ins Studienbuch oder in den Belegbogen. An einigen Hochschulen ist keine Belegung im Rahmen des Seniorenstudiums erforderlich.
Fast alle Universitäten verlangen von ihren Seniorenstudenten eine Gasthörergebühr. Die Gebührenhöhe ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich; manchmal richtet sich die Gebührenhöhe nach der Anzahl der besuchten Lehrveranstaltungen. In Einzelfällen gewähren einige Universitäten eine Reduzierung der Gasthörergebühr.
d) Zertifikate/Studienbescheinigung
Auf besonderen Wunsch der Seniorenstudenten kann eine Bescheinigung über die Teilnahme am Gasthörer-/Seniorenstudium ausgestellt werden. Darin werden die besuchten Lehrveranstaltungen dokumentiert.
e) Formen von Lehrveranstaltungen
Eine Vorlesung ist eine Lehrveranstaltung, bei der ein Dozent oder eine Dozentin einen Vortrag zu einem ganz bestimmten Thema hält. Meist ist Gelegenheit zu Rückfragen gegeben, manchmal ist eine Diskussion möglich. Eine Vorlesung kann über mehrere Semester fortgesetzt werden. Oft hat eine Vorlesung das Ziel, die Zuhörer in ein Wissenschaftsgebiet einzuführen. Von den Zuhörern wird die Vor- und Nachbereitung des Vorlesungsstoffes erwartet. Dazu dienen die Literaturhinweise, die von den Dozierenden gegeben werden.
Ein Seminar ist im Gegensatz zur Vorlesung eine dialogische Veranstaltung, sie wird durch ein wissenschaftliches Gespräch geprägt. Je nach Studienfach, räumlichen Voraussetzungen der Hochschule, Attraktivität der Thematik usw. variiert die Teilnehmerzahl; in der Regel umfasst ein Seminar einen Kreis von 15 bis 30 Studenten/innen. Im Seminar ist eine inhaltliche Mitarbeit der Studierenden in Form von Referaten und Diskussionsbeiträgen gefordert. Gaststudenten sind in der Regel von der Pflicht zur Übernahme eines Referates ausgenommen. Ein Seminar widmet sich meist einer speziellen Thematik, einem speziellen Problem aus dem entsprechenden Teilbereich eines Studienfaches. Es ist sinnvoll - und manchmal wird es zur Voraussetzung gemacht - vor einem Seminar ein Proseminar zu besuchen. Zur Vor- und Nachbereitung ist in der Regel ein Semesterapparat - eine Präsenzbibliothek mit den für die Seminarthematik zentralen Büchern und Zeitschriftenartikeln - eingerichtet.
Ein Proseminar ist eine Seminar im Grundstudium. Diese dialogische Lehrveranstaltung richtet sich an Studienanfänger und hat einführenden Charakter. Es wird anhand eines ausgewählten Problems in den jeweiligen Teilbereich des Faches eingeführt. Manchmal besteht auch die Möglichkeit, die Arbeitstechniken zum wissenschaftlichen Arbeiten allgemein und für das spezielle Fach zu erlernen.
Eine Übung bietet die Möglichkeit zum Lösen meist praktischer Aufgaben. Oft ist eine Übung bezogen auf den Inhalt einer Vorlesung.
Ein Kolloquium ist eine seminarähnliche Lehrveranstaltung, bei der Gespräche zwischen Lehrenden und Studierenden über ein wissenschaftliches Thema im Vordergrund stehen. Es wendet sich vor allem an Studenten in höheren Semestern, an Examenskandidaten und an Doktoranden. Im Kolloquium werden teilweise aktuelle Forschungsarbeiten in verschiedenen Stadien der Bearbeitung vorgestellt und diskutiert; möglicherweise ist es auch auf ein spezielles Prüfungsgebiet bezogen.
Alle Lehrveranstaltungen beginnen in der Regel in der ersten Woche des Winter- bzw. Sommersemesters; die letzte Veranstaltung liegt in der Woche mit dem Ende der Lehrveranstaltungen. Kompaktveranstaltungen in Form von Block- oder Wochenendkursen werden eher selten angeboten. In der vorlesungsfreien Zeit finden keine Lehrveranstaltungen statt; die Semesterferien dienen meist der Vor- und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen und der Prüfungsvorbereitung. Wenn nicht anders ausgewiesen, beginnen die Lehrveranstaltungen mit dem akademischen Viertel .c.t. (cum tempore), d.h. 15 Minuten nach der angegebenen Zeit. Eine Lehrveranstaltungsstunde dauert 45 Minuten. Ein Seminar mit der Terminangabe Montag 8-10 Uhr beginnt demnach um 8.15 und endet um 9.45. Veranstaltungen mit Minutenangabe (z.B. 8.30) oder mit dem Zusatz s.t. (sine tempore) beginnen zum angegebenen Zeitpunkt.
3. Anzahl älterer Studierender
an deutschen Hochschulen
Die nachfolgenden Graphiken geben Aufschluß
über die An-zahl älterer Studierender an deutschen Hochschulen
(Abbildung 13)), über den Prozentsatz von Männern und
Frauen bei den Seniorenstudenten (Abbildung 2) sowie über
die Altersverteilung der älteren Studierenden (Abbildung
3) Quelle: Saup, W., Schaufler, B. & Schröppel, H., 1994).