Heimatdefinitionen

Um eine Idee von der Fülle möglicher Bedeutungen zu geben eine willkürliche Auswahl von Definitionen:

 

Heimat. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist H. zunächst auf den Ort (auch als Landschaft verstanden) bezogen, in den der Mensch hineingeboren wird, wo die frühen Sozialisationserlebnisse stattfinden, die weithin Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und schliesslich auch Weltauffassungen prägen. [...]

In etholog. und anthropolog. Hinsicht reflektiert H. zunächst das Bedürfnis nach Raumorientierung, nach einem Territorium, das für die eigene Existenz Identität, Stimulierung und Sicherheit bieten kann (P. LEYHAUSEN). In existenzphilosoph. Hinsicht stellt H. in Wechselbeziehung zum Begriff der Fremde eine räuml. und auch zeitbezogene (Traditionen) Orientierung zur Selbstgewinnung des Menschen bereit (O. F. BOLLNOW). In soziolog. Hinsicht zählt H. in Komplementarität zur Fremde zu den Konstitutionsbedingungen von Gruppenidentität (G. SIMMEL). In diesen beiden letzten Betrachtungsweisen wird dem Begriff H. neben der inneren auch eine eigene histor. Dimension zuerkannt. [...]

Brockhaus (1989, 617 f.)

 

Ein geographisches Gebiet, meist auf den Staat bezogen, mit dem jemand sich emotional besonders verbunden fühlt. In der Regel ist das Individuum dort geboren, wobei aber für das Heimatgefühl eher die Sozialisation in Kindheit und Jugend in dieser Region, deren Tradition und Lebensbedingungen entscheidend sind. Das H.bild ist sehr stark positiv besetzt und gerade dann, wenn die Lebensumstände zum Verlassen der Heimat gezwungen haben, in der Erinnerung verklärt und überzeichnet.

Gerd Reinhold (1997, 257)

 

Heimat ist "die soziale, die kulturell-geistige und die naturale Umwelt [...] in erster Linie die heliozentrisch gesehene Umgebung des Menschen [...]. Heimat ist keine objektive Grösse; sie ist ihrer Wesensart nach subjektiv, d.h. jeweils an jeden einzelnen Menschen gebunden. ... Ohne diese subjektive Bestimmtheit und Bezogenheit ist eine Heimat nicht denkbar; ohne sie existiert sie nicht einmal. [...]"

W. Brehpol (in: Neumeyer 1992, 64/67/100)

 

Heimat ist die "menschliche, landschaftliche und geschichtliche Umwelt, in der sich der Mensch identifiziert, rational und emotional bindet uns sichert".

W. Schmidt (in: Neumeyer 1992, 64)

 

Deutsches Wörterbuch:

Bedeutung.

1) heimat, das land oder auch nur der landstrich , in dem man geboren ist oder bleibenden aufenthalt hat [...]

2) heimat, der geburtsort oder ständige wohnort [...]

3) selbst das elterliche haus und besitzthum heiszt so [...]

4) heimat in freierer anwendung.

a) dem christen ist der himmel die heimat [...]

b) dichterisch [...]

c) redensarten [...]

Jacob & Wilhelm Grimm (1984, 55)

 

Das Phänomen Heimat ist im wesentlichen "ein bestimmtes Verhältnis von Menschen zu ihrer unmittelbaren lokalen Umwelt", zu ihrer Gemeinde, "wobei sowohl eine dörfliche als auch eine städtische Gemeinde gemeint sein kann".

R. König (in: Neumeyer 1992, 77)

 

Bewusst verzichtet TREINEN zunächst auf die Verwendung des Begriffs Heimat - die er vorläufig als "überschaubare, örtlich gebundene Sozialstruktur" definiert.

H. Treinen (in: Neumeyer 1992, 82)

 

"Heimat ist ein vages, verschieden besetzbares Symbol für intakte Beziehungen. Das mag ausgedrückt werden in Landschaft oder Dialekt, in Tracht oder Lied - immer geht es um die Beziehungen zu Menschen und Dingen."

H. Bausinger (in: Neumeyer 1992, 120)

 

"Heimat ist nichts anderes als Territorium oder Revier!" [...] Für GREVERUS ist Heimat ein "Imperativ des Menschen", ein "territorialer Imperativ" und "einerseits eine für den Menschen als biologische Art unabdingbar raumabhängige Verhaltensforderung, zum anderen aber das Gebot für alle jene Instanzen, die das kulturfähige und -abhängige Wesen Mensch mit immer neuen Angeboten und Verboten belegen, ihm die Befriedigung dieser Bedürfnisse in und an einem Raum zu gewährleisten" (1979: 24). Heimat wäre dann das "Symbol für territoriale Satisfaktion" [...].

I.-M. Greverus (in: Neumeyer 1992, 116)

 

Fasst man die genannten Aspekte zusammen, so stellt sich Heimat dar als eine unmittelbare, alltäglich erfahrene und subjektive Lebenswelt, die durch längeres Einleben in ihre sozialen, kulturellen und natürlichen Bestandteile Vertrautheit und Sicherheit, emotionale Geborgenheit und befriedigende soziale Beziehungen bietet und - auch dadurch - insbesondere verschiedene (Grund-) Bedürfnisse befriedigt

Dieses noch weiter komprimierend und reduzierend kann Heimat als satisfaktionierende Lebenswelt bezeichnet werden. Womit Heimat weniger als ein Raum, sondern vielmehr als Zustand der Satisfaktion in einer und durch eine Umwelt anzusehen ist.

Michael Neumeyer (1992, 127)

 

Die Soziologen bezeichnen das [die personale Beziehung zwischen Individuum und dem erlebten Raum] als emotionale Ortsbezogenheit, der Normalsterbliche sagt dann einfach "Heimat" oder "Zuhause" .

Peter Weichhart (1998, 10)