Carmen Stadelhofer



Orte, die mich prägten
Geboren bin ich 1947 in Frankfurt
am Main. Obwohl wir schon 1949 nach Mannheim umzogen, bin ich Frankfurt
noch heute sehr verbunden, v.a. wegen der Besuche in meiner Kindheit bei
meiner wirklich liebenswerten Omi und Tante, die - zusammen in einer 5-Zimmerwohnung
lebend - durch Vermieten von Zimmern sich den notwendigen Lebensunterhalt
verdienten. Bei ihnen war immer viel Besuch, und der Kontakt mit sehr netten
deutschen und ausländischen UntermieterInnen und Messegästen
brachte ein Stück "Welt" in mein kleines Leben.
Meine "Heimat" ist Mannheim:
da bin ich zur Schule gegangen (übrigens ein katholisches Mädchengymnasium)
und habe ein Großteil meines Studiums absolviert, hier war ich aktiv
in der kirchlichen Jugendarbeit, hier wurde ich mit der 68'er Bewegung
und der Frauenbewegung konfrontiert und lernte vieles neu zu sehen und
zu denken. Später war ich einige Jahre in Mannheim an der Universität
und im Schuldienst tätig, habe auch heute noch viele Freundinnen und
Freunde dort wohnen, vor allem aber meine Famile - deswegen zieht es mich
immer wieder dahin.
Seit 1984 lebe ich in Ulm,
wo es mich aus beruflichen Gründen hinverschlug. Nur langsam gewöhnte
ich mich an die "schwäbische Denk- und Empfindungsweise", aber mittlerweile
fühle ich mich in Ulm recht wohl, was sicher mit meiner spannenden
Arbeit zusammenhängt, der gut gelungenen Stadtsanierung und dem hohen
Freizeitwert (Nähe zur Schwäbischen Alp, zum Allgäu, zum
geliebten Italien), vor allem aber mit einem Mann, übrigens: ein Schwabe.
Meine Aufenthalte in Paris
(1965) und Vesoul
(1969-1970) und in Pavia (1975-76)
haben mich "über den Tellerrand" schauen lassen, und ich habe von
diesen Aufenthalten persönlich wie für meine berufliche Arbeit
enorm profitiert.
Berufliche Tätigkeiten,
die mir wichtig waren/sind
Vor vielen Jahren habe ich Germanistik,
Romanistik und Pädagogik studiert an den Universitäten Mannheim
und Freiburg. Dann habe ich in
verschiedensten pädagogischen Bereichen gearbeitet, in der Universität,
im Schulbereich, in der außerschulischen Jugendarbeit, in der Erwachsenenbildung:
-
während meines Studiums arbeitete als
Tutorin im Fachbereich "Französische Literaturwissenschaft", als Sprachenlehrerin
für Deutsch und Französisch, wo ich v.a. Kontakt mit ausländischen
MitbürgerInnen und AussiedlerInnen bekam, und als Freizeitpädagogin
mit Kindern und Jugendlichen, vor allem im Rahmen des deutsch-französischen
Jugendwerks,
-
1969-70 konnte ich erstmals meine pädagogischen
Fähigkeiten im Schulbereich erproben, als "assistante allemande" am
Gymnasium von Vesoul/Ostfrankreich
-
nach meinem Studium war ich als wissenschaftliche
Mitarbeiterin tätig und unterrichtete StudentInnen der Romanistik,
später der Pädagogik an der Universität Mannheim,
-
1975-1976 versuchte ich als "lettrice di tedesco"
italienischen StudentInnen an der Universität
Pavia Deutsch und Deutschland näher zu bringen,
-
1979-1984 war ich engagiert als Lehrerin in
den Klassenstufen 5-13 der
Integrierten
Gesamtschule Mannheim-Herzogenried,
-
und ab 1981 an der Universität
Ulm als Dozentin im Fachbereich Pädagogik,
-
1984 wurde die Universität Ulm mein Arbeitsplatz.
Bis 1994 war ich als akademische Oberrätin am Seminar für Pädagogik
mit Aufgaben in der LehrerInnenausbildung und als Wissenschaftlerin im
Bereich der Weiterbildung von Frauen in und nach der Familienphase (Projekt
"Frauenakademie")
betraut,
-
seit 1994 bin ich als Leiterin des Wissenschaftlichen
Sekretariats/der Geschäftsstelle des Zentrums für Allgemeine
Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW)
der Universität tätig und beschäftige mich schwerpunktmäßig
mit der allgemeinen Weiterbildung von "Menschen im dritten Lebensalter
und davor".
Allen diesen Tätigkeiten gemeinsam war/ist
die Aufgabe, neue curriculare und didaktische Konzepte modellhaft zu entwickeln,
sie zu erproben, zu evaluieren und dann einer größeren Öffentlichkeit
zugängig zu machen. So habe ich im Rahmen meiner Staatsexamensarbeit
ein Curriculum entwickelt für "Einführungskurse in die historisch-soziologische
Literaturwissenschaft im Fach Französisch", mitgewirkt an der Erarbeitung
eines audio-visuellen Deutsch- bzw. Französisch- Feriensprachkurses
für Jugendliche im Rahmen der Arbeit des Bureau International de Liaison
et de Documentation, ein Programm "Unterrichtstraining für zukünftige
LehrerInnen" mitentwickelt, und einiges mehr.
Von 1987-1994 leitete ich das Modellprojekt
„Ulmer
Frauenakademie. Weiterbildungsstudiengang für Frauen in und nach
der Familienphase", ein Forschungsprojekt im Sinne der Aktionsforschung
des Seminars für Pädagogik der Universität Ulm in Zusammenarbeit
mit der Ulmer Volkshochschule und den
am Modellprojekt beteiligten interessierten Frauen.
Auf Anfrage des Ulmer Seniorenrats initiierte
und leitete ich 1990-1992 ein Forschungsprojekt „Weiterbildungsbedürfnisse
älterer Menschen in der Region Ulm". Aus diesem Projekt heraus entstand
die Begründung und Konzeption der "Jahreszeitenakademien"
an der Universität Ulm, einwöchige Weiterbildungskompaktwochen
für „Menschen im dritten Lebensalter" und davor", die seit 1992 zweimal
jährlich - die sog. „Frühjahrs- und Herbstakademien" -durchgeführt
werden und seit Jahren jeweils von 550-600 Personen aus Ulm und der Region
besucht werden.
Seither wurden/werden unter meiner Leitung
am ZAWiW mehrere Forschungsprojekte durchgeführt, die in den Bereichen
"Forschendes Lernen Seniorstudierender" und "Erschließung von neuen
Technologien für ältere Menschen" liegen. In diesem Zusammenhang
wurde 1998 in Ulm das Pilotprojekt "Senior-Info-Mobil"
im Auftrag des VSiW uns des BMBF durchgeführt, sein erfolgreicher
Verlauf führte zur bundesweiten Kampagne"Senior-Info-Mobil".
1995 führte das ZAWiW unter meiner
Leitung eine internationale Fachtagung „Kompetenz und Produktivität
im dritten Lebensalter. Der Beitrag der wissenschaftlichen Weiterbildung
zur Vorbereitung älterer Menschen auf neue Aufgaben und Tätigkeitsfelder
in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft" durch. Aus dieser Tagung,
an der 156 Verantwortliche für die Weiterbildung älterer Menschen
aus 19 Ländern teilnahmen, entstand Ende 1995 das europäische
Netzwerk "Learning in Later Life"
(LiLL), das sich zur Aufgabe gesetzt hat , die Information, Kommunikation
und Kooperation der (wissenschaftsorientierten) Weiterbildungseinrichtungen
für ältere Menschen in Europa wie der älteren Menschen
untereinander zu fördern. In diesem Rahmen wird unter meiner
Leitung das viersprachige Online-Informations-und Kommunikationssystem
LiLL auf- und ausgebaut, für dessen inhaltliche, technische und organisatorische
Gestaltung und Koordination das ZAWiW verantwortlich ist.
Lieblingsbücher:
dauerhaft:
- „Rot und Schwarz" von Stendhal
- „Madame Bovary" von Gustave Flaubert
- „Orlando" von Virgina Woolf
- alle Werke von Hedwig Dohm, Ingeborg
Bachmann und Christa Wolf (Kindheitsmuster, Kein Ort. Nirgends)
- Autobiographien, bes. Biographien
von Frauen des 19. Jhs, die durch ihr Wirken die „Welt" ein Stück
bewegt haben und gegen die Normen ihrer Zeit zu leben
gewagt haben
- historische Romane allgemein
derzeit:
Frank McCourt: Die Asche meiner Mutter
Susanne Tamaro: Geh, wohin dein Herz dich
trägt (Besprechung)
Velma Wallis: Zwei alte Frauen
Nurjewska...:Liebesbriefe
Horst Stern, Der Mann aus Apulien
aktuell mit Interesse gelesen:
Marget Atwood: alias Grace
Marianne Fredrikssons: Hannas Töchter
Louis Begley: Mistlers Abschied
Musik, die ich mag (kleine Auswahl):
Französische Chansons: z.B. Juliette
Greco („Parlez-moi d’amour"), Edith Piaf („non, je ne regrette rien", Milord,
le droit de s’aimer), Georges Brassens (l’Auvergnat), Georges Moustaki
(Le temps de vivre, le Métèque), Serge Reggiani (Le Déserteur),
die Chansons von Guy Béart (Vive la rose).
Deutsche Chansons: Lotte Lenya (Dreigroschenoper,
z.B. Das Lied von der Unzulänglichkeit), Gisela May (Brecht-Songs,
z.B. Seeräuber-Jenny, Vertonung von Kästner-Lieder), Wolf Biermann
(„Komm, laß dich nicht verhärten"), Hannes Wader („Heute hier,
morgen dort"), Franz-Josef Degenhardt („Schmuddelkinder), Konstantin Wecker
(„Willi"), Ina Deter (Neue Männer braucht das Land), Schneewittchen
(Die namenlosen Frauen, Nehmen Sie’s wie ein Mann, Madame), Bettina Wegner
(Sind so kleine Hände),
Pop-Rock-Blues-Musik: Beatles (When I’m
sixty-four, Let it be), Rolling Stones (Satisfaction), Leonard Cohn (Like
a bird on the wire), Eric Clapton (Tears in Heaven), Joan Baez (The banks
of Ohio), Marla Glenn (Coast of freedom),
überhaupt: Rock ‘nRoll, klassischen
Jazz
Jiddische Lieder: insb. Vertonung von Sara
Bloom, begleitet von Johannes Vogt ( Baj mir bistu schejn, Rebbe Elimelech,
Margariten), Klezmer-Musik (Giora Fedman)
klassische Musik:
Italienische Kunstlieder , v.a. Benjamin
Gigli (Bell’amiche con rose bianche), Fischer-Diskau (Schubert, Winterreise:
Unter dem Lindenbaum)
Opern: Carmen von Bizet, Zauberflöte
und Figaros Hochzeit von Mozart
Chopin (Nocturnes), Ravel (Bolero), Händel
(Vier Jahreszeiten)
Volkslieder, in Reminiszenz an schöne
Familienfahrten: Wenn alle Brünnlein fließen, Horch, was kommt
von draußen rein, Ade zur guten Nacht, Kein schöner Land, Dickel-Duckel-Dackelhund.
Volkslieder, die ich später entdeckt
habe: 1848er Lieder (Bürgerlied, In dem Kerker saßen ..., oder
neue inhaltliche Interpetation von Auf einem Baum ein Kuckuck, Die Gedanken
sind frei...vertont von Hannes Wader und Dieter Süverkrüp),
Das weiche Wasser (boots)
Schlager der 50er Jahre, die ich mit Inbrunst
gesungen habe , worüber ich z.T. heute herzlich über mich selbst
lachen muß : z.B.
Fred Bertelsmann (der Lachende Vagabund),
Peter Kraus (Sugar Baby), Melina Mercouri (Ein Schiff wird kommen)
und noch viele andere/anderes!!
Andere Freizeitaktivitäten
Reisen, wandern
keine Einschränkung , aber immer
wieder gerne nach Italien, in den letzten Jahren vor allem nach Sardinien,
am liebsten mit meinem Mann und mit dem Wohnmobil,
Tanzen (v.a.Rock ‘nRoll) - kommt leider
zur Zeit zu kurz, aber erfreulicherweise gibt es ja ab und zu „runde" Geburtstage,
wo wir kräftig schwofen