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Schritt für Schritt zum Arztberuf:

Rouven Hornung, Famulus am Uniklinikum

Rouven Hornung (rechts) studiert Medizin an der Uni Ulm. Um Praxiserfahrung zu sammeln, begleitet er Dr. Wolfgang Öchsner (links), Oberarzt in der Kardioanästhesiologie

Ein Dienstagmorgen in den Semesterferien. Um 6:50 tritt Rouven Hornung, Medizinstudent im siebten Semester, seine Famulatur in der neuen Chirurgie auf dem Oberen Eselsberg an. In einem der modernsten Krankenhäuser Deutschlands bereitet sich der 25-Jährige in der vorlesungsfreien Zeit auf den Arztberuf vor. Im aktuellen Abschnitt dieser insgesamt viermonatigen Praxisphase liegt sein Schwerpunkt eigentlich auf der Radiologie. Heute begleitet Hornung allerdings Dr. Wolfgang Öchsner, Oberarzt in der Kardioanästhesiologie.

Die beiden kennen und schätzen sich aus der Wahlveranstaltung  „Anästhesie bei Herzoperationen", in der Besonderheiten der Narkoseführung bei herzkranken Patienten gelehrt werden. Außerdem hat der Student den „Herz-Lunge-Gefäß-Track" im Zuge der „Individuellen Studienmodelle“ absolviert. Dank dieser Tracks können angehende Mediziner bereits während der Ausbildung Spezialgebiete wie die Neurowissenschaft oder Traumaversorgung vertiefen – eine Ulmer Besonderheit. Rouven Hornung will Anästhesist, also Narkosearzt,  werden. Schon im theorielastigen, vorklinischen Abschnitt seines Studiums hat er Dr. Öchsner gefragt, ob er ihn in den Operationssaal begleiten darf. Bis heute nimmt der Kardioanästhesist den ausgebildeten Rettungsassistenten Hornung zu besonders interessanten Fällen mit.

 

Schnell tauschen Ausbilder und Famulus an diesem Dienstagmorgen Jeans und Straßenschuhe gegen sterile OP-Kleidung. Vor einem der 15 hochmodernen, erst vor wenigen Monaten eingerichteten Operationssäle wartet bereits Udo Schmidt (Name von der Redaktion geändert) auf seine Narkose.  Der 43-Jährige leidet an einer  Aortenklappenstenose im Herzen, eine rasche Operation ist notwendig. „Die betroffene Herzklappe ist maximal verengt, der relativ junge Patient kann sich kaum mehr belasten", erklärt Öchsner. Gerade bereitet der Fachpfleger für Anästhesie  Udo Schmidt auf den bevorstehenden Eingriff vor, die Messgeräte beginnen monoton zu piepen. Alles Routine. Nur Rouven Hornung wirkt etwas nervös. Gleich soll er beim Einbringen eines Blutdruckmesskatheters in die Schlagader von Udo Schmidt assistieren. Unter den wachsamen Augen Öchsners bereitet Hornung die passende Einstichstelle am Körper des Patienten vor und legt die notwendigen Materialien gewissenhaft zurecht. Gemeinsam führen Arzt und Student die örtliche Betäubung durch und bringen den Katheter in die Schlagader ein – dem Einsatz Rouven Hornungs hatte der Patient zuvor ausdrücklich zugestimmt. „Ein bisschen weh getan hat es schon", meldet sich Udo Schmidt schließlich zu Wort  Doch Wolfgang Öchsner und der eben dazu gekommene Abteilungsleiter PD Dr. Helmut Reinelt sind mit der Arbeit des Studenten zufrieden. In den vergangenen Semestern hat Rouven Hornung viel gelernt: Wie dosiere ich Medikamente richtig? Und wie ziehe ich OP-Handschuhe steril an? Das sind nur einige alltagspraktische Dinge, die im Laufe des Medizinstudiums eingeübt werden müssen.

 

Doch zum Arztberuf gehört mehr als reines Fachwissen: Wichtige „Puzzleteile“ im Ulmer Ausbildungsprofil sind zum Beispiel Kommunikations- und Teamfähigkeit. Während der gesamten Vorbereitungsphase der Narkose spricht Dr. Öchsner mit Udo Schmidt: Er erklärt sein Vorgehen, beruhigt den Patienten und lenkt ihn mit ein bisschen Smalltalk ab: „Tief einatmen, das ist ab jetzt ihre wichtigste Aufgabe. Den Rest übernehmen wir für Sie", heißt es schließlich. Rouven Hornung assistiert noch bei der Einleitung der künstlichen Beatmung. Jeder Handgriff des kleinen Teams sitzt. Dann kann der friedlich schlummernde Udo Schmidt in den Operationssaal geschoben werden.

Zeit für eine kurze Kaffeepause im Arztzimmer. „Für uns Studierende  ist der Umzug in die neue Chirurgie und somit  die Konzentration vieler Kliniken auf dem Eselsberg eine große Erleichterung. Oft war es ganz schön stressig, vom Safran- auf den Eselsberg zu pendeln", sagt Rouven Hornung und rührt in seinem Heißgetränk. Als gebürtiger Saarbrücker war die Universität Ulm nicht unbedingt seine Wunschhochschule („Nach einigen Wartesemestern habe ich mich gefreut, irgendwo in Deutschland einen Studienplatz zu ergattern"). Jetzt ist er aber umso zufriedener: „Die Betreuung an der Uni Ulm ist gut und die Hierarchien im Klinikum sind ziemlich flach", sagt der künftige Mediziner.

 

Bevor er zu seinem eigentlichen Einsatzort in der Radiologie eilt, macht der 25-Jährige einen Abstecher in das so genannte Skills Lab.  Seit Inbetriebnahme der Chirurgie können Studierende der Humanmedizin ihre praktischen Fähigkeiten in dem neu eingerichteten Raum völlig stressfrei an Patientenmodellen trainieren. Hier und in zwei weiteren, älteren Labs auf dem Michels- und dem Eselsberg stehen ihnen Helfer aus fortgeschrittenen Semestern oder aus der Krankenversorgung zur Seite. „Eigentlich sollten Studierende eines Semesters  auf dem gleichen Wissensstand sein. Doch natürlich sieht jeder in den Praxisphasen unterschiedliche Fälle und wird verschieden intensiv betreut. Diese Unterschiede wollen wir ausgleichen", sagt Dr. Annette Neumayr, mitverantwortlich  für das Skills Lab im Neubau der Chirurgie auf dem Eselsberg.
Gemeinsam mit seinem Kommilitonen und Tutor Clemens Zeyher hört Rouven Hornung eine speziell angefertigte Puppe mit dem Stethoskop ab. An dem Modell können verschiedene Herzfehler eingestellt werden, denn im Ernstfall ist es lebenswichtig, Auffälligkeiten schnell zu erkennen. Ein Plastikarm sieht ganz schön mitgenommen aus - hier haben Nachwuchsärzte Nähen geübt.
Ihren theoretischen und praktischen Kenntnisstand können angehende Mediziner  anhand eines Lernzielkatalogs auf der fakultätseigenen Online-Plattform „Moodle“  überprüfen. Für Studierende im Praktischen Jahr, also gegen Ende der universitären Ausbildung, gibt das Studiendekanat seit kurzem Logbücher heraus: „Wie schätze ich mein Wissen und Können ein? Und wo habe ich noch Defizite?" - diese Fragen sollen die jungen Menschen eigenständig beantworten.

 

„In den letzten Jahren ist der Praxisanteil im Ulmer Medizinstudium deutlich gestiegen. Wir Ausbilder merken den Unterschied und können Studierende viel besser einsetzen", sagt Wolfgang Öchsner. Mittlerweile ist Rouven Hornung auf dem Weg in die benachbarte Radiologie - hier lernt der Famulus bildgebende Verfahren kennen und übt, entsprechende Aufnahmen auszuwerten. Obwohl er auch im Semester dank Studium, Doktorarbeit, seinem Engagement als Studentische Hilfskraft, Tutor und Fachschaftsmitglied kaum mit einer 40-Stunden-Woche auskommt, fühlt sich der Klinikalltag noch ungewohnt an. Trotzdem ist er sich sicher, im Ulmer Medizinstudium und besonders in der Anästhesiologie richtig zu sein: „Ich möchte den Patientenkontakt nicht missen", sagt Hornung. An diesem Dienstagmorgen um 9:00 Uhr ist er in der neuen Chirurgie seinem Traumberuf  ein bisschen näher gekommen.

Weitere Informationen: Dr. Wolfgang Öchsner, Tel.: 0731/500-55407

 

26.11.2012 14:40 Alter: 193 Tage