Die Stellung der Kurse in der Ausbildung zum Aktuar DAV

Die Aufgaben des Aktuars verlangen eine gute mathematische Ausbildung, solide Kenntnisse in Stochastik, Statistik und Informationsverarbeitung sowie Verständnis für wirtschaftliche Sachverhalte und Grundlagenwissen in Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen und Versicherungsrecht.

Durch die Tatsache, dass der Aktuar mathematischen Sachverstand in Verbindung mit wirtschaftlichem Verständnis und der Fähigkeit zum Umgang mit Informationstechnologie besitzt, wird er zu einem wertvollen und schwer ersetzbaren Mitarbeiter bei Versicherungen, Banken und Bausparkassen, aber auch bei Wirtschaftsprüfern, Unternehmensberatern und Softwareherstellern, die in diesem Bereich tätig sind. Von daher bestehen für Personen mit fundiertem aktuariellen Wissen auch für die kommenden Jahre glänzende Berufsaussichten und gute Karrierechancen.

Seit 1995 sind z.B. Personenversicherer gesetzlich verpflichtet, einen „Verantwortlichen Aktuar” zu bestellen, der darüber zu wachen hat, dass die Erfüllung der abgeschlossenen Versicherungsverträge auch langfristig gesichert ist. In vielen Fällen sind hierfür Mathematiker im Vorstand des Unternehmens verantwortlich.

Gemeinsam mit der DAA veranstaltete Kurse

Im Hinblick auf die Ausbildung zum Aktuar bieten die gemeinsam mit der DAA veranstalteten Kurse „Weiterbildung in Finanz- und Aktuarwissenschaften“ eine sehr gute Möglichkeit, den für die DAV-Prüfungen relevanten Stoff zu erlernen, indem sie die inhaltlichen Anforderungen der DAV-Prüfungen nach PO III-4 abdecken und die dafür erforderlichen Wissensgrundlagen in komprimierter, gut erlernbarer Form bereitstellen.

Die Akademie bietet Fernkurse zu allen prüfungsrelevanten Fächern des Grundwissens nach PO III-4 sowie in Vorbereitung auf die Zulassungsprüfungen der DAV in Kooperation mit der DAA an.

Die Termine der Fernkurse sind auf die prüfungsvorbereitenden DAV-Repetitorien und die DAV-Grundwissenprüfungen abgestimmt.

Auszubildende zum Aktuar DAV, welche für die Vorbereitung auf die entsprechende DAV-Klausuren die Fernkurse der Akademie an der Uni Ulm nutzen, haben zudem die einzigartige Möglichkeit, ergänzend zur Mitgliedschaft in der deutschen Aktuarvereinigung einen universitären Master zu erwerben.

Weitere Informationen zum Master in Aktuarwissenschaften finden Sie hier.

Zulassungsprüfungen der DAV

Zur Vorbereitung auf die Zulassungsprüfungen der DAV werden folgende Fernkurse angeboten.

  • Der Kurs „Begleitetes Lernen zur Vorbereitung auf die mathematische Zulassungsprüfung der DAV“ wurde 2009 in das Kursportfolio aufgenommen. Das Kurskonzept wurde in unmittelbarer Anlehnung an die Lernziele der Zulassungsprüfung in Mathematik der DAV erarbeitet. Entsprechend sollen sich die Teilnehmer im Verlauf das mathematische Grundwissen aneignen, welches für die Ausbildung zum Aktuar DAV und die berufliche Praxis benötigt wird.
  • Der Kurs „Stochastische Grundlagen für Aktuarwissenschaften und Finance“ wurde zum SS 2011 vollständig überarbeitet und dabei hinsichtlich Struktur und Inhalt auf die Lernziele der stochastischen Zulassungsprüfung der DAV zum Aktuar DAV ausgerichtet. Er eignet sich daher hervorragend für die Vorbereitung auf die stochastische Zulassungsprüfung der DAV.

Prüfungsordnung zum Aktuar DAV

Im Rahmen der Harmonisierungsbestrebungen der International Association of Actuaries (IAA) hat sich die DAV, als institutionelles Mitglied der IAA, verpflichtet, die Ausbildung zum Aktuar DAV an die Anforderungen der IAA anzupassen. 2006 trat deshalb für die Erlangung der Mitgliedschaft in der DAV die Prüfungsordnung (PO III) in Kraft, welche 12 Lernfächer vorschreibt. Seither wurde die Prüfungsordnung und der Lernzielkatalog mehrfach überarbeitet. Zuletzt zum 01.01.2013 auf PO III-4.

Ab dem 01.01.2018 tritt eine neue Prüfungsordnung PO 4.0 in Kraft. Mit dieser bietet die DAV eine neue Struktur für die Ausbildung zum Aktuar DAV / zur Aktuarin DAV an (siehe hier). Ziel der neuen Ausbildung ist es, die Aktuare auf das veränderte Arbeitsumfeld durch Solvency II, die zunehmende Digitalisierung und die neuen Herausforderungen des Risikomanagements vorzubereiten. Darüber hinaus wird die internationale Vergleichbarkeit und Anerkennung der deutschen Ausbildung vereinfacht.

Als Einstiegsvoraussetzungen für die Ausbildung zum Aktuar DAV werden ein mathematisches Hochschulstudium (in Deutschland) und Grundkenntnisse in Stochastik und Statistik gefordert.

  • Personen ohne mathematischen oder einen gleichwertigen Hochschulabschluss müssen eine mathematische Zulassungsprüfung bei der DAV absolvieren
  • Personen ohne ausreichende Grundkenntnisse in Stochastik und Statistik müssen die Zulassungsprüfung in Stochastik absolvieren

Die Lernfächer

Aktuarielles GrundwissenRahmenbedingungen der aktuariellen Arbeit
  • Stochastische Risikomodellierung und Statistische Methoden
  • Grundprinzipien der Versicherungs- und Finanzmathematik
  • Personenversicherungsmathematik
  • Schadenversicherungsmathematik
  • Finanzmathematik und Investmentmanagement
  • Modellierung
  • Informationsverarbeitung
  • Versicherungswirtschaftslehre
  • Rechnungslegung für Aktuare
  • Rechtsgrundlagen
  • Wert- und Risikoorientierte Unternehmenssteuerung
  • Berufskunde

Die Lernfächer werden in insgesamt 9 Grundwissen-Modulprüfungen im Frühjahr (Anfang/Mitte Mai) und Herbst (Anfang/Mitte Oktober) abgeprüft. Die meisten Prüfungen werden nur einmal im Jahr angeboten.

Das Lernfach „Personenversicherungsmathematik“ setzt sich aus den drei Teilbereichen „Lebensversicherungsmathematik“, „Pensionsversicherungsmathematik“ und „Krankenversicherungsmathematik“ zusammen.

Für die Lernfächer „Berufskunde“, „Rechtsgrundlagen für Aktuare“ und „Informationsverarbeitung“ ist der Besuch eines entsprechenden Pflichtseminars der DAA nachzuweisen, aber keine Prüfung abzulegen.


ACHTUNG: Mit Umstellung auf die neue Prüfungsordnung PO 4 zum 01.01.2018 ergeben sich auch für Teilnehmer nach PO III die folgenden Änderungen:

1. zusätzliche Prüfungstermine (mit bisherigen Lerninhalten):

  • Finanzmathematik und Investmentmanagement (90-minütig, im Mai 2018)
  • Modellierung (90-minütig, im Oktober 2018)
  • Wertorientierte Risikomanagement (90-minütig, im Oktober 2018)

2. geänderte Prüfungsdauer:

abDauer
VersicherungswirtschaftslehreMai 18120 min
Finanzmathematik und InvestmentmanagementOkt. 18180 min
ModellierungMai 19180 min
Stochastische Risikomodellierung und Statistische MethodenMai 19180 min
Wert- und Risikoorientierte UnternehmenssteuerungMai 19180 min

In einigen Fächern der PO Nr. 3 und der PO Nr. 4 existieren deutliche inhaltliche Überschneidungen. Mit Anhebung der Prüfungsdauer sollen in diesen Fällen auch die Lerninhalte der Fächer der PO Nr. 3 an die Lerninhalte der korrespondierenden Fächer der PO Nr. 4 angeglichen werden.

Gerade in der Übergangszeit empfehlen wir daher dringend den Besuch der entsprechenden Seminare der DAA.

Das Anforderungsprofil für den Aktuar, d.h. die spezifisch aktuarwissenschaftlichen Kenntnisse, wurde von der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) festgelegt. Eine detaillierte Zusammenstellung der Prüfungsanforderungen im versicherungsmathematischen Grundwissen kann bei der DAV angefordert werden bzw. steht auf der Homepage der DAV zum Abruf bereit:

Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) e.V.
Hohenstaufenring 47 - 51
50664 Köln
Tel.: 0221 / 912554-0
Fax: 0221 / 912554-44
E-Mail: info(at)aktuar.de

Empfehlung zur Studienplanung

Das in den einzelnen Lernfächern vermittelte Wissen baut teilweise aufeinander auf. Bestimmtes Vorwissen aus den „ersten“ Lernfächern wird für andere Grundwissen-Lernfächer vorausgesetzt, z.B. wird das Lernfach „Stochastische Risikomodellierung und Statistische Methoden“ für das Lernfach „Schadenversicherungsmathematik“ vorausgesetzt.

Zur Vorbereitung auf die Grundwissenprüfung hat die DAV einen Vorschlag zur Vorbereitungs- und Prüfungsreihenfolge erarbeitet, welcher auf 5 Semester ausgelegt ist.

Vorbereitungs- und Prüfungsreihenfolge, Ausbildungsbeginn im Sommersemester:

 1. Semester (Sommersemester)

Vorbereitung der LehrfächerPrüfung im
Versicherungswirtschaftslehre


Oktober

Grundprinzipien der Versicherungs- und Finanzmathematik

 2. Semester (Wintersemester)

Vorbereitung der LehrfächerPrüfung im
Stochastische Risikomodellierung und Statistische Methoden


Mai

Schadenversicherungsmathematik

 3. Semester (Sommersemester)

Vorbereitung der LehrfächerPrüfung im
Personenversicherungsmathematik


Oktober

Finanzmathematik und Investmentmanagement

 4. Semester (Wintersemester)

Vorbereitung der LehrfächerPrüfung im
Modellierung


Mai

Wert- und Risikoorientierte Unternehmenssteuerung

 5. Semester (Sommersemester)

Vorbereitung der LehrfächerPrüfung im
Rechnungslegung für AktuareOktober

Vorbereitungs- und Prüfungsreihenfolge, Ausbildungsbeginn im Wintersemester:

 1. Semester (Wintersemester)

Vorbereitung der LehrfächerPrüfung im
Versicherungswirtschaftslehre


Mai

Stochastische Risikomodellierung und Statistische Methoden

 2. Semester (Sommersemester)

Vorbereitung der LehrfächerPrüfung im
Grundprinzipien der Versicherungs- und Finanzmathematik


Oktober

Personenversicherungsmathematik

 3. Semester (Wintersemester)

Vorbereitung der LehrfächerPrüfung im
Schadenversicherungsmathematik


Mai

Wert- und Risikoorientierte Unternehmenssteuerung

 4. Semester (Sommersemester)

Vorbereitung der LehrfächerPrüfung im
Finanzmathematik und Investmentmanagement


Oktober

Rechnungslegung für Aktuare

 5. Semester (Wintersemester)

Vorbereitung der LehrfächerPrüfung im
ModellierungMai

 

Zusätzlich verlangt die DAV eine Vertiefungsprüfung (Spezialwissen), der eine mindestens dreijährige Berufspraxis vorausgehen muss.

Üblicherweise werden alle Prüfungen bei der DAV berufsbegleitend abgelegt. Allerdings können auch entsprechende Studienleistungen aus dem, der Zulassung zugrunde liegenden Hochschulstudium, als Grundwissenprüfungen anerkannt werden (z. B. hat die Universität Ulm als erste deutsche Hochschule einen Studienplan für Aktuarwissenschaften entwickelt, der alle Grundwissenfächer nach PO III in das normale (präsenz-) Wirtschaftsmathematik-Studium integriert).
Für eine Anerkennung ist zu beachten, dass die erbrachten universitären Leistungen den Anforderungen und Inhalten der DAV-Ausbildung entsprechen müssen. 

Das Zertifikat der Akademie an der Universität Ulm ersetzt nicht die DAV-Prüfung. Es bestätigt die erfolgreiche Bearbeitung des jeweiligen Kurses für diejenigen, die sich das Grundwissen in dem jeweiligen Gebiet angeeignet haben. Eine bestandene DAV-Klausur in dem betreffenden Fachgebiet kann allerdings für das Zertifikat der Akademie an der Universität Ulm angerechnet werden.

Ausbildung der DAV ab 2018

Das neue Prüfungs­system der DAV unter­gliedert sich in sechs Fächer des Grund­wissens sowie vier Fächer des Spezialwissens.

Das Grundwissen der PO 4.0

Die Prüfungsfächer des Grundwissens sind:

  • Wirtschaftliches und rechtliches Umfeld
  • Angewandte Stochastik
  • Finanzmathematik und Risikobewertung
  • Versicherungsmathematik
  • Modellierung und ERM
  • Unternehmenssteuerung

Zusätzlich sind Pflicht­seminare in den Fächern "Professionalität" und "Kommunikation" ohne Prüfung zu besuchen.

Das Spezialwissen

Zusätzlich sind vier Prüfungen des Spezialwissens zu bestehen. Zwei davon müssen dabei aus einer der folgenden sechs Spe­ziali­sierungen ge­wählt werden:

  • Lebensversicherung
  • Krankenversicherung
  • Pensionen
  • Schadenversicherung
  • Investment
  • Bausparen
  • Enterprise Risk Management

Zwei weitere Wahl­pflicht­prüfungen können aus den o.g.  oder dem neuen Spezialwissenfach

  • Actuarial Data Science

frei gewählt werden.

Detaillierte Informationen zur neuen Prüfungsordnung und Lehrinhalten finden Sie auf der Homepage der DAV unter:  https://aktuar.de/aktuar-werden/dav-ausbildung-2018/Seiten/default.aspx

Für wen gilt die neue Prüfungsordnung?

Die neue Prüfungs­ordnung 4.0 tritt zum 1. Januar 2018 in Kraft. Alle Prüf­linge, die sich ab dem 1. Januar 2018 zur DAV-Ausbildung anmelden, werden auto­matisch in der neuen Prü­fungs­ordnung ins Aus­bildungs­system auf­genommen.

Prüflinge, die sich bereits in der Aus­bildung befinden, oder noch in 2017 zur Ausbildung anmelden (letzte Sitzung am 08.12.2017), können die Ausbildung im Rahmen ihrer bis­herigen Prüfungs­ord­nungen PO III.2, III.3 und III.4 beenden. Die alten Prü­fungs­ordnungen sind noch bis zum 31. Dezember 2022 gültig. Darüber hinaus besteht die Mög­lichkeit, in die neue Prü­fungs­ordnung 4.0 zu wechseln.

Übergangsregelungen PO III auf PO 4.0

  • Versicherungswirtschaftslehre wird anerkannt für Wirtschaftliches und rechtliches Umfeld
  • Statistische Methoden/Risikotheorie wird anerkannt für Angewandte Stochastik
  • Finanzmathematik und Investmentmanagement wird anerkannt für Finanzmathematik und Risikobewertung
  • Modellierung wird anerkannt für Modellierung und ERM
  • Wertorientiertes Risikomanagement wird anerkannt für Unternehmenssteuerung
  • Personenversicherungsmathematik und Schadenversicherungsmathematik werden gemeinsam anerkannt für Versicherungsmathematik

Für Prüflinge, die die Prüfung „Rechnungslegung für Aktuare“ bereits bestanden haben, gilt ergänzend: zwei bestandene Prüfungen der drei Prüfungen „Rechnungslegung für Aktuare“, „Modellierung“ und „Wertorientiertes Risikomanagement“ werden anerkannt für „Modellierung und ERM“ und „Unternehmenssteuerung“.
Darüber hinaus wird das Pflichtseminar „Berufskunde“ für das neue Pflichtseminar „Professionalität“ anerkannt.

Hinweis: Für Prüflinge, die während des Studiums eine durch die DAV nach Prüfungsordnung 3 akkreditierte Prüfung bestanden haben und sich erst nach dem 1. Januar 2018 gemäß Prüfungsordnung 4 zur Ausbildung anmelden, gelten die obigen Übergangsregelungen gleichermaßen.