Muskulofasziale Schmerzen und Funktionsstörungen

Dysfunktion der Faszien und Muskeln
Neue Methoden der Diagnose und Therapie


Das myofasziale System wurde bisher aus der Sicht der Muskel-Triggerpunkte und der Schmerzphysiologie wissenschaftlich untersucht. Die Bedeutung der Faszien für die Funktion des muskuloskelettalen Systems und als Ort der Schmerzentstehung wurden hingegen wenig gewürdigt. Durch die Ultraschall-Elastographie als herausragendes bildgebendes Verfahren ist es jetzt auch in der täglichen Praxis möglich objektive Befunde des gesamten Faszien- und Muskelsystems zu erheben.  Die Befunde korrelieren eng mit den Gewebeelastizitätsmessungen der Faszien und Muskeln per Myometrie (MyotonPro) und Beweglichkeitsmessung der Wirbelsäule und Gelenke per ROM.

Im Kurs wird vorgestellt, wie man mit Gewebemesstechniken wie der Ultraschall-Elastographie oder Myometrie schnell und objektiv die Wirksamkeit von verschiedenen Behandlungsmethoden überprüfen kann. Als wichtigste Indikationen wird auf die Diagnostik, Befunderhebung und Therapie von Kopfschmerzen, Nacken- Schulter-Beschwerden und Rückenschmerzen an Probanden eingegangen. Funktionelle Tests mittels Algesimetrie und Oberflächen – Elektromyographie (EMG) kommen zur Anwendung, die Probleme aufdecken können, die durch Übertragungsphänomene, Schmerzhemmung und Koordinationsstörung verursacht werden. Als Methoden zur Behandlung des myofaszialen Syndroms soll insbesondere der Einsatz von Gelotripsie, manueller Triggerpunkt Massage, die Stoßwellentherapie, Frequenz-spez. Therapie (FST) mit Mikroströmen, und die biologische Zell Regulation (BCR) demonstriert werden.

Kursleitung: Dr. Heike Jäger, Mitglied in der Faszienforschung der Division of Neurophysiologie, Universität Ulm 

Teilnahmegebühr: 450,-- Euro
Das Buch "Schmerzfrei durch Trigger-Osteopraktik" sowie Snacks während der Pausen sind in der Teilnahmegebühr enthalten.

Kontakt

Organisatorische Fragen bitte an:

Frau Viola Lehmann
Telefon: +49(0)731/50 25266
Telefax: +49(0)731/50 25265

Fragen für weitere Informationen zum Kursinhalt bitte an:

Dr. Heike Jäger

Ausführliche Kursinformationen

Das myofasziale Schmerz Syndrom - MSS - verursacht Funktionsstörungen und Schmerzen in Muskeln und Faszien, wobei unter Faszien alle bindegewebigen Strukturen verstanden werden, zu denen auch Sehnen, Sehnenansätze und Sehnenplatten gezählt werden.

Auf ein MSS kann das vegetative Nervensystem zusätzlich mit Schwindel, Herzrasen und Blutdruckschwankungen reagieren. Und in Verbindung mit den inneren Organen kann es zu Magen- Darm- Beschwerden, oder Unterleibsprobleme kommen, die sich bei Frauen häufig als Dysmenorrhoe, interstitielle Blasenentzündung und bei Männern als abakterielle Prostatitis äußern. Der Hauptverursacher des myofaszialen Schmerzsyndroms sind Triggerpunkte der Muskeln und Faszien.

Die Forschung der letzen Jahrzehnte hierzu beschäftigte sich überwiegend mit der Schmerzentstehung durch die periphere Sensibilisierung im Muskelgewebe und die zentrale Sensibilisierung im Zentralnervensystem. Die Bedeutung der Faszien für die Funktion des muskuloskelettalen Systems sowie ihre Rolle als Ort der Schmerzentstehung wurden erst in den letzten Jahren wieder zum Thema wissenschaftlicher Diskussion. Aktuell betonen die verschiedenen Richtungen der manuellen Therapie die Bedeutung der Faszien, haben aber unterschiedliche Erklärungsmodelle für die Entstehung von Schmerz und Funktionsstörungen.

Da bisher die Befunderhebung einen geschulten Tastsinn erforderte, der von den individuellen Fähigkeiten und der Erfahrung der Untersucher abhing, war es schwierig die Erkenntnisse der Grundlagenforschung mit den klinischen Befunden zu korrelieren. Um eine tatsächlich brauchbare substantiierte Analyse durchzuführen, ist es von großem Vorteil, die klinischen Befunde mittels objektiver Parameter zu dokumentieren.
Dabei haben sich die Ultraschall-Elastographie als bildgebendes Verfahren und die bisher nur in der Forschung eingesetzte Myometrie herauskristallisiert als nicht-invasive, praxisnahe Methoden zur Charakterisierung des Gewebes.

Mit der bereits praxistauglichen Kompressions-Ultraschall-Elastographie lassen sich die Folgen von Verletzungen und Erkrankungen des muskuloskelettalen Systems als punktuelle Verhärtungen erkennen, welche das myofasziale Systems beeinträchtigen und zu Funktionsstörungen und Schmerzen führen können. Mit der Myometrie können nicht-invasiv, schnell, flexible, und vergleichsweise kostengünstig biomechanische und viskoelastische Eigenschaften des Gewebes ermittelt werden.

Andere Methoden der Befunderhebung wie die Beweglichkeitsmessung der Wirbelsäule und Körpergelenke – ROM –, die Druck - Algesimetrie und die Oberflächen-Elektromyographie – EMG – können dank der Ultraschall-Elastographie und der Myometrie besser und neu interpretiert werden. Wie eine mögliche Umsetzung in diesen Messtechniken in die Praxis aussehen kann wird praktisch vorgeführt.

Unabhängig von der Art der Therapie erlauben diese Methoden eine Beurteilung des Gewebezustandes und damit des Therapieeffektes. So kann die Wirkung verschiedener Vorgehensweisen auf das Binde- und Muskelgewebe objektiv beurteilt werden.
Die Laborforschungen der letzten Jahre und auch klinischen Untersuchungen deuten vermehrt auf eine reaktive Fibrose (Verhärtung des Bindegewebes) hin, die sich in einer veränderten Gewebeelastizität manifestieren kann und damit die Funktion des gesamten muskuloskelettalen Systems sowie dessen Neurophysiologie beeinflusst. Untrennbar damit verbunden sind die pathologischen Veränderungen der Muskelfasern, wie myofasziale Triggerpunkte für massive Funktionsstörungen und Schmerzen verantwortlich sind. Erklärungsmodelle zur Entstehung von myofaszialen Schmerzsyndromen sollen vorgestellt werden und anhand molekularer Abläufe im Gewebe belegt werden.

Den Teilnehmern soll vermittelt werden, dass es sinnvoll ist einen interdisziplinären Ansatz zu wählen und neue Aspekte und Techniken aus der Faszien- und Schmerzforschung sowie der Muskelphysiologie einzubeziehen. Es soll verdeutlicht werden, dass es heute schon möglich ist mit den neuartigen Untersuchungstechniken das Ausmaß und die Ursache einer ganzen Reihe von strukturbedingten Funktionsstörungen und Schmerzen im Gewebe zu erkennen und im Therapieverlauf zu verfolgen. 

Im Rahmen der Fortbildung werden neben den neuen und zum Teil bekannten Methoden der Befunderhebung und verschiedene Möglichkeiten der Therapie präsentiert und Gelegenheit zur praktischen Anwendung gegeben. An Probanden werden manuelle Formen der Faszien und Triggerpunkt-Therapien demonstriert und die Behandlungseffekte mit der Myometrie und der Ultraschall Elastographie anhand von Vorher- Nachher Messungen objektiviert. Als Alternative oder Ergänzung zur manuellen Therapie werden die Möglichkeiten der Triggerpunkt-Stoßwellen-Therapie (TST), Photonen-Anwendung und Frequenz-spezifischen-Therapie mit Mikroströmen eingesetzt. Als wichtigste Indikationen werden die Diagnostik, Befunderhebung und Therapie von Kopfschmerzen, Nacken-Schulter-Beschwerden und Rückenschmerzen präsentiert.

Ziel des Seminars ist es zu erkennen, wie die unterschiedlichen Therapierichtungen mit ihren scheinbar divergierenden Erklärungen und Behandlungskonzepten tatsächlich an einem gemeinsamen pathophysiologischen Korrelat ansetzen. Es soll weiterhin vermittelt werden, dass es mithilfe neuer Gewebemessverfahren wie der Myometrie und der Ultraschall-Elastographie möglich ist, subjektive manuelle Befunde zuverlässig und reproduzierbar zu objektivieren.

Referenten

Dr. rer. nat. Heike Jäger

Dr. rer. nat. Heike Jäger studierte Biologie und ist seit 1996 in der Grundlagenforschung im Institut für Angewandte Physiologie der Universität Ulm tätig. Seit 2010 engagiert sie sich für die Faszien-Forschung der Division of Neurophysiologie in Ulm. Neben molekularbiologischen und elektro-physiologischen Forschungsprojekten an Ionenkanälen arbeitet sie mit Messverfahren zur Charakterisierung von Gewebeelastizität am Institut für Lasertechnologien in der Medizin und Messtechnik an der Universität Ulm in Kooperation mit dem Sonographie-Schwerpunkt der Klinik für Innere Medizin I der Universitätsklinik Ulm.

 

 

 

 

Dr. med. Wolfgang Bauermeister

Dr. med. Wolfgang Bauermeister ist amerikanischer Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin. Von 1980 bis 1988 war er in den USA an Schmerzkliniken tätig mit dem Schwerpunkt Sport- und Schmerzmedizin. Seine Facharztausbildung absolvierte er an der Tufts University, Boston, USA. Erst in den USA und seit 1988 auch in Deutschland bildet er Ärzte und Therapeuten in innovativen Methoden der Diagnostik und Therapie aus. Die von ihm konzipierte Trigger-Osteopraktik, Triggerpunkt-Stoßwellen-Therapie und Ultraschall Elastographie sind ein integraler Bestandteil seiner Fortbildungen, die weltweiten Zuspruch finden. Seine Entwicklungen haben zu neuen Trends in der Schmerz- und Sportmedizin geführt.

Programm

Samstag
UhrzeitThema
12:00 - 14:00 Uhr

Diagnostik und Behandlung von Faszien- und Muskelverhärtungen - damals und heute

Gewebemessungen per Myometrie (MyotonPro-Gerät)
14:10 - 14:40 UhrPause
14:40 - 15:40 UhrTriggerpunkte: Forschung und Praxis
15:40 - 16:00 UhrPause
16:00 - 16:20 UhrThoracolumbalfaszie: Forschung und Praxis
16:20 - 18:00 UhrFalldemonstration ROM, Sonoelastographie
18:00 - 19:00 UhrFalldemonstration: Rücken und Hüfte
Sonntag
UhrzeitThema
09:00 - 09:30 UhrTheorie und Praxis verbinden
09:30 - 09:50 UhrEntstehung von Fibrose und Behandlungsmöglichkeiten: Wärme, Vibration, Photonen, Scherstress
09:50 - 10:30 UhrGelotripsie, manuelle Triggerpunkt Massage, Stoßwellentherapie, Frequenz-spezifische Therapie - FST - mit Mikroströmen, biologische Zell Regulation BCR
10:30 - 10:50 UhrPause
10:50 - 12:30 UhrFalldemonstration Kopfschmerz, Migräne, Nacken - oberer Rücken, Schultergelenk
12:30 - 12:50 UhrPause
12:50 - 13:50 UhrFalldemonstration Kniegelenk, Sprunggelenk
13:50 - 14:00 UhrAbschlussdiskussion, Evaluation

Kursorganisation

  • Für Ihre Teilnahme am Kursprogramm erhalten Sie ein Zertifikat, das Ihnen den Erwerb grundlegender Kenntnisse bescheinigt.
  • Fortbildungspunkte sind bei der Landesärztekammer beantragt.
  • Kurssprache: Deutsch
  • Kurszeiten:
    • Samstag von 12:00 - 19:00 Uhr
    • Sonntag von 9:00 - 14:00 Uhr

Veranstaltungsort

Tagungszentrum Villa Eberhardt,
Heidenheimer Straße 80,
89075 Ulm

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