Wirtschaftsmediation

Ausbildung zum (Wirtschafts-)mediator/zur (Wirtschafts-)mediatorin

Nach der Rechtsverordnung des Mediationsgesetzes und den Ausbildungsgrundsätzen des Bundesverbands Mediation e.V. (BM®)

Mediation ist ein konstruktives Konfliktlösungsverfahren. Ihr Ziel ist es, den Streit einvernehmlich und eigenverantwortlich unter Anleitung eines Dritten - des Mediators/der Mediatorin -  beizulegen. Mediation setzt auf die Konfliktlösungsbereitschaft und die Konfliktlösungskompetenz aller Streitparteien. Denn die Beteiligten entwickeln nach intensiver Arbeit die Lösung, nicht der Mediator. Diesem kommt die wichtige Rolle als Prozesssteuerer zu. Mit seinen Kenntnissen über Kommunikation, Psychodynamik und Gruppendynamik gelingt es ihm sukzessive, eine ausreichend vertrauensvolle Atmosphäre zwischen den Konfliktparteien herzustellen, so dass diese freiwillig, eigenverantwortlich und gemeinsam eine Vereinbarung zur Beilegung des Konflikts treffen können.

 

Bericht und Meinungen der Kursteilnehmer des Kurses 2009.

Bericht aus der Südwestpresse vom 24. Oktober 2009.

Bericht des Kurses 2011

Beitrag aus uni ulm intern (Ausgabe August 2011)

Zielgruppe

Der Ausbildungslehrgang richtet sich an Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung oder Studium aus Wirtschaft, Verwaltung und Non-Profit-Organisationen. Interdisziplinarität ist für uns von großer Bedeutung; daher begrüßen wir es, wenn Mitglieder unterschiedlicher Herkunftsberufe sich für unsere Ausbildung interessieren. Entscheidend ist nicht Ihre berufliche Ausrichtung, sondern Ihr Interesse und Ihre Bereitschaft, Ihre Konfliktlösungs-, (Selbst-)Führungs- und Verhandlungskompetenz weiterzuentwickeln.

Ziele der Ausbildung

  • Mediation und andere Konfliktbearbeitungsverfahren kennenlernen und adäquat einsetzen
  • Das Recht in der Mediation adressatengerecht einführen
  • Kommunikations- und Moderationskenntnisse vertiefen
  • Theoretisches Wissen über Konflikte und Konflikteskalation mit praktischem Erleben verknüpfen
  • Persönliche Konfliktlösungs- und Verhandlungskompetenz erkennen und erweitern
  • Systemisches Denken in Mediation und Berufsleben integrieren
  • Eigene Beziehungsgestaltungs- und Kommunikationsmuster durch angeleitete Selbstreflexion hinterfragen und - bei Bedarf - verändern
  • Mediationen und Konfliktbearbeitungsprozesse effizient vorbereiten, durchführen und abschließen
  • Mediative Kompetenzen im Beruf zielgerichtet anwenden
  • Intervision und Supervision gestalten und erleben

Inhalte der Ausbildung

  • Ziele, Voraussetzungen und Grenzen der Mediation
  • Mediationsbezogenes Fachwissen: Prinzipien, Vereinbarungen, Rollen Phasen, Recht und Ethik
  • Persönlichkeit des Mediators: Selbstverständnis und mediative Grundhaltung als neutraler Dritter, persönliches Konfliktverhalten, eigene Kommunikations- und Verhaltensmuster, Umgang mit fremden und eigenen Gefühlen bei Konflikten (versteckte Loyalitäten, Stressverhalten, Übertragung, etc. )
  • Kommunikationsmethoden und -regeln zum Aufbau und zur Gestaltung von Beziehungen
  • systemisch-lösungsorientierte Arbeitsmethoden und Fragetechniken
  • Moderation von mehrstufigen Gesprächsprozessen
  • Herausarbeiten von Bedürfnissen und Gestaltung einer konsensorientierten Verhandlung
  • Vertiefende Settings in der Mediation: Co-Mediation, Shuttle-Mediation, Einbeziehung Dritter in die Mediation, Mehrparteienmediationen
  • Anwendungsgebiete der Mediation: Wirtschaft, Arbeitswelt, Non-Profit-Bereich, Familie

Lehr- und Lernmethoden

  • Impulsvorträge, Gruppendiskussionen
  • vor- und nachbereitendes Skript- und Literaturstudium
  • Simulation von Mediationen und Gesprächssequenzen mit (Klein-)Gruppen-Feedback
  • Anleitung zur Selbstreflexion, Einzel- und Gruppensupervision
  • Selbst organisierte Intervision in Lerngruppen

Für alle Beteiligten besteht die Verpflichtung zur Vertraulichkeit.

Zertifizierungsvoraussetzungen

  • regelmäßige aktive Teilnahme an den Lehrveranstaltungen und Intervisionsgruppen
  • wissenschaftlich fundierte Arbeit im Umfang von 20 Seiten zu einem ausgewählten Konfliktbearbeitungs- bzw. Mediationsthema aus dem Organisationsbereich
  • Dokumentation einer Mediation oder Co-Mediation
  • Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit persönlichen Anteilen und Mustern der Konfliktbewältigung

Zertifizierung

Bei erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmer das Zertifikat des Post-Graduate Programms der Akademie der Universität Ulm zum/zur „(Wirtschafts-) Mediator / „(Wirtschafts-) Mediatorin“.

Die Ausbildung orientiert sich an den Ausbildungsinhalten der „Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren“ des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (Zertifizierte-Mediatoren-Ausbildungs-Verordnung-ZMediatAusbV). Eine Anerkennung ist eigenverantwortlich zu beantragen, da die Durchführung weiterer Mediationen sowie der Besuch regelmäßiger Fortbildungen zur Zertifizierung vorausgesetzt wird. Nähere Informationen s. www.bmj.de.

Die Ausbildung erfüllt die Qualitätsstandards zur Grundlagenausbildung des Bundesverbands Mediation BM. Um die Anerkennung des Verbandes zu bekommen, sind weitere Voraussetzungen zu erfüllen. Bitte vergleichen Sie dazu die Veröffentlichungen des BM unter www.bmev.de.

Ausbildungsumfang

130 Stunden gemäß den Richtlinien des BM® sowie des ZMediatAusbV, inkl. Einzel- und Gruppensupervision

Zusätzlich sind 15 Stunden selbst organisierte Intervisionsarbeit in Lerngruppen ohne Trainer erforderlich.

Teilnehmerzahl und Eingangsvoraussetzungen

  • Begrenzung auf max. 14 Teilnehmer
  • Mindestalter 25 Jahre, akademischer Abschluss bzw. gleichwertiger berufsqualifizierender Abschluss, mind. 2 Jahre Berufserfahrung, persönliche Reife und positives Menschenbild, Bereitschaft zur Selbstreflexion

Teilnahmegebühr

Die Teilnahme an allen 9 Modulen im Umfang von 130 Stunden an 18 Tagen kostet 4.800,00 Euro inkl. Teilnehmerunterlagen, Pausengetränke und Mittagsimbiss.
Bitte überweisen Sie die Teilnahmegebühr nach Erhalt der Anmeldebestätigung und Rechnung. Auf Wunsch kann in 3 Raten 4 Wochen vor Semesterbeginn gezahlt werden.

Ausbilderinnen

Dr. Margret Klinkhammer (Leitung)
München, Mediatorin (BM®, BMWA®), Ausbilderin (BM ®, BMWA ®), Coach (dvct), Studium der Wirtschaftsmathematik, Business Administration, Psychologie und Philosophie. Langjährige Führungskraft in einem deutschen Großkonzern sowie Geschäftsführerin mehrerer mittelständischer Unternehmen. Seit 2006 Inhaberin des Ausbildungsanbieters Leadership Focus GmbH für Coaches und Mediatoren. Seit 2010 zudem als geschäftsführende Gesellschafterin tätig als Coach, Mediatorin, Trainerin und Beraterin in Organisationen bei der CORMENS GmbH.

Anja Köstler
München, Mediatorin (BM®), Ausbilderin (BM®), Studium der Sozialpädagogik und Erwachsenenpädagogik, Ausbildungen u.a. in Gruppendynamik, Personal- und Organisationsentwicklung. Langjährige Führungserfahrung in Non-Profit Organisationen in D und USA, sowie in Beratung und Lehre. Praktizierende Mediatorin seit 1995, seit 2009 freiberuflich tätig in Wirtschafts- und Non-Profit-unternehmen als Mediatiorin, Team- und Organisationsentwicklerin, Trainerin/ Coach. Schwerpunkt Führung und innerbetriebliche Konflikte. Viele Jahre Regionalgruppenleiterin München des Bundesverband Mediation e.V. , Fachbuch-Autorin zu Mediation/Konflikt, s. www.anja-koestler.de.

Weitere Trainer/Trainerinnen
Weitere Trainer/Trainerinnen werden in Abhängigkeit vom Thema, dem Teilnehmerkreis und der Teilnehmeranzahl zu den einzelnen Modulen eingeladen. Jedes Modul wird durch einen Trainer begleitet.

Veranstalter, Rückfragen und weitere Informationen

Akademie für Wissenschaft, Wirtschaft und Technik in Kooperation mit http://www.leadership-focus.de/ 

Veranstalter ist die Akademie für Wissenschaft, Wirtschaft und Technik an der Universität Ulm e.V. in Kooperation mit Leadership Focus GmbH, Dr. Margret Klinkhammer.

Organisatorische und inhaltliche Fragen richten Sie bitte an Akademie WWT oder telefonisch an Frau Viola Lehmann, Tel. 0731 50 25266.
Die Anmeldungen sind verbindlich. Die Zahl der Plätze ist begrenzt.

Stornobedingungen:
Bei Rücktritt bis vier Wochen (20 Arbeitstage) vor Veranstaltungsbeginn wird der Teilnahmebeitrag abzüglich einer Bearbeitungsgebühr in Höhe von 120,-- € zurückerstattet. Nach diesem Datum ist keine Rückzahlung mehr möglich. Ein Ersatzteilnehmer kann jederzeit, vor Veranstaltungsbeginn, benannt werden. Im Übrigen gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Akademie, die durch die Anmeldung anerkannt werden. Bei Absage der Ausbildung durch den Veranstalter, z. B. organisatorisch oder krankheitsbedingt, wird die Teilnahmegebühr zurück erstattet. Für darüber hinaus entstandene Kosten etc. kommen die Veranstalter nicht auf.

Inhaltsübersicht der einzelnen Kursmodule

Aus didaktischen oder organisatorischen Gründen kann es kurzfristig zu Veränderungen kommen.

Modul 1: Grundlagen der Mediation und Konflikttheorie einführen

  • Einführung in den Lehrgang, Erläuterung des Curriculums
  • Prinzipien und Verfahrungsgrundsätze der Mediation
    • Selbstverständnis, Rolle und Aufgaben des internen und externen Mediators
    • Phasen der Mediation
    • Anwendungsbereiche und Grenzen der Mediation
    • Einführung in das Recht der Mediation
  • Konfliktfaktoren, Konfliktarten, Konfliktdynamik und -eskalation
  • Konfliktbearbeitungsmethoden im Vergleich - Abgrenzung zu Beratung, Coaching, etc.
  • Die erste Intervention: Zielklärung im Erstkontakt
  • Rollenübungen, Fallbearbeitung mit Selbstreflexion und Feedback

Modul 2: Kommunikation ermöglichen - Sichtweisen erarbeiten

  • Grundtechniken guter Kommunikation und Gesprächssteuerung:
    • Verbale und non-verbale Kommunikation bewusst einsetzen
    • Ich-Botschaften senden, aktiv zuhören
    • spiegeln, paraphrasieren, reframen, doppeln
  • Bereitschaft zum "Verstehen-Wollen" erzeugen:
    • Einführung in Gewaltfreie Kommunikation
    • Eigene und fremde Emotionen wahrnehmen und ansprechen - Psychodynamik verstehen
    • Konflikte de-eskalieren
    • Konflikte und Konfliktregelungsverhalten reflektieren - auch die eigenen
  • Auftragsvereinbarung in Organisationen:
    • Gestaltung von Vorgesprächen und Einzelgesprächen
    • Gemeinsame Auftrags- und Zielklärung mit den Konfliktparteien
    • Umgang mit "Machtgefälle" und "Widerstand" - Rang- und Statusverhalten
    • Rechtliche Rahmenbedingungen
    • Erstellung eines Mediationsplans
  • Themensammlung:
    • Sichtweisen auf den Konflikt beleuchten
    • Konfliktthemen herausarbeiten
    • Perspektivenwechsel initiieren
  • Gestaltung des Übergangs in die nächste Mediationsphase
  • Vor- und Nachbereitung von Mediationsgesprächen
  • Intervisionsgruppe aufsetzen - Handlungsleitlinien vereinbaren
  • Rollenübungen, Fallbearbeitung mit Selbstreflexion und Feedback

Modul 3: Eigenverantwortung übernehmen - Unterschiedliche Interessen respektieren

  • Systemisch-konstruktivistisches Denken und Arbeiten einführen
    • Grundprinzipien systemischen Denkens
    • Mit Fragen führen
    • Analyse des Systemumfelds
  • Rolle und mediative Haltung des allparteilichen Dritten
    • Aufbau einer helfenden Beziehung (Respekt, Wertschätzung, Allparteilichkeit, Fairness)
    • Konstruktiver Umgang mit den Konfliktparteien in emotional schwierigen Situationen
    • Interventionen zur Förderung der eigenen Achtsamkeit und Selbststeuerung
    • Fallstricke für interne und externe Mediatoren erkennen und bewusst reflektieren
  • Lösungsfokussiertes Arbeiten kennenlernen
  • System-Snapshot: Arbeit mit dem Inneren und Äußeren Team im Einzelsetting
  • Neurobiologische Grundlagen für die Mediation nutzen
  • Klärung von Interessen und Bedürfnissen als Basis der Lösungsfindung
  • Gestaltung des Übergangs in die nächste Mediationsphase
  • Rollenübungen, Fallbearbeitung mit Selbstreflexion und Feedback

Modul 4: Lösungen entwickeln - Verhandlungsräume öffnen

  • Kreative Lösungen ermöglichen
    • Verschiedene Kreativitätstechniken kennenlernen und ausprobieren
    • Lösungsoptionen entwickeln und bewerten
    • Risiken analysieren und bewerten
  • Verhandlungsräume öffnen:
    • Verhandlungen inszenieren, strukturieren und managen
    • Verschiedene Verhandlungsformen gezielt einsetzen
    • Verfahren zur Lösungsfindung bei innerbetrieblichen Konflikten klären (Einbeziehung Personalabteilung, Betriebsrat, etc.)
  • Vertiefung von Moderations- und Visualisierungstechniken
  • Gestaltung des Übergangs in die nächste Mediationsphase
  • Rollenübungen, Fallbearbeitung mit Selbstreflexion und Feedback

Modul 5: Vereinbarungen treffen - Rechtliche Grundlagen verankern

  • Erarbeitung der Vereinbarung – Begleitende Umsetzung
  • Nachhaltigkeit sichern: Dokumentation und Protokollierung der Zwischen- und Endergebnisse
  • Recht in der Mediation
    • Rolle des Rechts in der Mediation
    • Sensibilisierung aller Beteiligten für Rechtsfragen und -ansprüche
    • Mitwirkung externer Berater in der Mediation
    • Rechtliche Durchsetzbarkeit von Vereinbarungen
  • Vertiefung des Rechts der Mediation
  • Rollenübungen, Fallbearbeitung mit Selbstreflexion und Feedback 

Modul 6: Supervision und Qualitätssicherung

  • Einbringen der Fälle der Teilnehmer: Reflexion ihrer Haltung, Rolle, Konfliktdynamik, Interventionswahl, etc.
  • Umgang mit inneren Konflikten als Mediator im Mediationsprozess
  • Arbeit der Intervisionsgruppen reflektieren – Basis für Netzwerkarbeit als Mediatoren legen
  • Persönliche Entwicklung reflektieren - Profil als Mediator entwickeln
  • Mediativ Arbeiten ohne Mediator zu sein
  • Rollenübungen, Fallbearbeitung mit Selbstreflexion und Feedback

Modul 7: Innerbetriebliche Mediation

  • Einsatzfelder der Mediation in innerbetrieblichen Konflikten
  • Besonderheiten der innerbetrieblichen Mediation (Abhängigkeitsverhältnis, Freiwilligkeit, Einbindung Dritter)
  • Gestaltung von Einzelgesprächen im Rahmen von Vorgesprächen oder einer Shuttle-Mediation
  • Grundlagen des Konfliktcoachings
  • Umgang mit Krisen
  • Rechtliche Rahmenbedingungen, z.B. gesetzliche Fristen
  • Chancen und Risiken, Herausforderungen und Grenzen der Arbeit als interner Mediator
  • Rollenübungen, Fallbearbeitung mit Selbstreflexion und Feedback 

Modul 8: Mehrparteienmediation

  • Analyse des systemischen Umfelds
  • Entwicklung eines Mediationsdesigns für Mehrparteienmediationen
  • Gruppendynamik erkennen und nutzen
  • Mit Koalitionen, Hierarchien und formaler, informeller Macht umgehen lernen
  • Co-Mediationen erfolgreich gestalten – interne Teamdynamik reflektieren
  • Rollenübungen, Fallbearbeitung mit Selbstreflexion und Feedback

Modul 9: Zusammenführung und Prüfung

  • Schriftliche Prüfung
  • Präsentation der Abschlussarbeit
  • Mündliche Prüfung: Simulation einer Mediation in allen Phasen durch die Teilnehmer
  • Zertifikatsübergabe und Abschluss