Die ZEIT: Freie Geister im Café (Auszug)

Philosophie für jedermann: Eine Rundreise durch die Klubs und Debattierzirkel der Republik von Christian Schüle

[...] Das Zentralorgan allgemeinverständlicher Aufbereitung philosophischer Kontexte - und angeblich von vielen Kaffeehausphilosophierenden zur Vorbereitung genutzt - ist das halbjährlich erscheinende, merkwürdig unhandliche Journal namens der blaue reiter. Ersterscheinung: 1995. Aktuelle Auflage: 4000. Profil: meistverkaufte Philosophiezeitschrift deutscher Sprache. Anzeigen: zwei pro Heft. Motto: Aus Freude am Denken. Begonnen hat das Projekt als "Studentenwitz" der Fachschaft Philosophie am Humboldt-Studienzentrum der Universität Ulm, als acht Diplomanden ihren Professoren beweisen wollten: Philosophie geht auch anders! Jahre später schrieben im blauen reiter neben allerlei Unbekannten, akademische Großkopferten wie Robert Spaemann, Hartmut Böhme, Christoph Türcke und auch Rüdiger Safranski.

Siegfried Reuch, der einzige Redakteur, Chefredakteur, Herausgeber, diplomierter Chemiker, Fichte-Promovend, Mann der ersten Stunde und seit Jahren hauptberuflich Vater, sagt am Esstisch seines Aachener Wohnhauses, das zugleich Redaktionsgebäude ist, gleichsam programmatisch: "Philosophie ist keine Lebenshilfe. Sie ist und bleibt Arbeit und Auseinandersetzung mit den existenziellen Fragen." So ist der blaue reiter das Produkt einer nie versiegenden Faszination für Philosophie, stetig angetrieben von einem Netzwerk aus Graswurzel-Idealisten, gegen alle Krisen, Moden und Entfremdungen. Schwerpunktthemen in fünfzehn Jahren waren Götter, Geld, Glück, Ich, Sex, Körper, Erinnern,Freiheit, Heimat, das gute Leben und, gerade in Vorbereitung, Philosophie und Wirtschaft. [...]


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