Wintersemester 2012/13 Gemeinsame Ringvorlesung

- des Humboldt-Studienzentrums für Philosophie und Geisteswissenschaften (HSZ)
- Ethisch-Philosophisches Grundlagenstudium (EPG)
- Additive Schlüsselqualifikationen (ASQ)
- des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik in der Medizin (GTE)

Vorträge "Komplexität"

Vortrag am 30. Oktober 2012

"Komplexität in der Philosophie"

Sprecher: Prof. Dr. Klaus Mainzer
(TU München, Munich Center for Technology in Society)

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Vortrag am 13. November 2012

"Komplexität in der Biologie. Die unermessliche Komplexität des Gehirns"

Sprecher: Prof. Dr. Günter Ehret
(Universität Ulm, Institut für Neorobiologie)

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Vortrag am 20. November 2012

"Komplexität in der Finanzwelt – Grundproblem oder Scheinproblem?"

Sprecher: Prof. Dr. Gunter Löffler
(Universität Ulm, Institut für Finanzwirtschaft)

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Vortrag am 27. November 2012

"Komplexität in der Informatik. Kann man Komplexität messen?"

Sprecher: Prof. Dr. Frank Slomka
(Universität Ulm, Institut für eingebettete Systeme/Echtzeitsysteme)

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Vortrag am 08. Januar 2013

"Komplexität in den Naturwissenschaften"

Sprecher: Prof. Dr. Axel Groß
(Universität Ulm, Institut für Theoretische Chemie)

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Vortrag am 15. Januar 2013

"Komplexität in der Kunst"

Sprecher: Prof. Dr. Ingrid Kessler-Wetzig
(Universität Ulm, Lehrbeauftragte für Kunstgeschichte und Geschichte)

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Vortrag am 22. Januar 2013

"Komplexität in der Virologie: Die Schweinegrippe - Science Fiction und Korruption?"

Sprecher: Prof. Dr. Thomas Mertens
(Universität Ulm, Institut für Virologie)

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Vortrag am 02. Februar 2013

"Komplexität in der Psychologie"

Sprecher: Prof. em. Dr. Dietrich Dörner
(Universität Bamberg, Institut für theoretische Psychologie)

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Thema: Komplexität

Komplexität kennzeichnet die potentiell in einem System enthaltenen Ordnungszustände (Binswanger, S. 168f.). Dabei sind verschiedene Komponenten verknüpft (lat. complexus = Verknüpfung) und ein komplex geordnetes Zusammengesetztes entsteht. Im Unterschied zur Betonung der Ordnung weist das Komplizierte (lat. complicare = verwickeln) auf Verwirrung, Unordnung, Erschwernis hin. Wenn etwas immer komplizierter wird, ohne gleichzeitig neue Ordnungszustände zu erreichen, hat das noch nichts mit Komplexität zu tun.

In komplexen Systemen sind ihre Komponenten so ausgewählt und geordnet, daß sie umfassende Prozesse realisieren, die in einer ungeordneten Ansammlung der Teile nicht entstehen könnten ("Emergenz": In der geordneten, komplexen Einheit entsteht mehr als aus der Summe der Teile).

Dadurch erhalten sich die Wesensmerkmale des komplexen Systems auch, wenn die einzelnen Teile zwischenzeitlich wechseln.

Hochentwickelte komplexe Strukturen erhalten sich selbst stabil, indem sie als Ganze ihre innere Struktur so organisieren, daß innere Teile untereinander und mit äußeren Strukturen wechselwirken. Die Prozesse der Wechselwirkung durch Teile im Innern erhalten das Ganze stabil. Die Teile müssen deshalb unterschiedlich sein, damit sie untereinander etwas auszutauschen haben (Spezialisierung, Differenzierung), aber sie müssen gleichartig genug sein, um miteinander Wechselwirkungen einzugehen.

In komplexen Systemen beeinflussen die Prozesse sich gegenseitig so, daß sie nicht in einfache lineare "Wenn-Dann"-Folgen aufgelöst werden können. Komplexität bedeutet deshalb Multikausalität, Mulitvariabilität, Vieldimensionalität und Offenheit. In komplexen Systemen liegt ein hohes Maß an Unbestimmtheit vor, was technisch zu Instabilitäten führt. Diese Varianz ist aber gleichzeitig die Ursache für ihre Selbst-Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.

Alle unternehmerischen Aktivitäten spielen sich in komplexen Umwelten ab und gestalten selbst Komplexität. Auch wenn komplexe Zusammenhänge auf den ersten Blick eher kompliziert-verwirrend aussehen, darf das Maß an Komplexität nicht zu stark reduziert werden:

"Ein komplexerer Organismus wird wahrscheinlich eher mit unterschiedlichen Umweltbedingungen fertig. Variation und erste Auslese sorgen wahrscheinlich nicht für eine Tendenz zu höherer Komplexität, doch werden komplexere Organismen, die sich auf unterschiedliche Umwelten einstellen können, mehrere aufeinander folgende Wellen der Auslese eher überstehen als solche Varianten, die sich lediglich an die erste Umweltveränderung besser angepaßt haben" (Calvin, S. 284).

Um Komplexität zu beherrschen und ggf. zu steigern, brauchen die Methoden nicht immer "komplizierter" zu werden. Es ist oft geradezu typisch für komplexe Prozesse, daß aus der wiederholten Anwendung (und nichtlinearem Aufeinanderwirken) von einfachen - aber geeignet ausgewählten - Regeln komplexe Strukturen und Verhaltensweisen entstehen ("Selbst-Organisation").

 

Alle interessierten Zuhörer sind hierzu herzlich eingeladen!

Die Vorträge finden dienstags 18:30 - 20:00 Uhr im Multimediaraum des neuen Forschungsgebäudes, Universität Ulm Ost, statt.