Humboldt-Lecture

"Entlastung und Verlust. Die kulturwissenschaftliche Funktion von Technik und Institutionen"

Wir können vom Menschen (homo) sprechen, wenn das Überleben der Art nicht mehr allein durch die biologische Evolution bestimmt wird, sondern ohne den kulturellen, d.h. kommunikativ vermittelten, Fortschritt des Werkzeuggebrauchs nicht mehr erklärt werden kann. Nach dem frühen Gebrauch von Splittersteinen hat sich der Mensch zunächst die Fähigkeit zur Herstellung von Werkzeugen angeeignet, um diese nach und nach zu verfeinern und auszudifferenzieren. Das biologische Überleben des Menschen ist seitdem abhängig von der jeweils verwendeten Technik, und gleichzeitig entkoppelt und entlastet sich der Mensch dadurch von seinen Umweltbedingungen. Die Technik und die weitere, nicht nur material vorhandene, entlastende Errungenschaft der Institutionen schieben sich zwischen den Menschen und seine Umwelt aus Natur, Artefakten und Mitmenschen. Sie werden zu Medien all unseres Weltbezugs. Jede Vermittlung aber führt zum Verlust der unmittelbaren Auseinandersetzung, was dazu führen kann, dass durch die Selbständigkeit des Artefakts – ob technische Errungenschaft oder Institution – die Kontrolle verloren geht und dass sich das Herrschaftsverhältnis zwischen dem Menschen und seiner Entwicklung umkehrt.

Der Vortrag von Prof. Dr. Günter Fröhlich (Humbodt-Studienzentrum Universität Ulm) findet am 16.01.2012 um 20:00 Uhr im Stadthaus Ulm statt.

zurück zur Startseite

Stadthaus

Stadthaus

Stadthaus Ulm