Porträt des Dirigenten UMD Albrecht Haupt

Foto (c) Peter Pietschmann

Der Leiter des Ulmer Universitätschores, Universitäts- und Kirchenmusikdirektor Albrecht Haupt, gründete den Chor im Wintersemester 1976/1977. Seitdem entwickelte sich das Ensemble zu seiner ansehnlichen Größe von ca. 90 Mitgliedern, die sich in jedem Semester ein neues Programm erarbeiten, das dann im abschließenden Semesterkonzert in verschiedenen Ulmer Konzertsälen und Kirchen dargeboten wird. Die Vielfalt in der Programmauswahl findet in Ulm und bei auswärtigen Konzerten immer wieder begeisterte Zuhörer. Albrecht Haupt ist es wichtig, zwischen den verschiedenen Bereichen der Chormusik durch die Jahrhunderte abzuwechseln. So bekommen auch die Chormitglieder immer neue Anregungen - vom barocken a-capella-Madrigal bis hin zum großen Oratorium weltlicher oder sakraler Prägung. Auch ein Musical-Konzert oder eine Spiritualpassion bereicherten diesen weitgespannten Bogen.

Die Chormitglieder aus der Universität oder auch aus dem universitätsunabhängigen Interessenkreis der Ulmer Musikfreunde in verschiedenen Altersgruppierungen stellen sich den hohen künstlerischen Anforderungen, die der Dirigent vermittelt. Neben den großen Meistern der barocken, klassischen und romantischen Epoche bietet er auch Werke aus der Musik des 20. Jahrunderts an. Musik von Max Reger, Leos Janácek, Béla Bártok, Carl Orff, Leonhard Bernstein und anderen Meistern ist dem Chor vertraut und erklang teilweise als Ulmer Erstaufführung. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Orchestern und Musikern fördert die kulturelle Bindung zwischen der Universität und der Ulmer Bevölkerung. Auch auswärtige Ensembles sind gern gesehene Gäste.

Am 2. Mai 2001 erhielt Albrecht Haupt in Anerkennung um seine Verdienste als Universitäts-Musikdirektor durch den Rektor, Prof. Dr. Hans Wolff, die Medaille der Universität Ulm verliehen.

 


Zu seinem großen runden Geburtstag erhielt UMD Albrecht Haupt auch eine kleine laudatio in der Neu-Ulmer Zeitung.

Ein Leben für die Musik

02.12.2009

Von Dagmar Königsdorfer

Thalfingen Schwingenden, federnden Schrittes kommt Albrecht Haupt auf den Interviewpartner zu. Es war gar nicht leicht, den Ulmer Universitäts- und Kirchenmusikdirektor zu diesem Gespräch zu überreden, denn der Anlass ist dieses Mal kein musikalischer, sondern ein privater: Albrecht Haupt, der so oft mit seinen Aufführungen im Mittelpunkt musikalischen Interesses steht, sein Privatleben aber gern schützt, feiert am kommenden Montag seinen 80. Geburtstag.

Ganz ruhig und normal möchte er diesen Tag mit seiner Familie in seinem Haus in Thalfingen begehen, sagt Albrecht Haupt - ein großes Fest mit der über weite Teile der Bundesrepublik verstreuten erweiterten Familie, mit den Geschwistern und mit Freunden steht demnächst an. Sonst aber zieht Albrecht Haupt es vor, seiner Leidenschaft - der Musik - und den vielen Interessen nachzugehen, die ihm Freude bereiten: der Arbeit im Garten, die er liebt, dem Reisen, stets verbunden mit seinem auch kunsthistorischen Interesse an Kirchen, besonders jenen der Frühgotik, und dem Lesen. Um aber für all dies Zeit zu haben, bräuchte er, was ihm einmal eine Chorsängerin schenkte: einen Kalender, in dem jeder Tag zweimal vorhanden ist. Denn in seinen Chören, der Ulmer Kantorei, dem Universitätschor und dem Jubilate-Chor arbeitet Albrecht Haupt wöchentlich mit 200 Sängerinnen und Sängern. Einen großen Klangkörper zu dirigieren faszinierte den Sohn eines Jenaer Mediziners, der allerdings aus einer alten Organisten-Familie stammt, seit jeher. Und besonders liebt er die Vorbereitung für die Pläne, die er mit diesen Chören hat, das sorgfältige Auswählen von Werken, die zu den jeweiligen Chören passen, die Suche nach den besten Solisten für Konzerte.

50 Jahre waren es im Sommer, dass Albrecht Haupt die Ulmer Kantorei übernahm; „Jugendkantorei“ hieß sie damals noch und bestand seit gerade zehn Jahren, als Haupt - damals Bezirkskantor und Kantor der Martin-Luther-Kirche - sie zu leiten begann. Aus jener Zeit stammt auch die erste Schallplatte, die Albrecht Haupt aufnahm, eine Aufzeichnung von Rudolf Mauersbergers Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“ von 1960. Lächeln muss Albrecht Haupt auch über einen Kreis, der sich im neuen Jahr schließt: Der Vater des künftigen Münsterkantors Friedmann Johannes Wieland, der zum 1. Januar aus dem Norden Deutschlands nach Ulm kommen wird, machte einst bei Albrecht Haupt seine C-Prüfung.

Zwei Requiems sind die aktuellen Projekte

Aktuell ist Albrecht Haupt vor allem mit zwei Projekten beschäftigt, mit Mozarts Requiem, das er mit der Ulmer Kantorei aufführen wird, und mit dem Cherubini-Requiem, das er mit dem Universitätschor einstudiert. Während das Mozart-Requiem in lateinischer Sprache gesungen wird, steht derselbe Text bei Cherubini in italienischer Sprache. „Diese Herausforderung der unterschiedlichen Aussprache fasziniert mich“, verrät Albrecht Haupt.

 

 

Brückenbauer zwischen den Generationen

Sudwestpresse Online, 21.09.2010

Der Dirigent strahlt übers ganze Gesicht, dankt den heftig applaudierenden Zuhörern dynamisch mit weit ausgebreiteten, kreisenden Armen - so kennt und schätzt man Albrecht Haupt, den Leiter der Ulmer Kantorei und des Universitätschores. Aber an diesem Abend, den 17. September 2010, im Ulmer Rathaus verbeugte er sich nicht nach einem Konzert, keinen Dirigentenstab hatte er in die Hand, sondern einen Orden an der Brust. In einer Feierstunde erhielt der tatenreiche Kirchenmusiker aus den Händen von Sozialministerin Monika Stolz (CDU) das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland - übrigens hatte noch Horst Köhler die Urkunde im Mai unterzeichnet, wohl eine seiner letzten Amtshandlungen als Bundespräsident, wie Haupt launig feststellte.

Ministerin Stolz betonte in ihrer Laudatio vor allem das ehrenamtliche Engagement des in Jena aufgewachsenen und von 1959 an bis zu seiner Pensionierung 1995 als Kantor der Martin-Luther-Kirche wirkenden Dirigenten. "Mit großem persönlichen Einsatz und unter Zurückstellung eigener Interessen gehört Albrecht Haupt zu den rund viereinhalb Millionen Menschen in unserem Land, die sich in ihrer Freizeit engagieren."

Auch würdigte sie Albrecht Haupts "lebendige, tolerante und menschenfreundliche Art, einen Chor zu führen", zudem gelte er als Brückenbauer zwischen den Generationen. "Das Singen, das den ganzen Menschen erfasst", habe er zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Und der so vitale 80-Jährige ist als Rentner im Ehrenamt immer noch dabei: Er dirigiert nach wie vor die Ulmer Kantorei und den Uni-Chor (eine gemischte Abordnung sang einen Bach-Choral im Rathaus) und hat noch viele Pläne. "Ich schaue lieber nach vorne", sagte Haupt in seiner Dankesrede, und er wolle in Ulm weiterhin "mitbauen an der Kulturstadt an der Donau". jük

Fotos (c): D. Gabriel


 


 

 

Ulmer Kulturspiegel, Südwest Presse online vom 31.01.2013

 

Die große Chor-Familie

Die Naturwissenschaftler der Ulmer Uni haben sehr wohl eine musische Ader, neben dem Universitätschor gibt es jetzt auch einen Kammerchor. Die Dirigenten stammen aus einer Familie: Vater und Sohn Haupt.

Vor einem Jahr führte der Vater den "Messias" auf: mit einem Chor aus mehr als 100 Stimmen, in umarmender, üppig-sinfonischer Klangpracht. Jetzt dirigiert der Sohn Händels "Messiah": also in der englischen Originalsprache, mit einem Kammerchor, in schlanker Klangrede. Zwei musikalische Welten, zwei Generationen, eine Familie: Albrecht Haupt, 83, hat in Leipzig studiert und ist geprägt worden von Karl Richter und Thomaskantor Günter Ramin. Manuel Sebastian Haupt, 28, machte 2011 in Trossingen sein Chorleiter-Diplom und schätzt nicht zuletzt Nikolaus Harnoncourt.

Ulm ist die musikalische Haupt-Stadt: So drahtig und energievoll wie stets leitet Kirchen- und Universitätsmusikdirektor Albrecht Haupt die Ulmer Kantorei und den Universitätschor. Ans Aufhören denkt er nicht, übers Alter will er nicht reden - na ja, Lorin Maazel hat gerade mit 82 Jahren seinen Chefposten bei den Münchner Philharmonikern angetreten . . .

Manuel Haupt aber schickt sich an, in die Fußstapfen des Vaters zu treten - das heißt, diesen Begriff mag er nicht: "Nein, das ist definitiv nicht so." Sein Vater sei Kirchenmusiker, er selbst komme von der Schulmusik, spiele auch Trompete und studiere noch Germanistik in Stuttgart. Die Arbeit mit Chören fasziniert freilich den Sohn ebenso.

In der Region beginnt sich Manuel Haupt als Dirigent jetzt zu etablieren. Ausgerechnet in Ulm, wo der Vater eine Institution ist? "Ohne persönliche Kontakte hat es ein junger Chorleiter schwer", sagt der 28-Jährige ganz offen Er ist geradezu mit der Ulmer Kantorei aufgewachsen, wirkte später in Konzerten als Bass-Solist und Trompeter mit. Manuel Haupt gründete den Jungen Kammerchor Ulm, der sich jetzt als Verein "Junger Konzertchor Ulm" aufgestellt hat. Und am Sonntag gibt Haupt junior sein erstes Konzert mit dem neuen Kammerchor der Universität Ulm.

Im vergangenen Jahr hatte Albrecht Haupt seinen Sohn bereits als Gastdirigenten zu Konzertprojekten des Uni-Chors eingeladen, Manuel dirigierte einen Bachkantaten-Abend in Karlsruhe und war mit der "Totenmusik" aus dem Brahms-Requiem beim Ulmer Friedenskonzert des Uni-Chors im Juli dabei. Dann teilten sich die beiden Dirigenten zum Wintersemester 2012/13 die Aufgaben: Gut 130 Sängerinnen und Sänger hatte der Universitätschor beim Bach-Kantaten-Konzert gezählt - und das war auch für Klangmassen-Liebhaber Albrecht Haupt eigentlich zu viel. Und so rief Manuel Haupt mit dem Segen des Musischen Zentrums der Uni einen Kammerchor ins Leben: Der zählt 35 Akteure, die sich über ein Vorsingen qualifizierten.

Für Vater Haupt, der diesen ambitionierten Kammerchor als "große Bereicherung" empfindet, bleiben fürs aktuelle Vivaldi-Konzertprojekt aber immer noch 105 Sängerinnen und Sänger. Und wer zusammenzählt: Ja, die Stimmenstärke ist sogar noch gewachsen. "Die jungen Menschen begeistert das Singen als Ausgleich zum Studium", sagt Albrecht Haupt, der mit seinem Universitätschor in diesem Sommer auch wieder auf Reisen gehen möchte, zu einem Konzert in Pisa.

Wenn Vater und Sohn Haupt über einer Partitur sitzen, dann entflammt schon mal eine Debatte unter Musikern: Wie geht man an Händels Oratorium "Messias" mit dem berühmten Halleluja-Chor heran? Manuel Haupt favorisiert die englische Originalsprache und entwickelt daraus Feinheiten in der Artikulation. Vater Albrecht pocht auf die deutsche Übersetzung, weil er möchte, dass jeder Zuhörer den Text versteht, überhaupt gehe er "ganz vom Singen aus". Und die Tempi? Der "Messiah" des Sohnes werde etwa gleich lang dauern wie der "Messias" des Vaters - obwohl sein "Messiah" ungekürzt aufgeführt werde, meint Manuel Haupt schmunzelnd. Große Musik, zwei Interpretationen - aber aus einer Dirigenten-Familie.