Deutscher Zukunftspreis an Dresdener Uni-Partner

Das Siegerteam des diesjährigen Deutschen Zukunftspreises (v.l.: Bundesministerin Prof. Annette Schavan, Prof. Karl Leo, Dr. Martin Pfeiffer, Dr. Jan Blochwitz-Nimoth und Bundespräsident Christian Wulff)
Fiebert mit Heliatek: Prof. Peter Bäuerle

Namentlich ging der gestern Abend in Berlin von Bundespräsident Christian Wulff verliehene Deutsche Zukunftspreis für Technik und Innovation zwar an drei Wissenschaftler aus Dresden, mit ihnen freut man sich aber auch an der Universität Ulm. Denn Professor Karl Leo (TU Dresden), Dr. Jan Blochwitz-Nimoth (Novaled AG, Dresden) und Dr. Martin Pfeiffer (Technikvorstand der Heliatek GmbH) erhielten den mit 250 000 Euro dotierten Preis, eine der renommiertesten Forschungsauszeichnungen in Deutschland überhaupt, für eine gemeinsam mit Ulmer Wissenschaftlern entwickelte Technologie zur Herstellung organischer Solarzellen. Sie gelten nach der kristallinen und der Dünnschichttechnologie als dritte Generation der Solartechnik Ein großer Vorteil der organischen Halbleiter ist ihre Flexibilität. So können damit Glasfassaden ebenso mit Energie produzierenden Folien bestückt werden wie  zum Beispiel Kleidungsstücke, Zelte oder Rucksäcke.

Die Helitatek GmbH, inzwischen Technologieführer für Organische Photovoltaik (OPV) auf Basis von kleinen Molekülen, derzeit am Übergang vom Entwicklungsstadium zur Serienfertigung, ist eine gemeinsame Ausgründung der TU Dresden und der Uni Ulm. Entstanden ist sie 2006 aus der Zusammenarbeit von Leo und Pfeiffer  mit Professor Peter Bäuerle, Direktor des Instituts für Organische Chemie II und Neue Materialien, mittlerweile auch Vizepräsident der Ulmer Universität. "Anfangs sind wir mit unserer Idee ausgelacht worden, aber wir haben daran geglaubt",  erklärte Professor Leo und prognostizierte: "In wenigen Jahren wird unser Produkt zum Alltag gehören." Ein wichtiges Kriterium übrigens für die hochkarätig besetzte Jury neben hohen technischen Anforderungen und relevanter volkswirtschaftlicher Bedeutung. Wobei deren Vorsitzender Professor Günter Stock die exzellente Qualität aller drei Endrunden-Teams betonte: "Das war unser härtestes Jahr, noch nie ist uns die Entscheidung so schwer gefallen." Bundespräsident Wulff sah in beiden Solartechnologien der Endrunde "einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Energiewende." Zudem reduzierten sie die Abhängigkeit bei der Beschaffung wertvoller Rohstoffe.

„Wir freuen uns ungemein über den großartigen Erfolg unserer Partner, zu dem wir ja mit unserer Expertise nicht unwesentlich beigetragen haben“, kommentierte Bäuerle die Auszeichnung der Dresdener Kollegen. Schließlich bestätige die Anerkennung auf höchster Ebene auch, „dass wir das Zukunftspotenzial unserer Technologie schon frühzeitig richtig eingeschätzt haben“.

Erklärtes Ziel der Heliatek-Gründung sei nämlich von Anfang an die Entwicklung dieser Solarzellentechnologie bis zur Markt- und Produktionsreife gewesen, so Professor Bäuerle weiter. In ihrem Engagement bestätigt sehen dürfen sich dem Ulmer Wissenschaftler zufolge indessen auch verschiedene Investoren, unter ihnen renommierte Unternehmen wie BASF, Bosch und RWE. „Sie waren ebenfalls schon früh vom Erfolg des Projekts überzeugt“, sagte Bäuerle. Ein Projekt, das aus Sicht der Preisträger nur in echter Teamarbeit zu realisieren sei. Er danke deshalb insbesondere den Universitäten Dresden und Ulm für die Unterstützung, so Leo als Sprecher des Sieger-Trios bei der von Maybrit Illner moderierten Verleihung im Berliner "ewerk".

„Mit Sicherheit einen zusätzlichen Motivationsschub“ von der Auszeichnung versprechen sich die Verantwortlichen nicht zuletzt auch für die rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Heliatek, davon zehn in Labors der Technologiefabrik Ulm (TFU). In enger Zusammenarbeit mit Professor Bäuerles Institut arbeiten sie intensiv an der Weiterentwicklung der hier gereiften Basistechnologie.

Von Willi Baur