Theorie der ethischen Beratung in der klinischen Praxis

Kolloquium (zusammen mit Prof. Dr. Heiner Fangerau, GTE der Medizin, Universität Ulm): Theorie der ethischen Beratung in der klinischen Praxis, Mi., 17:00
Innerhalb der Praktischen Philosophie stellt sich immer mehr die Frage nach der Bedeutung von ethischen Begründungen für die Bereiche der Angewandten Ethik. Die klinische Praxis zum Beispiel ist ein Bereich, in dem die Frage nach ethischer Beratung gestellt wird, um einem Ärzte- und Pflegeteam angesichts von schwierigen moralischen Entscheidungen Hilfestellung zu geben, ohne dabei die Entscheidung selbst vorweg zu nehmen, Diese muss nach wie vor vom Ärzteteam getroffen werden. Im Kolloquium soll eine „Theorie der ethischen Beratung“ entwickelt werden, die einerseits theoretisch Ethikberatung in die Grundfragen der Ethik einbettet und es andererseits praktisch erlaubt, den Prozess der Beratung weitgehend zu operationalisieren, sodass ein Berater an jeder Stelle des Beratungsablaufs weiß, welche Problemfelder noch nicht berücksichtigt wurden und wie sich die Werthaltungen der Beteiligten zum gestellten ethischen Problem verhalten. Nur so kann ein Beratungsprozess erfolgreich und durchsichtig werden, wodurch die Tätigkeit des Beraters gerechtfertigt, und der aus dem Verlauf sich ergebende Konsens von den Beteiligten mitgetragen werden kann. Die Theorie wird in drei Schritten entwickelt: (I) Der theoretische Hintergrund; (II). Verschiedene Modelle klinisch-ethischer Beratung; (III). Randbedingungen klinischer Ethikberatung. (I) umfasst die Angewandten Ethik als politischen Diskurs, dem gegenüber deutlich gemacht wird, dass auf basisethische Überlegungen nicht verzichtet werden kann, sowie den Umgang mit verschiedenen Ethikbegründungen. (II) stellt dem ethisch fundierten Modell einer Ethikberatung das Moderatorenmodell gegenüber, das auf ethische Implikationen verzichtet, und erläutert die Schwierigkeiten der beiden Modelle. (III) grenzt Ethikberatung von therapeutischen Verfahren ab, erläutert rechtliche Probleme und spricht die Fragen von Dokumentation und Klinikstrukturen an.