Institute of
Organic Chemistry II
and Advanced Materials
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Director: Prof. Dr. P. Bäuerle. - 2:
Dr. M. Mastalerz. - 3:
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Naturanaloge Nutzung uni ulm April 1999
Mit Farb-Nanostrukturen Lichtenergie gewinnen
Diese komplizierten Prozesse erfordern jedoch nicht nur einfache Farbstoffmoleküle, sondern hochkomplizierte Anordnungen sehr vieler Farbstoffmoleküle, in denen die Vorgänge kaskadenartig ablaufen. Die Herausbildung dieser für das Leben auf der Erde unverzichtbaren Anordnungen fand im Laufe der Evolution in Millionen von Jahren statt. Erst dadurch wurde es möglich, daß sich hochdifferenzierte Lebensformen entwickeln konnten.
Das Ziel, derartige Prozesse im Reagenzglas nachzubilden, also Farbstoffe zu Funktionseinheiten zusammenzusetzen, die Lichtenergie aufnehmen, transportieren, speichern und in andere Energieformen umwandeln können, verfolgt eine Arbeitsgruppe - Dr. Frank Würthner, Armin Sautter und Christoph Thalacker - in der Abteilung Organische Chemie II (Leiter Prof. Dr. Peter Bäuerle) der Universität Ulm. Würthner, Initiator der Gruppe, war vor seinem Wechsel an die Universität Ulm als Laborleiter im Farbenlaboratorium der BASF in Ludwigshafen tätig. BASF hat schon vor hundert Jahren die ersten industriellen Farbstoffe - der bekannte Indigo sei hier beispielhaft genannt - entwickelt. Bei der BASF konnte Dr. Würthner zahlreiche Farbstoffklassen kennenlernen, die in Produkten unseres Alltags, etwa Textilien oder Autolacken und vielem anderen, zum Einsatz kommen.
Farbstoffe hochrein
Das besondere Interesse des Teams hat ein Farbstoff aus der Klasse der Perylenbisimide auf sich gezogen, der die aus dem Sonnenlicht aufgenommene Lichtenergie nicht wie die meisten Farbstoffe einfach als Wärme an die Umgebung vermittelt, sondern sie bewahrt, um sie dann wieder in Form von Lichtstrahlung abzugeben. Das kann der Perylenfarbstoff aber nur, wenn er sehr rein ist. Mit herkömmlichen Labor-Techniken läßt sich dieser Reinheitsgrad nur schwer erzielen. Kürzlich hat nun die Ulmer Universitätsgesellschaft (UUG) der Arbeitsgruppe eine Flüssigkeitschromatographie-Anlage für Drücke bis 30 bar finanziert, mit der die Farbstoffe in hochreiner Form gewonnen werden können (>99,9 %).
Das Konzept der Ulmer Chemiker sieht vor, diese hochreinen Farbstoffe zu winzig kleinen »optischen« Drähten, sogenannten Nanodrähten, zusammenzusetzen, die auf ihre Fähigkeit zum Transport der aufgenommenen Lichtenergie untersucht werden sollen. Damit der Aufbau solcher Strukturen auf der Nanoskala gelingt, ist eine zweite Substanz erforderlich, die quasi wie Mörtel die Farbstoff-Bausteine zusammenhäl
Selbstorganisation
Ein besonderes Charakteristikum dieses Selbstorganisationsprozesses ist der hohe Ordnungsgrad der entstandenen Strukturen, der an natürliche Strukturen erinnert, die auf ähnliche Weise zustande kommen. Bei der Ausgestaltung der neuartigen Technik konnten bereits beachtliche Fortschritte erzielt werden. Die Ulmer Forschergruppe wird darüber demnächst in »Advanced Materials« berichten. Fernziel ist die naturanaloge Nutzung aufgenommener Lichtenergie in technischen Anwendungen. Bis dorthin ist der Weg aber noch weit, sind noch zahlreiche, bislang unverstandene Elementarprozesse aufzuklären. Im Rahmen des Ulmer Graduiertenkollegs »Molekulare Organisation und Dynamik an Grenz- und Oberflächen« erhielt die Gruppe hier jüngst Assistenz durch die Physiker Dr. Olaf Hollricher und Dr. Wolfram Ibach (Abteilung Experimentelle Physik der Universität Ulm, Leiter Prof. Dr. Othmar Marti), deren Expertenschaft auf dem Gebiet der optischen Mikroskopie an Nanostrukturen eine zielgerichtete Erforschung der funktionalen Eigenschaften ermöglicht.


