Respektable Leistungsschau
Universitätsmedaille für Professor Adolf Grünert und Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert

Familiärer Rahmen für eine respektable wissenschaftliche Leistungsschau und angemessene Plattform für eine spannende Antrittsvorlesung sowie die Auszeichnung von zwei Persönlichkeiten, die sich um die Universität verdient gemacht haben. Das waren Präsident Professor Karl Joachim Ebeling zufolge die zentralen Vorgaben für den Festakt beim traditionellen „Dies academicus“, den die Uni Ulm am Freitag gefeiert hat. Gleichwohl skizzierte Ebeling eingangs neben jüngsten Entwicklungen auf dem Campus auch die aktuelle Situation der Einrichtung im 45. Jahr ihres Bestehens.

vord. Reihe v.l.: Dr. Lucia Jerg-Bretzke, Dr. Melanie Schirmer, Dr. Nicole Ratzinger-Sakel, Corina Büchele, Vera Gramich, Katja Schilling, Prof. Tina Seufert, Prof. Adolf Grünert, Jürgen Reichert, Matthias Dörfel; 2. Reihe v.l.: Prof. Karl Joachim Ebe
vord. Reihe v.l.: Dr. Lucia Jerg-Bretzke, Dr. Melanie Schirmer, Dr. Nicole Ratzinger-Sakel, Corina Büchele, Vera Gramich, Katja Schilling, Prof. Tina Seufert, Prof. Adolf Grünert, Jürgen Reichert, Matthias Dörfel; 2. Reihe v.l.: Prof. Karl Joachim Ebeling, Prof.Hartmut Döhner, Steffen Kollmann, Victor Pollex, Prof. Frank Slomka, Prof. Klaus Dietmayer, Dr. Burkhard Dirks, Prof. Reinhard Marrre, Prof. Hermann Schumacher und Prof. Ulrich Stadtmüller

Wo demnach so viele Studentinnen und Studenten eingeschrieben sind wie nie zuvor. 8700 nämlich, zurückzuführen nicht zuletzt auf den enormen Andrang zum noch laufenden Wintersemester: „2569 Studienanfänger konnten wir im Oktober willkommen heißen, im Jahr zuvor waren es noch 1993“, berichtete der Präsident, nannte als „weitere Meilensteine in der Lehre“ die Einrichtung von 165 zusätzlichen Studienplätzen im Rahmen des Ausbauprogramms Hochschule 2012 allein zum Wintersemester, 45 davon im neu angebotenen Bachelorstudiengang Computational Science and Engineering (CSE) gemeinsam mit der Hochschule Ulm. Ferner sei mit dem ebenfalls neu eingerichteten Masterstudiengang der Ausbau der Psychologie planmäßig fortgesetzt worden. „Dank großer Anstrengungen und einer erfreulichen Unterstützung durch die regionale Wirtschaft konnten wir mit der ersten Vergabe von 34 Deutschlandstipendien die derzeit vom Bund geförderte Quote voll ausschöpfen“, so Professor Ebeling weiter, „ohne Frage ein sehr schöner Erfolg“.

Positiv im Forschungsbereich wertete er insbesondere die erneut gesteigerten Drittmittel-Einnahmen auf inzwischen 77 Millionen Euro, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. „Zügig voran“ gehe es schließlich auch beim neu eingerichteten Helmholtz-Institut für Elektrochemische Energiespeicherung. „19 wissenschaftliche Mitarbeiter sind bereits eingestellt worden und die Berufungslisten für die Professorenstellen verabschiedet“, sagte Karl Joachim Ebeling. Besonders wichtig zudem: „Der Baubeginn für das neue Institutsgebäude steht in Kürze an.“

Wie überhaupt die schon laufenden oder geplanten baulichen Aktivitäten nach wie vor die ungebrochene Dynamik der Wissenschaftsstadt signalisierten.

Hohe Erwartungen setzen dem Präsidenten zufolge alle Beteiligten überdies in die im vergangenen Herbst vereinbarte und vom Land maßgeblich geförderte Forschungskooperation mit dem Pharma-Unternehmen Boehringer Ingelheim, auch sie ein „Meilenstein“ in der Bilanz Ebelings. „Vielfach ein gravierender Nachteil bei der Einwerbung von Fördermitteln in der Medizin und speziell in den Lebenswissenschaften  ist dagegen das Hauptdefizit des Standorts Ulm, nämlich das Fehlen eines außeruniversitären Forschungsinstituts“, stellte der Unipräsident fest. „Hier müssen wir weiterhin unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten aktiv bleiben“, sagte Professor Karl Joachim Ebeling.

Universitätsmedaille für besondere Verdienste

56 Persönlichkeiten sind seit 1977 mit der Universitätsmedaille ausgezeichnet worden. Jetzt verzeichnet die Liste zwei weitere Namen mehr: Professor Adolf Grünert und Jürgen Reichert. „Beide haben sich in ganz besonderer Weise um die Universität verdient gemacht“, sagte Ebeling, Grünert zum einen um die wissenschaftliche Weiterbildung als langjähriger Präsident der Akademie für Wissenschaft, Wirtschaft und Technik an der Universität Ulm, wie denn auch sein Nachfolger in dieser Funktion, Professor Hermann Schumacher, in seiner Laudatio würdigte, zum anderen um die Internationalisierung der Universität. „Seine exzellenten Kontakte in China und seine profunden Kenntnisse der chinesischen Kultur verhalfen der Universität zu blühenden Kooperationen mit chinesischen Hochschulen und vielen Ulmer Studierenden zu bereichernden Studienaufenthalten im Reich der Mitte“, heißt es in der Verleihungsurkunde.

Auf einem ganz anderen Gebiet bewegten sich die Verdienste von Jürgen Reichert, wie Professor Reinhard Marre, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums,  als Laudator die Auszeichnung begründete. Der Bezirkstagspräsident Schwaben, seit 2003 im Amt und 2008 einstimmig wiedergewählt, habe „durch sein großartiges Wirken die Zusammenarbeit zwischen dem Bezirk Schwaben und ihren Bezirkskliniken einerseits sowie der Universität und dem Universitätsklinikum Ulm andererseits maßgeblich gestärkt und nachhaltig gefördert“. So seien die vertrauensvollen und erfolgreichen Beziehungen ein außerordentlich positives Beispiel für exzellente, länderübergreifende Kooperationen in Forschung, Lehre und Krankenversorgung.

Spannendes aus der Multimediaforschung

Warum stellt beim Umgang mit Medien oder technischen Systemen auch das vermeintlich beste Design die Nutzer oft vor unbewältigte Probleme? Warum ist es für die Nutzer oftmals schwer, die angebotenen Informationen wirklich zu verstehen? Antworten auf diese Fragen hatte zu Beginn des Festakts in ihrer Antrittsvorlesung Professorin Tina Seufert vermittelt, Leiterin des Instituts für Psychologie und Pädagogik sowie der Abteilung Lehr-Lernforschung. Der Schlüssel liegt demnach in den kognitiven Mechanismen bei der Verarbeitung multimedialer Informationen. Mit konkreten Schlüssen nicht nur für die Entwicklung eines Medien- oder Technikdesigns, die Erstellung einer Webseite etwa oder beim Programmieren eines Navigationssystems. „Die begrenzte Verarbeitungskapazität des menschlichen Arbeitsgedächtnisses sollte auch berücksichtigt werden, wenn man einen Vortrag hält“, riet die Wissenschaftlerin dem Auditorium. Seufert zufolge bestehen Optimierungsmöglichkeiten indessen nicht nur bei Medien: „Auch der Nutzer kann für einen kompetenten Medienumgang trainiert werden.“ Dazu stellte die Psychologin aktuelle Design- und Trainingsstudien vor und beschrieb das umfangreiche Forschungsspektrum ihres Instituts, von der Grundlagenforschung über Gedächtnisprozesse bis hin zum Medien-, Technik- und Nutzerdesign.

Unterschiedlichste wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet

Einmal mehr im Blickpunkt hatte beim Festakt auch die Würdigung und Auszeichnung unterschiedlichster Leistungen eigener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gestanden. In Einzelnen sind dabei folgende Preise verliehen worden (in Klammern die jeweiligen Dotierungen):

Kooperationspreis Wissenschaft-Wirtschaft (8000 Euro): Professor Frank Slomka, Institut für Eingebettete Systeme/Echtzeitsysteme, sowie Steffen Kollmann und Victor Pollex für die Kooperation mit der Firma INCHRON GmbH.

Franziska-Kolb-Preis zur Förderung der Leukämieforschung (8000 Euro): Corina Büchele (Universitätsklinikum Tübingen).

Lehrpreis 2011 (4000 Euro): Dr. Dr. Burkhard Dirks, Leiter der Sektion Notfallmedizin der Klinik für Anästhesiologie.

Mileva Einstein-Maric-Preis (früher Frauenförderpreis):

Für Promotionsarbeiten (1500 Euro): Dr. Melanie Schirmer, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, und Dr. Nicole Ratzinger-Sakel, Institut für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung;

Für Diplomarbeiten (1000 Euro): Vera Gramlich, Institut für Theoretische Physik, und Katja Schilling, Institut für Versicherungswissenschaften.

Von Willi Baur

Dies academicus 2012

Informationen

Festprogramm (PDF)

Kontakt

Antrittsvorlesung

Prof. Dr. Tina Seufert
Dies academicus 2012
(Youtube)


Verleihung des Kooperationspreises

Prof. Dr.-Ing. Frank Slomka und Arbeitsgruppe
Dies academicus 2012