49. Jahrestag der Universität Ulm: Antrittsvorlesungen, Auszeichnungen und ein Alumnus als Festredner

Die Hauptpersonen beim Festakt: 1. Reihe (v.l).: Universitätspräsident Prof. Michael Weber, Dr. Wolfgang Büchele (Vorstandsvorsitzender Linde Group), die Promotionspreisträger Dr. Carola Städele, Dr. Pavlos Missios und Dr. Johanna Flach sowie Hans Hengarter, Vorstandsvorsitzender der Ulmer Universitätsgesellschaft (UUG). 2. Reihe: Die Promotionspreisträger Dr. Matthias Lorenz, Dr. Tobias Brosch und Dr. Andreas Niemeyer. Es fehlen: Dr. Felix Joos und Dr. Katharina Kastner

Acht Promotionspreise, drei Antrittsvorlesungen und ein Festvortrag von einem prominenten Alumnus – das ist die stolze Bilanz des 49. Jahrestags der Universität Ulm.
Bei seinem ersten Jahrestag als Präsident berichtete Professor Michael Weber von den Erfolgen der letzten Monate und blickte in das Jubiläumsjahr 2017, das Ende Februar mit einem Festakt zum Gründungstag im Beisein des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann eröffnet wird.
Neben einem hervorragenden Platz 13 im weltweiten Ranking der jungen Universitäten „THE 150 under 50“ zählen die mit vier Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Einrichtung des Graduiertenkollegs PULMOSENS und die Fortsetzung des „Leukämie-Sonderforschungsbereichs“ zu den wichtigsten Ereignissen im vergangenen Halbjahr.

„Die Universität Ulm nimmt in der nationalen und internationalen Wahrnehmung einen festen Platz als erfolgreiche Forschungsuniversität ein. Durch eine effektive Verbindung starker Grundlagenforschung und anwendungsnaher Wissenschaft sind wir gleichermaßen für Forscher als auch Studierende attraktiv“, sagte Universitätspräsident Weber. Grundlage für diesen Erfolg sei auch das hohe interdisziplinäre Potential, das durch das spezifische und fokussierte Fächerspektrum einer kleineren Universität begünstigt werde.
Ein zentrales Thema an der Uni Ulm ist derzeit die Positionierung bei der Exzellenzstrategie – die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Wasserstoff als Kraftstoff der Zukunft

Von der Entwicklung seiner Alma Mater beeindruckt zeigte sich der Festredner Dr. Wolfgang Büchele, Vorsitzender des Vorstands der Linde AG. Der gebürtige Geislinger hat in den 1980-er Jahren Chemie an der Universität Ulm studiert und 1987 im Bereich Anorganische Chemie promoviert. Anlässlich der Eröffnung der Wasserstofftankstelle am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) am selben Tag sprach Büchele in seinem Vortrag über „Wasserstoff als Kraftstoff“. Diese umweltfreundliche Technologie habe lange mit einem „Henne-Ei-Problem“ zu kämpfen gehabt: „Die kaum vorhandene Betankungsinfrastruktur hat Autohersteller lange davon abgehalten, in großem Stil in die Entwicklung von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen zu investieren. Auf der anderen Seite macht der Tankstellenbau wirtschaftlich keinen Sinn, solange es keine Kunden gibt“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des weltweit aktiven Gase- und Anlagenbaukonzerns und formulierte Anforderungen für einen funktionierenden Gesamtmarkt.

Der lokal emissionsfreie Wasserstoff-Antrieb, so Büchele, eigne sich im Unterschied zum Batterie-Antrieb auch für längere Strecken und für schwerere Fahrzeuge. Einen Nachteil stelle bislang der relativ hohe Preis dar.
Unter anderem gelte es, Wasserstoff nachhaltig herzustellen – zum Beispiel mithilfe von erneuerbaren Energien oder überschüssigem Strom. Und natürlich müsse ein ausreichend dichtes Netz an Tankstellen vorhanden sein, so der Ulmer Alumnus. Hier leiste die Linde Group einen entscheidenden Beitrag, indem es ihr gelungen sei, Baugröße und Kosten von Wasserstofftankstellen innerhalb von fünf Jahren zu halbieren. Im Juli starte das Unternehmen zudem mit zunächst 50 Fahrzeugen ein wasserstoffbasiertes Carsharing-System in München.
Bücheles Fazit: „Wir sind auf einem guten Weg, die Wasserstoffmobilität neben der batteriebetriebenen Elektromobilität voranzubringen.“

Promotionspreise für junge Talente

Vor dem Festvortrag hatte Hans Hengartner, Vorstandsvorsitzender der Ulmer Universitätsgesellschaft (UUG), gemeinsam mit dem Universitätspräsidenten acht Promotionspreise à 1500 Euro verliehen. Aus der Fakultät für Naturwissenschaften wurden Dr. Carola Städele, die zur Flexibilität des Nervensystems forscht, sowie die Chemikerin Dr. Katharina Kastner ausgezeichnet. Mit Färbungsproblemen beschäftigt sich der Mathematiker Dr. Felix Joos und sein Fakultätskollege Dr. Andreas Niemeyer untersucht das Risikomanagement von Versicherungsunternehmen. Die Promotionspreisträger der Fakultät für Ingenieurwissenschaften, Informatik und Psychologie sind in diesem Jahr Dr. Tobias Brosch vom Institut für Neuroinformatik und der Ingenieur Dr. Matthias Lorenz (Institut für Mikroelektronik).

Dr. Johanna Flach, die am Institut für Experimentelle Tumorforschung promoviert hat, stellte ihre Arbeit zur Alterung blutbildender Stammzellen beim Jahrestag vor. Altern diese Stammzellen, können sie ihrem Regenerationsauftrag im blutbildenden System nicht mehr nachkommen, was schlimmstenfalls zu Erkrankungen führt. Ursächlich dafür sind Erbgutschäden bisher unbekannter Herkunft. Erst Johanna Flach konnte in ihrer Doktorarbeit zeigen, dass diese Schäden durch zellulären Stress als Ergebnis ineffizienter DNA-Replikation entstehen. Ihre Ergebnisse, die auch Hinweise auf potentielle „Targets“ für Therapien liefern, hat Flach als Erstautorin in der hochrenommierten Fachzeitschrift „Nature“ publiziert. Ebenfalls aus dem Bereich Altersforschung stammt die Arbeit des zweiten Promotionspreisträgers der Medizinischen Fakultät, Dr. Pavlos Missios, zur Telomerasedysfunktion.

Antrittsvorlesungen vor dem Festakt

Antrittsvorlesungen am Vormittag (v.l.): Prof. Andre Güttler, Dekan Prof. Werner Smolny (Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften), Prof. Timo Ropinski, Dekanin Prof. Tina Seufert (Ingenieurwissenschaften, Informatik und Psychologie), Prof. Hassan Jumaa, Dekan Prof. Thomas Wirth (Medizinische Fakultät) und Universitätspräsident Prof. Michael Weber (Foto: Eberhardt/kiz)

Am Morgen hatten sich drei Forscherpersönlichkeiten der Universität Ulm mit Antrittsvorlesungen vorgestellt. Professor Andre Güttler, Leiter des Instituts für Strategische Unternehmensführung und Finanzierung (Stiftungsprofessur Werner Kress), sprach über die Auswirkungen staatlicher Garantien auf die Risikobereitschaft von Banken und ihre Kreditvergabeentscheidungen. Dazu hat der Wirtschaftswissenschaftler Jahresabschlüsse aller gewerblichen Darlehenskunden von Sparkassen (1996 bis 2006) ausgewertet. In diesem Zeitraum sind staatliche Garantien für Sparkassen und Landesbanken abgeschafft worden. Und siehe da: Diese Änderung führte bei Sparkassen zu einer verringerten Risikobereitschaft und Darlehensgröße. Im Gegensatz dazu hat sich die Risikobereitschaft bei Genossenschaftsbanken und privaten Banken nach 2001 erhöht. Dies deute darauf hin, dass die Sparkassen aufgrund der Versicherungswirkung der staatlichen Garantien vor 2001 höhere Risiken eingegangen seien, so Güttler. Weiterhin konnte er vermehrt riskante Kreditvergaben an allokativ ineffiziente Unternehmen nachweisen und schlussfolgerte: „In Krisenzeiten gewährte Garantien sollten zeitnah glaubwürdig beseitigt werden.“

Die Datenflut in den (Natur-) Wissenschaften und ihre interaktive Visualisierung standen im Fokus des Vortrags von Professor Timo Ropinski, der das Institut für Medieninformatik leitet. Denn gerade in Fächern, die mit bildgebenden Verfahren oder Computersimulationen arbeiten, ist eine Auswertung der anfallenden „Datenberge“ oft nur noch mit modernsten Analyseverfahren möglich. Dabei spielt die Visualisierung eine zentrale Rolle. Ropinski erklärte anhand zahlreicher Beispiele, wie visuelle Darstellungen generiert werden, und welche Herausforderungen sich in der naturwissenschaftlichen und medizinischen Datenanalyse ergeben. Zwei Projekte des gebürtigen Westfalen zeigen, dass er in Ulm angekommen ist: Er visualisiert gegenwärtig das Ulmer Münster sowie den steinzeitlichen Löwenmenschen.

Als dritter im Bunde referierte Professor Hassan Jumaa, der Anfang des Jahres mit einem ERC Advanced Grant über 2,25 Millionen Euro ausgezeichnet wurde, über die angeborene und erworbene Immunität. Der Leiter des Instituts für Immunologie erklärte, wie sich Immunzellen entwickeln, und wie Störungen der entsprechenden Steuerungen krank machen können. Jumaa forscht vor allem zur Rolle des B-Zellantigenrezeptors bei der Chronisch Lymphatischen Leukämie (CLL).
Der gebürtige Syrer, der in Freiburg beim Nobelpreisträger Professor Georges Köhler promoviert hat, sprach außerdem über die Geschichte der Immunologie – von ersten Impfversuchen bis zur Herstellung monoklonaler Antikörper.

Der Jahrestag der Universität wurde von einem Ensemble des Universitätsorchesters begleitet und durch zahlreiche Konzerte sowie Absolventenfeiern umrahmt.

 

 

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