Universitätsrechenzentrum

Prof. Dr. H. P. Großmann

Dr. V. Typke

Dipl. Des. B. Aumann, Dr. F. Bitter, Dipl.Phys. K. Franke, Dr. M. Gnoth,
Dipl. Phys. T. Hänisch, Dipl.Phys. P. Hieber, Dipl. Phys. C. Holzhey,
Dipl. Chem. J. Huober, Dipl. Phys. B. Leibing, Dr. P. Müller, Dr. B. Pieper,
Dipl. Phys. B. Richter

Stichworte: BELCANTO, LAN-LAN-Kopplung, Telekommunikation, Telemedizin, Telepathologie, UDINE, UDINE-II, ULKOM, Videokonferenz , World-Wide-Web

Überblick über die Aufgaben des Universitätsrechenzentrums: Das Universitätsrechenzentrum URZ ist eine zentrale Einrichtung der Universität Ulm, der per Hochschulgesetz Dienstleistungsaufgaben zur Unterstützung von Forschung und Lehre im DV-Bereich zugeordnet sind. Im wesentlichen sind dies die Bereitstellung von Rechenkapazität und von Netzwerksdiensten für Forschung und Lehre, die Anwenderberatung bei der Nutzung der vorhandenen DV-Ressourcen, die Aus- und Weiterbildung auf der Basis der Hard- und Software-Ressourcen des URZ sowie die DV-Unterstützung der Zentralen Universitätsverwaltung und der Universitätsbibliothek..

Um auch zukünftig dem Bedarf und der allgemeinen technologischen Entwicklung entsprechende Dienstleistungen erbringen zu können, leistet das URZ prospektive Planungsarbeiten und Koordinierungsdienste im Bereich der Netztechnik sowie anwendungsbezogene Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der Praktischen/Angewandten Informatik zur Verbesserung der DV-Infrastruktur. Dabei steht die Erprobung neuer informations- und kommunikationstechnischer Hard- und Software für den Einsatz in der Universität im Vordergrund.

Im Berichtszeitraum 1993-1995 wurden am URZ zwei Entwicklungsprojekte durchgeführt und abgeschlossen (ULKOM und UDINE) sowie zwei weitere begonnen (UDINE-II und BELCANTO).

ULKOM. ULKOM ist ein 1989 begonnenes und Mitte 1993 abgeschlossenes Pilotprojekt, das in Zusammenarbeit mit Firmen (s.u.) durchgeführt wurde und das sich zum Ziel gesetzt hatte, im Zuge des geplanten Ausbaus der Universität Ulm sowie der Wissenschaftsstadt auf dem Oberen Eselsberg in Ulm eine auf die Bedürfnisse der Anwender ausgerichtete Informations- und Kommunikationslösung zu schaffen. Deren Notwendigkeit ergab sich zwangsläufig aus der Kooperation verschiedener, räumlich getrennt liegender Einrichtungen und im Hinblick auf die Nutzung gemeinsamer Ressourcen. Im Verlauf des Projekts wurden auf der Basis des Vermittelnden Breitbandnetzes (VBN) der Deutschen Telekom, dem damals schnellsten öffentlichen Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt mit Datenübertragungsraten von bis zu 140 MBit/s, Videokonferenzen, Bildtelefonie, schnelle Datenübertragung, LAN-LAN-Kopplung u.v.a. durchgeführt und getestet. Vor allem im medizinischen Bereich ergaben sich zahlreiche Testkonstellationen, z.B. in der Fernschnellschnittdiagnostik (Telepathologie) und im Rahmen konsiliarischer Begleitung von Operationen (Telekonsil). Aus dem Teilbereich Telemedizin von ULKOM entwickelte sich ein internationales Folgeprojekt: RATEMA (Radiation Accident Telecommunication Medical Assistance System, siehe Beitrag der Abteilung Organisation und Management von Informationssystemen). Nach Abschaltung des VBN-Anschlusses durch die Deutsche Telekom im August 1994 wurden Tests auf der Basis des ISDN weitergeführt. Zwischen der Abteilung Pathologie der Universität Ulm und dem Bezirkskrankenhaus Günzburg bestand eine ISDN-Strecke, die bis vor kurzem im Routinebetrieb für Fernschnellschnittdiagnostik genutzt wurde.

UDINE und UDINE-II. Das Ziel des 1992 gestarteten Projekts UDINE (Universal Document Information and Navigation Environment) war die Entwicklung eines flexiblen, multimedialen Informationssystems, das Dokumente (Text, Bild, Audio und Video) auf unterschiedlichen Rechnerplattformen darstellen kann und das mit einer auf allen Plattformen einheitlichen Benutzeroberfläche ausgestattet ist. Eine weitere wesentliche Eigenschaft von UDINE bestand darin, daß Informationen dort in das System eingebracht werden sollten, wo sie entstehen, ohne spezielle Kenntnisse der Nutzer am Arbeitsplatz. Außerdem wurde UDINE 1995 um ein Modul erweitert, welches den Zugang zu Online-Datenbanken wie OCLC und FIZ Karlsruhe vermittelt.

1994 begann mit dem Mosaic Browser der Siegeszug des World-Wide-Web. Um auf "Web"-Informationen zugreifen zu können, wurden die UDINE-Clients um einen WWW-Browser erweitert. Speziell der Browser für MS-Windows war sehr erfolgreich. In Zusammenarbeit mit der Abteilung Organisation und Management von Informationssystemen wurde er zu einem eigenständigen, sehr leistungsfähigen WWW-Browser (UdiWWW) weiterentwickelt. Das UDINE-System wurde 1994 und 1995 vielfach vorgestellt, u.a. im Ministerium für Wissenschaft und Forschung Baden Württemberg (MWF) und an den Hochschulen in Augsburg und Memmingen. Am Universitätsrechenzentrum und im MWF wird UDINE erfolgreich betrieben. Ende 1994 wurde das UDINE-Projekt in dieser Form abgeschlossen.

Ein Nachteil des World-Wide-Web im Gegensatz zu UDINE besteht darin, daß Informationen zwar interaktiv abgerufen, nicht jedoch interaktiv veröffentlicht werden können. Diese Lücke schließt das 1995 begonnene UDINE-II, mit dessen Hilfe Interactive Publishing von einem gewöhnlichen WWW-Browser am Arbeitsplatz aus möglich ist. UDINE-II verwendet eine interne Dokumentablage, die die interaktive Änderung der Hypertextstruktur des Servers erlaubt, ohne daß sich die Dokumentadresse (URL) ändert. Von UDINE-I wurden weitere Funktionen wie erweiterter Zugriffsschutz und verbesserte Suche übernommen.

BELCANTO. Die Telefonie innerhalb des Landesforschungsnetzes in Baden-Württemberg im Rahmen eines Corporate Network zu optimieren, ist das Ziel von BELCANTO. Die Sprach- und die Datenkommunikation sollen künftig über ein Netz - dem ATM(Asychronous Transfer Mode)-Netz - abgewickelt werden. BELCANTO steht als Abkürzung für Baden-Württemberg Extended LAN Corporate ATM Network Telephony Optimization. Projektbeginn war Mitte 1995.

Bislang erfolgt Sprachübertragung und Datenübertragung über zwei voneinander unabhängige Infrastrukturen. Im Rahmen des Projekts sollen 34 Mbit/s- und 155 Mbit/s-Verbindungen auf ATM-Basis zum Einsatz kommen, die sowohl Sprach- als auch Datenkommunikation über ein einziges Netz abwickeln können.

An drei Standorten sollen je eine Pilotinstallation zur Sprach-Daten-Integration erfolgen: an der Universität Ulm, an der Universität Mannheim und im Ministerium für Wissenschaft und Forschung (MWF) Baden-Württemberg. Anhand der dort gewonnenen Erfahrungen soll am Ende des Projektes eine Empfehlung für die optimale technische Gestaltung des landesweiten Corporate Network vorgelegt werden. Parallel dazu soll ein praktikables Betriebsmodell für ein solches Corporate Network erarbeitet werden.

  1. Pieper, P. Müller, H.P. Großmann: Möglichkeiten des Einsatzes der Telekommunikation in der Medizin, Tagungsband Biomedizinische Technologien (L.Claes ed.) Reisensburg, 1993

Kooperationen:

Deutsche Bundespost Telekom, Niederlassung Stuttgart
ULKOM, VBN-Anschluß

Nixdorf, Paderborn, später SNI, München
ULKOM, MegaSwitch, Inhouse Breitbandnebenstellenanlage

Fa. Zeiss, Oberkochen,
ULKOM, Mikroskop mit Remote Control

Symposien/Konferenzen:

1993 9. Treffen des Arbeitskreises Software für Parallel- und Vektorrechner an wissenschaftlichen Rechenzentren
Ulm, 8. - 9. Oktober 1993

1995 1. ECE Workshop on Networking and Distributed Computing
Reisensburg, 15. - 18. Oktober 1995

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