Neue Wege in der Leukämieforschung

Seit ihrer Gründung ist die Universität stark in der Forschung zum blutbildenden System und zu Leukämien. Besonders im SFB 1074 ergänzen sich grundlagenorientierte Wissenschaft und klinische Anwendung: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen die molekularen Eigenheiten von Tumoren und leiten daraus individualisierte Therapien ab. Innovative Behandlungsansätze finden im Comprehensive Cancer Center Ulm Anwendung.

Mikroskopierarbeiten im Forschungslabor
Mikroskopierarbeiten im Forschungslabor

Genetische Grundlagen im Blick

In einer ersten Projektlinie erforschen Mediziner und Naturwissenschaftler an experimentellen Modellen wie es zu Blutkrebs kommt. Dabei haben sie genetische Grundlagen im Blick und versuchen herauszufinden, was bei der Krebsentstehung in Zellen passiert.

Zweitens analysieren die Forscher Patientenproben aus der Ulmer Leukämie Biobank - einer der größten weltweit. In diesen Proben fahnden die Wissenschaftler zum Beispiel nach genetischen und epigenetischen Auffälligkeiten bei verschiedenen Blutkrebsarten.

Mit teils neuen Sequenziermethoden versuchen sie, die Mechanismen der Krankheitsentstehung besser zu verstehen und somit neue therapeutische Zielstrukturen zu finden.

Dahinter steht der Leitsatz: Jeder Patient ist anders und bedarf einer individuellen Behandlung. Diese Therapie sollte sich nach der molekularen "Architektur" der Krebserkrankung richten. So könnten therapeutische Fehlschläge und unnötige Nebenwirkungen vermieden werden.

 "Am Anfang jeder innovativen Therapie steht die Forschung. Wir wollen die Grundlagen-, die translationale und klinische Forschung sowie die Weiterentwicklung von Therapiestandards eng miteinander verknüpfen", sagt Professor Hartmut Döhner, SFB-Sprecher und Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin III.

Professor Döhner selbst hat genetische Veränderungen bei Leukämien identifiziert, durch die sich Krankheitsverlauf und Therapieerfolg besser einschätzen lassen. Auf seinen Erkenntnissen beruhen zudem international verwendete Therapie-Leitlinien für die Behandlung der Akuten Myeloischen Leukämien und der Chronisch Lymphatischen Leukämien.

Von der Tumorentstehung bis zur personalisierten Therapie

Die Diagnose Blutkrebs kam lange Zeit einem Todesurteil gleich. Doch inzwischen können über 80 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen geheilt werden. Bei Erwachsenen sind die Überlebenschancen deutlich geringer: Viele von ihnen erkranken im Seniorenalter und vertragen Standardtherapien schlechter. An der Universität Ulm wird deshalb intensiv nach neuen, individualisierten Behandlungsmöglichkeiten gesucht.

Die Forschung zu den häufigsten chronischen und akuten Blutkrebsarten aller Altersgruppen konzentriert sich an der Uni Ulm im Sonderforschungsbereich 1074 "Experimentelle Modelle und klinische Translation bei Leukämien". In dem 2012 über 8,8 Millionen Euro bewilligten SFB gehen grundlagenorientierte Wissenschaft und klinische Forschung Hand in Hand: Ein besseres Verständnis der Biologie dieser bösartigen Erkrankungen soll zu zielgerichteten und möglichst "maßgeschneiderten" Therapien führen.

Arbeiten unter sterilen Bedingungen.
Arbeiten unter sterilen Bedingungen.

Vom Labor ans Patientenbett

Im Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU) profitieren Patientinnen und Patienten von neuen Behandlungsmöglichkeiten. Für jeden Krankheitsfall arbeitet ein interdisziplinäres Ärzteteam den bestmöglichen Therapieplan aus.

Erst kürzlich hat eine Gutachterkommission der Deutschen Krebshilfe dem Zentrum am Ulmer Universitätsklinikum eine hervorragende Patientenversorgung und onkologische Forschung bescheinigt. Das CCCU darf sich „onkologisches Spitzenzentrum“ nennen – als eines von deutschlandweit nur 13 ausgezeichneten und geförderten Exzellenzzentren der Onkologie.

Gebärmutterhals-Tumorzelle
Gebärmutterhals-Tumorzelle

Leukämieforschung mit Tradition und Zukunft

Forschung zum blutbildenden System und zu Leukämien hat einen besonderen Stellenwert an der Universität Ulm. Begründet hat diese Tradition der erste Rektor der damals medizinisch-naturwissenschaftlichen Hochschule, Professor Ludwig Heilmeyer.

Weitere Gründungsväter, allen voran die Professoren Theodor Fliedner und Hermann Heimpel,  haben die Knochenmarktransplantation am Ort etabliert, die Bedeutung der Stammzellen für die Blutbildung nachgewiesen und seltene Bluterkrankungen erforscht.

Dieses Erbe führt auch das Institut für Transfusionsmedizin fort. Die aktuellen Schwerpunkte sind „Stammzellen und Zelltherapie“ sowie „Molekulare Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie“. Die „Routinetätigkeiten“ rund um die Versorgung mit Blut- und Stammzellprodukten laufen im eng verbundenen Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik, einer gemeinsamen Einrichtung des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen und des Universitätsklinikums Ulm.

 

 

Heute tragen nicht nur ausgewiesene Hämatologen zur Bedeutung des Standorts in diesem Bereich bei. Eng verknüpft ist zum Beispiel der Schwerpunkt Alterung und Degeneration. Am Institut für Molekulare Medizin wird zur Stammzellalterung geforscht – assoziiert unter anderem mit „Altersleukämien“ oder Blutarmut. Darüber hinaus diagnostizieren Spezialisten am Zentrum für seltene Erkrankungen ungewöhnliche Krankheiten des blutbildenden Systems.

Fast 50 Jahre nach Gründung der Universität Ulm wird die Erfolgsgeschichte der Forschung zu Leukämien und zum blutbildenden System stetig fortgeschrieben. Patienten des Klinikums können nur profitieren.