Festvortrag zur angeborenen Immunantwort:
Hans Kupczyk-Gastprofessur an Prof. John D. Lambris verliehen

Prof. Karl Joachim Ebeling (rechts) ernennt Prof. John D. Lambris zum Hans Kupczyk-Gastprofessor
Prof. John D. Lambris' (2.v.l.)Gastgeber Prof. Markus Huber-Lang, Prof. Karl Joachim Ebeling und Prof. Florian Gebhard (v.l.) freuen sich über den Ulm-Aufenthalt des Biochemikers

26 Wissenschaftler aus  zehn Nationen haben die Uni Ulm bereits als Hans Kupczyk-Gastprofessoren bereichert. Seit Mittwochabend gehört Professor John D. Lambris, Biochemiker an der University of Pennsylvania, zu diesem Kreis. Vor vollbesetzten Reihen hat Universitätspräsident Professor Karl Joachim Ebeling dem gebürtigen Griechen die entsprechende Urkunde überreicht. Seit Mitte November forscht Lambris für zwei Wochen an der Universitätsklinik für Unfall-, Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie. Universität und Stadt sind dem Wissenschaftler schon von früheren Aufenthalten bekannt: Er arbeitet seit mehreren Jahren  erfolgreich mit Ulmer Wissenschaftlern der Klinischen Forschergruppe 200 (Entzündungsantwort nach muskuloskelettalem Trauma) und des Traumalabors zusammen.

Im Zuge der Gastprofessur will Lambris mit seinen deutschen Kollegen neue diagnostische und therapeutische Wege der Immunmodulation  nach schweren Verletzungen oder größeren operativen Eingriffen diskutieren. Die Vorstellung des Biochemikers durch Professor Markus Huber-Lang, Leiter der Klinischen Forschergruppe 200, fiel besonders herzlich aus. Neben den wissenschaftlichen Leistungen John Lambris‘ lobte Huber-Lang den großen Unterhaltungswert seines Gastes: „Nicht nur bei gutem Wein und Essen wird John zum Philosophen.“

Festvortrag zwischen Biochemie und Philosophie
Und tatsächlich zogen sich Zitate von Geistesgrößen wie Sokrates und Euripides wie ein roter Faden durch Lambris‘ Festvortrag (Innate Immunity: More Than a Guard Against Invading Enemies), in dem er seine Forschung vorstellte. Der amerikanische Wissenschaftler untersucht Struktur und Funktionen des Komplementsystems – dabei handelt es sich um einen wichtigen Bestandteil der angeborenen Immunantwort bei Entzündungen und Traumata. Lambris nutzt das Komplementsystem als Modell der molekularen Gefahrenantwort und  bedient sich Methoden der Natur- und  Ingenieurwissenschaft sowie der Informatik. 

Anhand unterschiedlicher Systemmodelle verdeutlichte der Biochemiker den Wissensgewinn zu diesem Bestandteil der angeborenen Immunantwort. Mit Ulmer Forschern konnte Lambris zum Beispiel erstmals die enge Verwandtschaft des Abwehr- und des Gerinnungssystems nachweisen. Außerdem scheint das Komplementsystem bei regenerativen Prozessen und auch der Immunreaktionen bei Krebserkrankungen eine Rolle zu spielen.

Zur Therapie einiger Krankheiten eignen sich Substanzen, die das Immunsystem beeinflussen („Immunmodulation“). John Lambris und seine Mitarbeiter haben den vielversprechenden Komplementinhibitor Compstatin entdeckt und erforscht. Mit dieser Substanz könnten zum Beispiel Patienten mit Asthma, einer Sepsis oder Makuladegeneration behandelt werden. „Als Biochemiker freue ich mich, der Gesellschaft etwas zurückzugeben“, sagte der Gastprofessor. Den aktuellen Kenntnisstand zum hochkomplexen Komplementsystem verdeutlichte John Lambris – allen Fortschritten zum Trotz - mit einem berühmten Ausspruch Sokrates‘: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Karl Joachim Ebeling dankte dem US-Forscher für „Einblicke in einen interessanten Forschungsbereich“ und die „gute Unterhaltung.“

Gastprofessur mit vollem Programm
Während seiner  Zeit in Ulm nimmt John Lambris unter anderem an Vorträgen, Forschungsbesprechungen und einem internationalen Minisymposium in den Abteilungen des Zentrums für Muskuloskelettale Forschung (ZMFU) teil. Professor Florian Gebhard, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie, führt den amerikanischen Gast zudem durch den Neubau Chirurgie/Dermatologie.

Die Hans Kupczyk-Stiftung fördert Wissenschaft, Bildung und Erziehung. Durch Gastprofessuren an der Uni Ulm soll der internationale wissenschaftliche Austausch ermöglicht  werden. 

Von Annika Bingmann

 

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Oliver Schnell
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