James Reineking
Doubled-Halfed (2) 1977 - 1979

Bei Reinekings Skulptur geht die Materie glatt und widerstandlos in den sie übergreifenden Ordnungsformen auf. Auch den Betrachter kostet es keine Anstrengung, die durchgehenden Ordnungsbezüge nachzuvollziehen. Etwas schwieriger ist es manchmal, die Entstehung der endgültigen, abstrakten Formzusammenhänge aus der zunächst gegebenen Materialform zu erschliessen. Doch kommt es nicht so sehr auf das Nachkonstruieren der Formbildung an - Reinekings Skulpturen sind keine Geometrieaufgaben - sondern eher auf das Wissen darum dass die komplizierte Form restlos in einer einfachen Gestalt "aufgeht". Die Reduzierbarkeit auf eine einfache, flächige Ausgangsform ist Voraussetzung für die völlige Auflösbarkeit der räumlichen materiellen Gestalt in abstrakten Ordnungsvorstellungen."

Diese von Erich Franz trefflich beschriebene Kunstform lässt sich in der Grossplastik "Doubled-Halfed" auf dem Kunstpfad der Universität Ulm leicht nachvollziehen:
Aus der 13,5 Meter langen, 2.5 Meter hohen und 5 cm dicken Stahlplatte wurde in einer Werft ein längliches Viereck herausgeschnitten und auf einer Seite kreisförmig gebogen, während Reineking die andere Seite in geradem Zustand beliess, und hier den ursprünglichen oberen Anteil der Platte kreisförmig bog. Dadurch entsteht eine gerade und eine kreisförmige, an 2 Stellen offene, begehbare Plastik von eindrücklicher Dimension, die ideell leicht in die ursprüngliche Form einer flachen Platte zurückgeführt werden kann.