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Das
Tier in seiner Symbolkraft fasziniert die junge
Künstlerin seit langem. Ausgehend von Tier-
darstellungen in Höhlenmalereien versucht sie, das
Symbol "Stier" zu erfassen und mit Leben zu
erfüllen. Es folgte dann der Entschluss, Wesens-
züge, Stimmungen und Eigenschaften als Qualitä-
ten im Symbol des domestizierten Stieres auszu-
drucken Dabei nimmt in ihren Arbeiten das Gehörn
in seiner Form und Funktion eine immer zentralere
und wichtigere Position ein.
Das Symbol Horn hat in vielen Kulturkreisen und
Philosophien eine mystische, tiefgreifende Bedeu-
tung. Für Beate Lein zeigt das Horn auch abgelöst
vom tragenden Organismus seine ganze Energie,
Bewegung und Wachstum, aber auch die Folgen
äusserer Einflüsse Verletzungen, Abnutzung und
Alter.
Die Skulptur "Horn des Kudu" ist eine Hommage an
die Natur, die, vielfältig und wild, vom Menschen
zunehmend eingegrenzt, vereinnahmt, verfremdet
und gebeugt wird. Das Horn ist hier Symbol der
Aufrechten, der Unabhängigkeit, des Stolzes der
Natur als Kontrapunkt zu dem vom Menschen
"zementierten", geschaffenen, einengenden
Lebensraum. Horn und Beton sind verbunden, ihre
Beziehung ist fragil, schmerzhaft kantig, nicht
geradlinig, aber auch flexibel, elastisch und tra-
gend.
Ob es die Menschheit schafft, ihre eigenen Bedürf-
nisse - oft gegen die Natur gerichtet - mit dem
Freiheitsanspruch und der Toleranz in der Natur in
Einklang zu bringen?
Das "Horn des Kudu" ist Mahnung und Aufforde-
rung zur Diskussion für die, die sich der Wertigkeit
der Natur nicht bewusst sind.
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