Mathematiker der ersten Stunde mit Symposium geehrt „From Analysis to Stochastics: A Workshop along Ulrich Stadtmüller´s Scientific Interests”

Universität Ulm

Was schenkt man einem leidenschaftlichen Mathematiker, Wissenschaftler und erfolgreichen Hochschulmanager, der seit 46 Jahren mit der Universität Ulm verbunden ist, zum offiziellen Ausstand? Einen Workshop mit Universitäts- und Fachkollegen aus dem In- und Ausland! Die Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften hat Anfang April mit Unterstützung der Uni ein zweitägiges Symposium für Professor Ulrich Stadtmüller ausgerichtet. Der Mathematiker ist Ende März offiziell in Ruhestand gegangen, bleibt der Uni als Dozent und Forscher aber hoffentlich noch lange erhalten.

Seit 1987 ist Professor Ulrich Stadtmüller Professor am Institut für Zahlentheorie und Wahrscheinlichkeitstheorie. Doch der gebürtige Singener, der die ersten zwölf Jahre in Gottmadingen gelebt hat, kennt die Uni bereits seit 1971 aus seiner Studienzeit. Er hat hier studiert, promoviert und habilitiert - unterbrochen von einem längeren Forschungsaufenthalt im kanadischen London (Ontario). Im Anschluss übernahm er für ein Jahr eine Vertretungsprofessur hier an der Uni, um nach einer zweijährigen Zwischenstation in Trier endgültig an seine Heimatuniversität zurückzukehren. "Uli Stadtmüller gehört sozusagen zum Inventar der Uni!", sagte Universitätspräsident Professor Michael Weber bei der Begrüßung und dankte ihm für die vielen wertvollen Dienste, die er als Dekan und Vizepräsident der Universität Ulm geleistet habe. "Es ist ausgesprochen selten, in solch einer verantwortungsvollen Funktion zweimal wiedergewählt zu werden", betonte Weber im Hinblick auf dessen neunjährige Amtszeit als Präsidiumsmitglied und konnte es nicht lassen, ihn sogleich in eine Reihe zu stellen mit Helmut Kohl und Angela Merkel. Ob bei der Bewältigung der Bologna-Reformen, der Einführung neuer Studiengänge oder dem Ausbau internationaler Kontakte, überall habe sich der Mathematiker konstruktiv eingebracht und damit einen großen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung der Universität.

Professor Alexander Lindner, Professor für Angewandte Stochastik und seit dem 1. April neuer Dekan der Fakultät, betonte die äußerst konstruktive und uneigennützige Form von Stadtmüllers Amtsführung und vergaß auch nicht, dessen wissenschaftliche Leistungen zu erwähnen. Mit weit über hundert Fachaufsätzen - darunter zahlreiche vielzitiert und in äußerst renommierten Journalen - und 19 Doktoranden habe er auch eine beachtliche Bilanz als Forscher vorzuweisen.

Von der reinen Mathematik hin zur statistischen Anwendung

Bei dem Symposium "From Analysis to Stochastics: A Workshop along Ulrich Stadtmüller´s Scientific Interests" trafen sich international führende und junge Wissenschaftler zum fachlichen Austausch auf den Gebieten der Analysis, der Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik. Eine wichtige Rolle spielten dabei auch Anwendungsfragen aus der Praxis, insbesondere aus dem Bereich der Biometrie oder der Ökonomie. Die Themenwahl, die in erster Linie die fachlichen Interessen des Wissenschaftlers reflektiert, ist zugleich eng mit den zentralen Forschungsthemen der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften verbunden. Neben Wissenschaftlern der Uni Ulm waren zudem acht renommierte Forscher aus dem In- und Ausland zu Gast. Zu ihnen zählte Dr. Ingo Fahrner, der unter anderem bei der Allianz Deutschland AG den Bereich Investment Risikomanagement leitete. Der erfahrene Risikomanager, der aus der unmittelbaren Unternehmenspraxis berichtete, gehört übrigens zu den zahlreichen erfolgreichen ehemaligen Doktoranden von Ulrich Stadtmüller. Aus den USA eigens angereist war Professor Hans-Georg Müller von der University of California in Davis, mit dem der Ulmer Mathematiker sehr erfolgreich gemeinsam publiziert hat. Professor Ulrich Stadtmüller ist seit fast fünfzig Jahren der Uni verbunden, und so fügt sich diese Veranstaltung bestens in die Jubiläumsfeierlichkeiten der Universität Ulm in diesem Jahr. Stadtmüllers Anfänge in der reinen Mathematik und seine spätere Hinwendung zur mathematischen Statistik und deren Anwendung spiegeln zudem sehr gut die Entwicklung der Fakultät wider", ist Professor Robert Stelzer überzeugt. Der Professor für Finanzmathematik gehört mit seinen Ulmer Kollegen Professor Jan Beyersmann und Dr. Hartmut Lanzinger zu den Organisatoren der Veranstaltung. Unterstützt wurden sie dabei von Professor Rüdiger Kiesel, einem weiteren ehemaligen Doktoranden von Stadtmüller, der jetzt an der Universität Duisburg-Essen tätig ist.

Eine besondere Wegmarke der erfolgreichen Entwicklung, die die Fakultät seit ihrer Gründung genommen hat, ist die Einführung des Studienganges Wirtschaftsmathematik vor 40 Jahren. Dieser gehört heute zu den erfolgreichsten Studienangeboten der Uni und hat zudem an vielen anderen deutschen Universitäten viele Nachahmer gefunden. Auch daran hat Stadtmüller erfolgreich mitgewirkt, und zwar als Postdoc.  

Text: Andrea Weber-Tuckermann / Prof. Robert Stelzer

Universitätspräsident Prof. Michael Weber dankt Prof. Ulrich Stadtmüller für seine längjährige Verdienste um die Universität Ulm (Foto: Eberhardt/kiz)
Prof. Ulrich Stadtmüller (Mitte) und seine Frau Dr. Karin Stadtmüller (rechts daneben) sichtlich erfreut über die vielen freundlichen Worte (Foto: Eberhardt/kiz)
Gruppenbild des Mathematikworkshops zu Ehren von Prof. Ulrich Stadtmüller (Bildmitte) (Foto: Eberhardt/kiz)
Erste Amtshandlung für den neuen Dekan der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften Prof. Alexander Lindner (Foto: Eberhardt/kiz)