Seminar zur experimentellen & empirischen Mikroökonomik (Bachelor)/ Spezialfragen der experimentellen & empirischen Mikroökonomik (Master)

Anmeldemodalitäten

Seminarplätze werden über die neue, web-basierte, zentrale Seminarplatzvergabe des WiWi Fachbereiches vergeben. Melden Sie sich hierfür mit Ihrer Uni Ulm Emailadresse auf folgender Webseite an:

http://www.econulm.de:3838/semapps/stud_de/

Unter diesem Link können Sie dann vom 21.01.2017 bis 29.01.2017 Ihre Präferenzen über alle angebotenen Seminare für das Sommersemester 2017 eintragen. Wenn Sie sich für dieses Seminar interessieren, tragen Sie sich bei der Veranstaltung (sowohl Bachelor- als auch Masterstudierende) 'Seminar in experimenteller und empirischer Mikroökonomik' ein. Sie erfahren danach auf jener Webseite, in welchem Seminar Sie einen Platz erhalten haben.

Aktuelles

  • Alle Informationen, um sich für das Seminar anzumelden, finden Sie unter Anmeldemodalitäten ganz oben auf dieser Seite. Bitte beachten Sie, dass die Anmeldung vom 21.01.2017 bis 29.01.2017 stattfindet.

„Entwicklungsökonomik“ (Prof. Fellner-Röhling)

Das Leben für ärmere Bevölkerungsschichten in Entwicklungsländern steckt voller Risiken. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Unfälle und da ein Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig ist vor allem Naturkatastrophen wie Dürre treffen diese Gruppe meist stärker als die Menschen in entwickelten Ländern. Aus der neoklassischen Theorie wissen wir bereits, dass vor allem risikoaverse Agenten bei einer fairen Versicherung (d.h. erwarteter Schaden entspricht Versicherungsprämie) eine Vollversicherung wählen, sich also zu 100% absichern. In entwickelten Ländern lässt sich dieses Verhalten auch empirisch sehr gut beobachten.

Folgt man der neoklassischen Theorie, so sollte die Versicherungsnachfrage in Entwicklungsländern noch höher sein. Obwohl zumeist die gesamte Existenz einer Familie von dem saisonalen Einkommen abhängt, prägen eine sehr niedrige Versicherungsquote den Versicherungsmarkt. Resultiert aus einer Dürre etwa ein Ernteausfall, fehlen die Ressourcen, um ausreichend Saatgut für die nächste Saison einzukaufen. Ist weniger Saatgut vorhanden, wird der Farmer auch weniger Landarbeiter zur Feldarbeit einstellen womit die Arbeitslosenquote weiter steigt etc.

Wenn sich der Farmer aber gegen Naturkatastrophen absichert, kann er mit einem festen Einkommen rechnen und damit auch seinen Konsumplan (Landarbeiter, Essen, Trinken) aufrecht erhalten. Es wurde beispielsweise bereits gezeigt, dass Farmer mit einer Wetterversicherung in riskanteres Saatgut investieren, welches im Erwartungswert aber höhere Gewinne abwirft, was in Summe zu ökonomischen Wachstum führt.

In diesem Seminar werden wir uns hauptsächlich mit der leicht handhabbaren Wetterversicherung beschäftigen, welche den Farmern abhängig vom Regenfall Auszahlungen garantiert. Wir werden anhand von verhaltensökonomischen Ansätzen herausarbeiten, was die Gründe für die niedrige Versicherungsquote sind und was man dagegen unternehmen könnte, um das ökonomische Wachstum in den Entwicklungsländern voranzutreiben.

Themenübersicht

Basis Literatur (für alle Themen):

Eling, M., Pradhan, S., & Schmit, J. T. (2014). The determinants of microinsurance demand. The Geneva Papers on Risk and Insurance Issues and Practice, 39(2), 224-263.

Diese Literatur verschafft einen guten Überblickt über die Thematik Versicherungen in Entwicklungsländern, auch im Vergleich zu entwickelten Ländern. Folgende Themen stehen für die Seminararbeit zur Verfügung:

Themen

1. Zusammenhang zwischen Versicherung und wirtschaftlichem Fortschritt

Dieses Thema gibt einen allgemeinen Einblick, wie Versicherungen in Entwicklungsländern zu wirtschaftlichem Fortschritt führen können. Hierfür werden in einer Metaanylse die Erkenntnisse sämtliche Papiere, welche zwischen 2000-2013 veröffentlicht wurden, aufgelistet und ausgewertet.


2. Positive Effekte von Versicherungen in Entwicklungsländern

Hier sieht man anhand von Feldexperimenten, dass Farmer, die über eine Wetterversicherung verfügen, plötzlich in riskanteres Saatgut investieren, das aber im Erwartungswert höhere Gewinne liefert. Höhere Gewinne bedeuten wiederum mehr Saatgut im nächsten Jahr, mehr Feldarbeiter einstellen, niedrigere Arbeitslosigkeit und damit wirtschaftliches Wachstum.


3. Die Einflussfaktoren der Versicherungsnachfrage in Entwicklungsländern

Hier werden sowohl in theoretischen Modellen als auch in Feldexperimenten mögliche Gründe aufgelistet, welche die Nachfrage nach Versicherungen beeinflussen könnten.


4. Gründe für die niedrige Versicherungsquote in Entwicklungsländern

Dieses Thema schließt sich direkt an Thema 3 an. Hier werden wir uns aber speziell mit den Gründen befassen, weshalb Individuen in Entwicklungsländern eher geneigt sind, keine Versicherung abzuschließen.


5. Die wichtige Rolle des Vertrauens in das Versicherungsunternehmen

Das Vertrauen ist wohl einer der entscheidenden Gründe, weshalb die Versicherungsquote in Entwicklungsländern so niedrig ist. Beispielsweise werden wir ein Paper betrachten, in dem in eine Control- und eine Treatmentvillage ein Versicherungsvertreter geschickt wurde. In der Treatmentvillage wurde eine 'well-known-person' (mit hohem Ansehen im Dorf) mitgeschickt, die den einzelnen Personen sagte, dass sich die Versicherung lohnt. Resultat ist, dass die Versicherungsquote in der Treatmentvillage um die 25\% höher war.


6. Ansätze für höhere Versicherungsquoten

An dieser Stelle werden wir Ansätze kennenlernen, die zu einer höheren Versicherungsquote führen sollen. Ein Beispiel ist das Bündeln einer Mikroversicherung mit einem Mikrokredit um Budgetbeschränkung beim Zahlen der Versicherungsprämie zu beseitigen.

 

Bitte beachten Sie, dass eine Anmeldung zu einem bestimmten Thema nicht möglich ist.

 

 

Allgemeine Information

Bitte halten Sie sich bei der Erstellung Ihrer Seminararbeit an diese Richtlinien. Wer Interesse hat seine Seminararbeit in LaTeX zu verfassen, findet hier eine kurze Einführung.

Teilnahmevoraussetzungen

Grundlagen der VWL (oder Einführung in die VWL) sowie Wirtschaftsstatistik. Wünschenswert sind Mikroökonomik und Schwerpunktvorlesungen im Bereich Economics.

Zielgruppe

Bachelorstudierende (Seminar zur experimentellen und empirischen Mikroökonomik), Masterstudierende (Spezialfragen der experimentellen und empirischen Mikroökonomik).

Ablauf und Termine

 

Teilnehmer müssen eine Seminararbeit verfassen und einen Vortrag halten. Das Seminar findet als Blockveranstaltung voraussichtlich im Juni 2017 statt.  In der ersten Semesterwoche des Sommersemesters 2017 findet eine Vorbesprechung statt, wo die konkrete Literatur für jedes Thema bekannt gegeben wird und Sie Hinweise zur Erstellung der Seminararbeiten und Präsentationen erhalten. Der Termin für die Vorbesprechung wird zeitnah per E-mail bekannt gegeben. Die Frist für die Abgabe der Seminararbeiten wird voraussichtlich Ende Mai sein.