Stimmen aus der Praxis

Im Mai und Juni 2014 wurden Vertreter aus der Praxis allgemein zu einem wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang mit nachhaltigkeitsbezogenen Inhalten sowie zum Bedarf von Absolventen eines solchen Studienganges befragt.

Im Folgenden einige Kernaussagen der Interviewpartner:

Christoph Heinecke (Robert Bosch GmbH):

„Kompetenzen aus dem Nachhaltigkeitskontext werden definitiv in großen internationalen Unternehmen benötigt, da die Ressourcen vorhanden sind. In staatlichen Institutionen ebenfalls, da diese ja die Richtung vorgeben. Kleine und mittelständische Unternehmen haben nicht so umfangreiche Ressourcen, durch die Gesetzgebung wird das aber auch hier relevanter.“

 

 

Rainer Janz (Hermann Bantleon GmbH):

„Ich glaube, dass es sicherlich Bedarf an Absolventen des Studienganges gibt. Wir sind ja in Ulm in einer wirtschaftsstarken Region, mit vielen Unternehmen, wo auch das Thema schon sehr präsent ist. Ich kann mir vorstellen, dass es da genügend interessierte Unternehmen gibt.“

 

Andreas Merkel (Gebr. Otto, Baumwollfeinzwirnerei GmbH & CO. KG):

„Ich bin der festen Überzeugung, dass in der Industrie Bedarf für Leute besteht, die solche Grundlagen vermittelt bekommen.“

Tobias Peylo (Sparkassenverband Baden-Württemberg):

„In keinem Fall wird die Studienzahl zu hoch sein, ich glaube, dass es eher zu niedrig ist für den entstehenden Bedarf. Ich freue mich, dass Ulm diese Herausforderung annimmt und entsprechend umsetzen wird. Das Gleiche müssten noch viel, viel mehr andere Universitäten machen, da der Bedarf einfach sehr viel höher sein wird.“

 

Ferdinand Geckeler (BMW Group):

„Die Industrie aber auch andere Stakeholder, also OEMs wie wir, die das Thema sehr stark forcieren, schaffen ja auch die Notwendigkeit in unserem Lieferantennetzwerk, d.h. bei unseren Zulieferern – und die Automobilbranche hat viele Zulieferbetriebe in Europa. Dadurch wird es einen starken Schub für den Arbeitsmarkt geben.  Mir bekannte Firmen, die das Thema Nachhaltigkeit ernst nehmen und Kapazitäten aufbauen wollen, tun sich aktuell schwer, diese am Arbeitsmarkt zu finden.

Das wichtigste Ressort ist das Controlling. Das Controlling ist der Schlüssel zum Erfolg bei der Umsetzung der Nachhaltigkeit im Unternehmen, von dem her sollte da der Fokus liegen.“

 

 

Dr. Karsten Schröder (econsense - Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft):

„Ich halte die Vermittlung von praxisorientierten Methoden der ganzheitlichen Unternehmenssteuerung, d.h. eine Steuerung unter Einbeziehung ökologischer und sozialer Aspekte, für sehr wichtig, da es in den Unternehmen hier meist noch an Wissen, Steuerungsgrößen und Daten(-systeme) mangelt. Wenn diese Kompetenzen Teil der betriebswirtschaftlichen Ausbildung werden, und wenn überzeugend vermittelt wird warum das für den langfristigen Erfolg und die Akzeptanz des Unternehmens wichtig ist, dann sind wir einen großen Schritt weitergekommen.“


Dr. Albert Waas (The Boston Consulting Group GmbH):

„Aus persönlicher Erfahrung mit diversen Beratungsprojekten und Kunden kann ich sagen, dass die Vermittlung von sozialen und ökologischen Steuerungsvariablen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Unternehmen sehen sich immer stärker mit diesen Themen konfrontiert. Sie müssen auf zunehmenden Druck von Seiten der Kunden, Wettbewerber und Stakeholder reagieren, indem sie sich verstärkt nachhaltig aufstellen.“

 

Kai Weinmüller (IWU - Privates Institut für Wirtschaft und Umwelt GmbH):

„Die Absolventen werden derzeit in größeren Firmen benötigt, diese haben schon eigene Nachhaltigkeitsabteilungen und bauen diese aus, das Thema externe Nachhaltigkeitskommunikation ist hier schon ganz wichtig. Bei den Mittelständlern sehen wir zukünftig einen großen Bedarf an Führungspersonen mit dieser Qualifikation. Es wird in Zukunft entscheidend  für Unternehmen sein, Prozesse und Produkte an nachhaltigen Kriterien auszurichten und dieses Thema intern und extern kompetent zu kommunizieren. V.a. bei KMUs ab 100 Personen aufwärts ist sicher viel Bedarf an solchen Qualifikationen da.“