Arbeitskreis Ethik in der Medizin am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin

Der Arbeitskreis „Ethik in der Medizin“ am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin schließt sich aus Studierenden, ÄrztInnen, HochschullehrerInnen, Pflegenden, SeelsorgerInnen und BürgerInnen Ulms zusammen. Er wurde ca. 1989 von Prof. Dr. Dr. Helmut Baitsch, PD Dr. Dr. Gerlinde Sponholz, Dr. Diana Meier-Allmendinger und  Dr. Gebhard Allert an der Universität Ulm gegründet.

Das Arbeitsgebiet des Arbeitskreises umfasst neben der Diskussion aktueller medizinethischer Fragestellungen im klinischen Alltag verschiedene Projekte wie z.B. die Einführung einer Beratung zur Patientenverfügung.

Mit seiner Struktur als Netzwerk bietet der Arbeitskreis die Möglichkeit zum Austausch zwischen Interessierten aus unterschiedlichen Fachgebieten. Er versteht sich auch als Bindeglied zwischen dem klinischen Alltag und der Forschung im medizinethischen Bereich, an der er auch aktiv mitarbeitet.

Mit der Durchführung von Ethik-Seminaren nach dem "Ulmer Modell" beteiligt er sich im Wahlpflichtbereich an der medizinischen Lehre im Fach Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin.

Der Arbeitskreis wird vertreten durch die Sprechergruppe:

Prof. Dr. Frieder KellerLeiter der Sektion Nephrologie der Klinik für Innere Medizin
der Universitätsklinik Ulm
Elisabeth McAvinue Stellvertretende leitende Lehrkraft i. R. der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege des Universitätsklinikums Ulm
Dr. Gebhard AllertFacharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychotherapie, Psychoanalyse
Lena SiebertStudentin der Medizin

Weitere Informationen zum Arbeitskreis Ethik in der Medizin

Mitarbeiter

Amrei Schick
Brigitte Glück
Christiane Imhof
Elisabeth McAvinue
Erich Schäfer
Frieder Keller
Gebhard Allert
Gerlinde Sponholz
Gert Liffers
Margarete Nazer
Mario Zeh
Renate Balsing
Robin Schöttke
Sonja Ressel

Das Ulmer Modell der Ethikseminare

 

Die Konzeption der Seminare

In den Wochenend-Seminaren (Freitag 17:50 - 21:30 Uhr, Samstag 9:00 - 13:30 Uhr) des Arbeitskreises "Ethik in der Medizin" werden konkrete Fälle aus der ärztlichen Praxis bearbeitet. Diese ethischen Konfliktfälle werden von Ärzt/innen, Pflegekräften oder Patient/innen im Seminar vorgestellt. Die Veranstaltungen werden von speziell ausgebildeten Moderatoren des Arbeitskreises moderiert und sind als Kleingruppenseminare mit höchstens 15 Teilnehmenden konzipiert. Anhand der Analyse von Konfliktsituationen und Konfliktfeldern aus dem "ganz normalen" ärztlichen Alltag werden die ethischen Grundlagen und modernen Prinzipien der Medizin reflektiert und diskutiert.

Die Arzt-Patienten-Beziehung ist eine kommunikative Interaktion mindestens zweier Individuen, die durch persönliche Wertvorstellungen der Beteiligten, gesellschaftliche Regeln und Standesnormen beeinflusst wird. Während die klassischen Grundsätze der Arzt-Patienten-Beziehung überwiegend paternalistisch organisiert waren, fordert die moderne Welt eine partizipatorische Arzt-Patienten-Beziehung. Die zu deren Verwirklichung notwendigen praktischen Fertigkeiten und die Reflexion eigener und fremder Wertvorstellungen werden anhand der im Seminar vorgestellten konkreten Fälle von den Teilnehmenden trainiert.

Lernziele der Falldiskussionen

Die Teilnehmer an den Seminaren erwerben grundlegende Erkenntnisse und Fähigkeiten in Bezug auf die medizinische Ethik.

Sie sollen erkennen:

  • Alle medizinischen "Fälle" haben eine ethische Dimension
  • Ethische Konflikte treten im klinischen Alltag häufig auf
  • Kommunikation ist ein grundlegendes Element der medizinischen Praxis. Sie kann gelernt und geübt werden
  • Das Reflektieren eigener und fremder Wertesysteme ist unerlässlich
  • Viele ethische Konflikte haben mehr als eine Lösung
  • Erwerb und Festigung (medizin-)ethischer Kompetenzen sind ein lebenslanger Prozess

Sie sollen üben:

  • Erkennen und Analysieren ethischer Konflikte
  • Reflektieren eigener Werte und Reflektieren von Wertvorstellungen anderer Menschen
  • Abwägen der Werte und Begründen der eigenen Entscheidung
  • Den gleichberechtigten Diskurs

Gesprächsforum klinische Ethik

Hintergründe

Für Studierende hat der Arbeitskreis "Ethik in der Medizin" der Universität Ulm zu Beginn der 1990er Jahre den Ethikunterricht im Rahmen von Fallseminaren aufgebaut. Ausgehend davon und aus der Erfahrung ihrer Konsiliartätigkeit am Universitätsklinikum Ulm heraus entwickelten Prof. Frieder Keller und Dr. Gebhard Allert für klinisch tätige Ärzte und Pflegende das Gesprächsforum "Klinische Ethik"; dieses findet seit Dezember 1995 statt. 

Vorgehen

Analog zu den Fallseminaren hat das Gesprächsforum einen offenen, aber vertikal und zeitlich strukturierten Rahmen: 

  • Ein zuvor benannter Referent stellt einen Fall vor
  • Der Fall wird von 8-12 Teilnehmern diskutiert
  • Die Diskussion wird von einem Mitglied des Arbeitskreises "Ethik in der Medizin" moderiert
  • Die Diskussion soll das Modell der Diskursethik aufgreifen und zu einer Konsensbildung führen


Bei der Diskussion beginnt zunächst der Referent mit der medizinischen Fallpräsentation, danach erfragt die Gruppe Hintergrundinformationen zum medizinischen und psychosozialen Sachverhalt. Schließlich erfolgt die Debatte der ethischen Konflikte in der Gruppe. Dabei wird eine Konsensbildung im konkreten Fall angestrebt, um so zu einer praktischen Entscheidung zu gelangen. 

Hinweise für Interessenten

Das Gesprächsforum tagt in der Regel jeweils am letzten Donnerstag des Monats von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr in der Pfitzer-Bibliothek der Villa Eberhard und ist offen für Mitarbeiter/innen des Klinikums und der Universität. Interessierte können sich im Sekretariat von Prof. Keller (Abteilung Nephrologie) registrieren lassen und erhalten anschließend jeweils einige Tage vor der nächsten Zusammenkunft eine Einladung.

Kontakt

Sekretariat der Abteilung Nephrologie: Brigitte Gaule und Veronica Mueller

Dr. Gebhard Allert

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Care for the Elderly

Goals and Priorities. Das im Frühjahr 1992 begonnene Projekt beschäftigte sich mit drängenden Fragen des demographischen Wandels, insbesondere der Integration und der Versorgung einer zunehmenden Zahl älterer Menschen. Die Projektgruppe (7 zentral- und westeuropäische Länder und die USA) hat ein Konsensusstatement publiziert, in dem die ethischen und gesellschaftspolitischen Fragen der Ressourcenallokation im Hinblick auf die angemessene Versorgung der älteren Menschen aufgegriffen werden. Zum Projektende wurde 1994 in Maastricht ein internationaler Kongreß durchgeführt.
Verantwortlich für das Projekt: Dr. Gebhard Allert

 

Ethik in der Medizin in frühen Phasen des Medizinstudiums, Beginn 1994

Im Rahmen des Projektes werden fall- und problemorientierte Kleingruppenseminare durchgeführt. Zielgruppe sind Studierende der Medizin im ersten Studienabschnitt. Begrenzte Gruppengröße. Interdisziplinäre Zusammensetzung der Teilnehmer aus dem ärztlichen, pflegerischen und seelsorgerischen Bereich. Lernziele: Sensibilisierung für ethische Konflikte im ärztlichen Alltag, Diskurskompetenz, Begründungskompetenz, Reflexion über das eigene Wertesystem und Problemlösungskompetenz. Prozeßevaluation und Outcome-Evaluation. Bis Ende 1995 haben mehr als 200 Studierende der Medizin freiwillig an den Seminaren teilgenommen. Erste Ergebnisse der Evaluation besagen, daß die Bearbeitung konkreter, realer medizinischer Fälle schon zu Beginn des Studiums durchgeführt werden kann; die Sensibilisierung für ethische Konfliktsituationen ist schon bei Studienbeginn möglich. Die Akzeptanz dieser Kurse ist sehr hoch: mehr als 90% der Teilnehmenden möchten weitere Kurse besuchen, Blockveranstaltungen werden eindeutig bevorzugt.
Verantwortlich für das Projekt: PD Dr. Dr. Gerlinde Sponholz und Prof. em. Dr. Dr. Dr. h. c. Helmut Baitsch. 

 

Goals of Medicine - Shaping new Priorities

Das internationale Forschungsprojekt diskutiert grundlegende Fragen der Zielvorstellungen einer künftigen Medizin. Angesichts der immer schwierigeren Fragen der gerechten Verteilung beschränkter Ressourcen in einer primär auf Wachstum und technologischen Fortschritt konzentrierten Medizin werden mögliche Konsequenzen und neue Bewertungsmaßstäbe für einzelne Länder und Kulturkreise diskutiert. An diesem 4-Jahres-Projekt sind 15 Länder beteiligt. Für Deutschland hat sich zusammen mit auswärtigen Gästen in Ulm eine feste Arbeitsgruppe gebildet, die regelmäßig in 2-monatigem Abstand tagt und sich dabei besonders auf die Diskussion der beiden Anwendungsfelder "Neuordnung der medizinischen Ausbildung" und "Chancen und Grenzen der Humangenetik" konzentriert.
Verantwortlich für das Projekt: Dr. Gebhard Allert

Publikationen