Neue Bücher erschienen

Neue Bücher aus dem Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin

 

Medical Imaging and Philosophy. Challenges, reflections and actions. Kulturanamnesen – Band 3

Medical Imaging plays a prominent role in contemporary medical research and practice. At the same time imaging in its broadest sense, including illustration, diagramming, model-making, photography and other forms of image rendering, has a long tradition in medicine. Imaging has served different purposes ranging from depicting to backing concepts or creating convincing evidence. Thus, imaging the human body has different aspects not only related to techniques or current interpretations of visual representations through medical imaging technologies. The way the human body was and is displayed in medicine also reflects a range of cultural, historical, artistic and scientific concerns.
Therefore, the editors of this book organized an international interdisciplinary conference in 2010 to bring together perspectives on Medical Imaging from medicine, philosophy, history and arts. This book summarizes the results of this interdisciplinary conference including representative examples of what was presented and discussed. It offers stimulating papers addressing readers interested in the status of medical images and their interpretation by different disciplines.

 

Faszinosum des Verborgenen. Der Harnstein und die (Re-)Präsentation des Unsichtbaren in der Urologie. Kulturanamnesen – Band 2

Die (Re-)Präsentation des Unsichtbaren stellt ein klassisches Problem der Medizin dar, das bis heute nicht an Anziehungskraft verloren hat. Aus historischer Perspektive lautet dabei eine der zentralen Fragen, inwiefern sich Produktion und Darstellung medizinischer Erkenntnis wechselseitig durchdringen. Gerade die urologische Technik, die zu den ersten medizinischen Gegenstandsbereichen zählt, die das Unanschauliche anschaulich gemacht haben, bietet sich hier als Untersuchungsfeld an.
Nach einigen theoretischen Vorüberlegungen werden in diesem Band Darstellungsformen von Harnsteinen, die Bedingungen ihrer Sichtbarmachung und Entfernung sowie zuletzt ihre Repräsentationsformen im therapeutischen Kontext behandelt. Auf diese Weise wird die Vielfalt der Ansätze zur Bildgenerierung und die Macht der Bildproduktion an einem bisher in diesem Zusammenhang wenig beachteten pathologischen Objekt, den Harnsteinen und ihrer versinnlichten Anschauung, in Augenschein genommen und diskutiert.

 

Deszendenztheorie und Darwinismus in den Wissenschaften vom Menschen. Kulturanamnesen – Band 1

Wie läßt sich Darwins Evolutionstheorie im Kontext der Kultur der Moderne verorten? Die Beiträger dieses Bandes widmen sich der Geschichte und Bedeutung der Evolutionstheorie für die Humanwissenschaften, da hier Aspekte der natur- und kulturwissenschaftlichen Entwicklungslehre miteinander verschränkt auftreten. Aus unterschiedlichen Perspektiven, etwa der Evolutionsbiologie, der Philosophischen Anthropologie und Moralphilosophie, der Psychologie, der Ethnologie und der Theologie, erläutern die Autoren Facetten des evolutionären Konzepts. Doch geht es ihnen nicht um die Eröffnung einer einheitlichen Perspektive auf die Entwicklung des Menschen; wohl aber bieten die Beiträge gemeinsam mit einer Themenvielfalt auch eine Methoden- vielfalt an und reflektieren kritisch auch die Grenzen der jeweiligen Fachgebiete.

 

Urologen im Nationalsozialismus. Band 1: Zwischen Anpassung und Vertreibung

Vor 1933 war etwa jeder dritte Urologe in Deutschland jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft; ein Anteil, der doppelt so hoch ist, wie in der allgemeinen Ärzteschaft. Diese Mediziner wurden aus ihren Positionen gedrängt und ins Exil oder in den Tod getrieben. Zahlreiche Einzel- und Sammelbiographien in diesem Buch beschäftigen sich sowohl mit den Opfern des Nationalsozialismus als auch mit denjenigen, die in diesem System Karriere machten. Darüber hinaus werden die Geschichte der Fachgesellschaft während und nach der Nazi-Diktatur, der Umgang mit der Vergangenheit in den beiden deutschen Staaten und fachhistorische Aspekte wie die Entwicklung der Geschlechtskrankenfürsorge, Sexualmedizin und Andrologie sowie die Beiträge von Urologen zur Zwangssterilisation in Deutschland behandelt. Zwölf Autoren, darunter Mediziner und Medizinhistoriker aus Deutschland, Österreich und den USA, erschlossen seit 2009 in einem Forschungsprojekt eine Vielzahl bisher unbearbeiteter Themen auf der Grundlage erstmals zugänglicher Quellen.

 

Implanted Minds

Intracerebral interventions raise particular ethical issues. For instance, attempts at replacing lost or altered brain cells with the help of stem cells or the therapeutic application of Deep Brain Stimulation would have morally relevant implications. Many medically relevant questions and ethical concerns need to be clarified before these intracerebral interventions can become routine procedure: If the brain is conceived as the carrier of an individual's personality or of the self then operations on the brain can be seen as intrusions upon one's personality. The book addresses historical, philosophical, social and legal implications of these new developments in the neurosciences and aims at resolving some of the dilemmas that go hand in hand with »implanted minds«.

 

 

Geschichtspolitik und Erinnerungskultur im neuen Russland

Seit »Perestrojka« und »Glasnost« ist in Russland eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Geschichte möglich. Der Staat verlor in den letzten zwanzig Jahren schrittweise sein Deutungsmonopol über Vergangenheitsfragen und wurde zu einem unter mehreren geschichtspolitischen Akteuren in einer stellenweise sehr hetero- genen Erinnerungslandschaft. Einschlägige Diskussionen haben seitdem so manches historische Dogma erschüttert die kollektive Erinnerung, die bis dahin vom Kanon der sowjetischen Historio- graphie und Gedenkkultur dominiert ge­wesen war, hat ihre einstige Uniformität verloren und ist pluralistisch geworden. Der vorliegende Sammelband unternimmt erstmals den Versuch, ausgewählte Aspekte von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur im neuen Russland in vergleichender Perspektive zu analysieren. Das Rahmenthema wird dabei unter interdisziplinären Aspekten und mit verschiedenen Zugängen diskutiert, um sich der gesellschaft- lichen Funktion von »Geschichte« im heutigen Russland möglichst umfassend zu nähern.

 

Die Spur des Sputnik: Kulturhistorische Expeditionen ins kosmische Zeitalter

Der Start des sowjetischen Satelliten Sputnik am 4. Oktober 1957 löste im Westen einen Schock aus, während er für die Sowjetunion eine neue »kosmische Ära« einleitete. Doch der Sputnik-Flug hatte nicht nur technische und politische Bedeutung. Erstmals gehen die Autorinnen und Autoren in diesem Band auch den grundlegenden kulturellen Wandlungen nach, die aus dem Beginn der Raumfahrtära resultierten. Das Themenspektrum reicht von der Veränderung des kollektiven Zeitempfindens und der Raumästhetik über Wandlungen in der visuellen Kultur der Sowjetunion bis zu ideengeschichtlichen und literarischen Adaptionen der Weltraumfaszination.

 

 

 

Netzwerke: Allgemeine Theorie oder Universalmetapher in den Wissenschaften? Ein transdisziplinärer Überblick

Der »Netzwerk«-Begriff ist in den letzten Jahren zu einer kulturellen Leitmetapher der modernen Gesellschaft und ihrer Wissenschaften avanciert.
Dieser Band diskutiert die Frage der Universalität der Netzwerkmetapher in den Wissenschaften. Er bietet einen bisher einmaligen transdisziplinären Überblick zur Anwendung des Netzwerkkonzepts in einem breiten Spektrum von Fachgebieten, das von der Wissenschaftsgeschichte über die Linguistik, Informationswissenschaft, Soziologie und Ökonomie bis hin zur Biologie und den Neurowissenschaften reicht, und verknüpft methodisch-theoretische Einführungen mit aufschlussreichen Fallbeispielen.

 

 

 

Spinning the Scientific Web: Jacques Loeb (1859-1924) und sein
Programm einer internationalen biomedizinischen Grundlagenforschung

Wie formulierten, konstituierten und verbreiteten Wissenschaftler zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Biomedizin im Sinne eines physiko-chemischen, technischen Verständnisses der Lebensprozesse?
Dieser Frage geht Heiner Fangerau nach, indem er den Einsatz des deutsch-amerikanischen Physiologen Jacques Loeb für eine internationale biomedizinische Grundlagenforschung analysiert. Am Beispiel dieses Forschers, der zu den ersten Wissenschaftlern zählt, die u.a. am Rockefeller Institute for Medical Research die Idee der Biomedizin verkörperten, untersucht der Autor die externen Bedingungen, die um 1900 den Etablierungsprozess dieses Konzeptes begleiteten. Darüber hinaus prüft der Autor, durch welche internen Prozesse die Wissenschaft sich ihre Gegenstände selbst formte. Im Zuge dieser differenzierten Betrachtung werden die Forschungsleistung von Jacques Loeb und sein Einsatz für eine "Technische Biologie" als Basis der modernen Biomedizin transparent. Neben der Ausformulierung der Forschungsthemen von Jacques Loeb bietet die Monographie eine Darstellung seiner Epistemologie und seiner Methoden zur Generierung von Wissen. Loebs Weltanschauung, seine Ethik, sein soziales Engagements sowie sein Eintreten für die internationale Wissenschaftsgemeinschaft werden eingehend dokumentiert, seine sozialen Netzwerke und Denkkollektive werden rekonstruiert und visualisiert. Abschließend untersucht die grundlegende Studie die Wirkung des Lebens und der Leistungen von Jacques Loeb auf die breitere Öffentlichkeit.
Auf der Basis umfangreichen Quellenmaterials entfaltet sich auf diese Weise eine Analyse der Entstehung biomedizinischen Denkens, die Netzwerkstrukturen betont und den Bogen zwischen externalistischen und internalistischen Erklärungsansätzen schlägt.