Angeborene Immundefekte

Knochenmark eines Kindes mit schwerem, kombinierten Immundefekt (SCID) mit Adenylatkinase 2 Mangel.
Knochenmark eines Kindes mit schwerem, kombinierten Immundefekt (SCID) mit Adenylatkinase 2 Mangel.

Primäre Immundefekte/Autoinflammationssyndrome sind eine heterogene Gruppe angeborener Erkrankungen, die alle Teilfunktionen des Immunsystems betreffen können. Sie gehen einher mit häufigen eventuell ungewöhnlichen Infekten, Gedeihschwäche und einer Störung der Immunregulation u. a. mit Milz- und Lymphdrüsenschwellungen, Granulomen und verschiedenen Autoimmunphänomenen. Aus der möglichst genauen Beschreibung des Infektionsmusters, des immunologischen Phänotyps, aus funktionellen Untersuchungen, aber auch aus der Analyse der genetischen Ursachen leiten sich die therapeutischen Konsequenzen bis hin zur Stammzelltransplantation ab. Alle entsprechenden diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen sind in unserem Zentrum etabliert.

WHIM-Syndrom

Knochenmarksabstrich mit Myelokathexis
Knochenmarksabstrich mit Myelokathexis
Warzen
Warzen

WHIM ist ein Akronym für die Symptome Warzen, Hypo-Gammaglobulinämie, Infektionen und Myelokathexis. Das Syndrom ist genetisch bedingt und wird autosomal-dominant vererbt. Eine chronische Neutropenie im peripheren Blut ist assoziiert mit dem Zurückhalten der Zellen im Knochenmark (Myelokathexis). Die Inzidenz wird geschätzt auf 0.23 in 1 Millionen (Cohen et al., 2012) und mit mehr als 40 publizierten Fällen weltweit ist das Syndrom sehr selten. Die Krankheit beginnt im frühen Kindesalter mit rezidivierenden bakteriellen Infekten, die sofort auf Antibiotika ansprechen. Im späteren Leben entwickeln die meisten Patienten disseminierte, hartnäckige Warzen mit den häufigen Papilloma-Virus (HPV)-Serotypen. Die Zahl aller Neutrophilen ist meist < 300/ Mikroliter Blut. Eine Lymphopenie ist unterschiedlich stark ausgeprägt, Hämoglobin und Thrombozytenzahl sind normal. Ursache des WHIM-Syndroms sind meist heterozygote Mutationen im CXCR4-Gen in der Region 2q21. Das Gen kodiert einen Chemokin-Rezeptor, der in blutbildenden und nicht-blutbildenden Zellen exprimiert wird. Die Mutationen betreffen den C-Terminus des Proteins. Die Therapie besteht in monatlichen Immunglobulin-Infusionen, womit die Häufigkeit von Infektionen reduziert werden kann. Durch tägliche Injektion von G-CSF oder GM-CSF können die Neutrophilenzahl und die Knochenmark-Zytologie normalisiert werden. Weitere klinische Studien etablieren die Nutzung des CXCR4 Antagonisten AMD3100 (Plerixafor) um die Neutrophilenzahl im peripheren Blut zu steigern (McDermott et al., 2014).

Ansprechpartner nach Krankheitsbild

Angeborene Immundefekte
Priv.-Doz. Dr. med. Manfred Hönig
Prof. Dr. med. Ansgar Schulz

Genetische Diagnostik angeborener Immundefekte
Dr. med. Klaus Schwarz
Prof. Dr. med. Ansgar Schulz

Autoinflammations-/ Fiebersyndrome Rheumatische Erkrankungen bei Kindern
Dr. med. Catharin Schütz
Prof. Dr. med. Ansgar Schulz

WHIM-Syndrom
Prof. Dr. med. Ansgar Schulz
Prof. Dr. Badolato Raffaele
Dr. Jean Donadieu

Stammzelltransplantation bei Kindern
Priv.-Doz. Dr. med. Manfred Hönig
Prof. Dr. med. Ansgar Schulz

Funktionelle Diagnostik angeborener Immundefekte
Prof. Dr.rer.nat. Lisa Wiesmüller

Immunologielabor
Prof. Dr. med. Ansgar Schulz

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

Institut für Transfusionsmedizin

Dr. med. Klaus Schwarz

ZSE: Dr. med. Klaus Schwarz
Dr. med. Klaus Schwarz

Mitglied des Vorstands

Abteilungsleiter Molekulare Diagnostik, Molekulare Therapie und Experimentelle Transplantation; Institut für Transfusionsmedizin, Universität Ulm und Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik, DRK Blutspendedienst, BW-Hessen
Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik
Helmholtzstrasse 10
89081 Ulm

Frauenklinik