Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS)

Das hämolytisch urämische Syndrom (HUS) gehört zu den thrombotischen Mikroangiopathien und ist klinisch durch Symptome der Hämolyse in Kombination mit einem Nierenversagen charakterisiert. Die Pathogenese der Erkrankung ist sehr heterogen. Beim sogenannten atypischen HUS, abgekürzt aHUS (oder auch D negatives HUS) liegt ein Mangel unterschiedlicher Komplementregulatoren vor. Dieser wird entweder durch Mutationen in den entsprechenden Genen oder durch sog. Hemmkörper (Autoantikörper) hervorgerufen.

Das typische HUS (auch D+ HUS genannt, von Diarrhoe positiv) betrifft zumeist Kinder und tritt bei shigatoxinbildenden Enteronbakterien auf und ist mit Diarrhoen assoziiert. In der Regel heilt die Erkrankung ohne spezifische Maßnahmen aus. In Abhängigkeit des Erregers treten besonders schwere Verläufe auf. Der Einsatz von Plasmapherese und Antibiotika wird kontrovers beurteilt. Die Abgrenzung des HUS zu anderen thrombotischen Mikroangiopathien (z.B. thrombotisch-trombozytopenische Purpura, TTP)  kann schwierig sein. Eine terminale Niereninsuffizienz stellt die wichtigste Langzeitkomplikation der Erkrankung dar.

Ein neuer Therapieansatz bei D+-HUS und bei bestimmten Formen des aHUS stellt der Komplementinhibitor Eculizumab dar.

 

Kälteaglutininerkrankung (CAD)

Kälteaglutininerkrankung (CAD)
Kälteaglutininerkrankung (CAD)

Die primäre Kälteagglutininerkrankung ist charakterisiert durch eine kälteinduzierte Durchblutungsstörung mit Zyanose bis hin zu Nekrose und intravasaler Hämolyse. Asymptomatische Patienten fallen häufig durch eine ex-vivo Hämolyse in der Laborprobe mit Hyperkaliämie auf. Hervorgerufen wird die Erkrankung durch einen monoklonalen (kälte) IgM-Autoantikörper. Dieser bindet bei „kalten“ (Körper-)Temperaturen an eine Zuckerstruktur (i oder I) der Erythrozyten und führt zur Agglutination und intravasalen Hämolysen. Die Diagnose erfordert den Ausschluß eines Lymphoms, den Nachweis eines monoklonalen IgM (meist k) mit einem Kälteagglutinintiter von ≥ 64 bei 4° und die Beladung der Erythrozyten mit Komplement C3d, IgM ist dabei häufig nicht mehr nachweisbar (vgl. Abblildung). Meist besteht zusätzlich eine chronische extravasale Hämolyse. Wichtig ist der Probentransport bei 37°C. Therapeutisch ist die Unterbringung des Patienten im Warmen wichtig. Das einzige durch Studien belegte Medikament ist Rituximab, jüngst auch in Kombination mit oralem Fludarabin. Ein vielversprechender Ansatz ist die Inhibition der terminalen Komplementendstrecke mit Eculizumab, der aktuell in einer Studie überprüft wird.

Thrombotisch-Thrombozytopenische Purpura (TTP)

Thrombotisch-Thrombozytopenische Purpura (TTP)

Die Thrombotisch-Thrombozytopenische Purpura (TTP) gehört zu den sogenannten thrombotischen Mikroangiopathien und ist durch eine Thrombopenie, ZNS-Störungen und eine mikroangiopathische Anämie gekennzeichnet.  Die Erkrankung verläuft akut verläuft unbehandelt oft tödlich. Der Verdacht auf eine TTP ergibt sich aus einer Thrombopenie in Kombination mit einer mikroangiopathischen Anämie (Fragmentozyten!) ohne andere Ursachen. Bei Vorliegen dieses Befundes soll schnellstmöglich eine Plasmapherese eingeleitet werden! Ein früher Therapiebeginn ist entscheidend für einen günstigen Krankheitsverlauf. Die TTP entsteht durch eine verminderte Aktivität der ADAMTS-13-Metalloprotease (A Disintegrin And Metalloprotease with ThromboSpondin 1 repeats 13). Sie hat die Aufgabe große von Willebrand Multimere zu zerkleinern. Bei verminderter Aktivität kommt es zur Persistenz dieser großen Multimere, mit einer überoptimalen Funktion unter Scheerstreß. Es entstehen plättchenreiche Thromben mit folgender mechanischen Zerstörung der Erythrozyten und Bildung von Fragmentozyten (siehe Abbildung). Die ADAMTS-13-Verminderung ist meistens durch einen Autoantikörper bedingt oder seltener durch einen Gendefekt auf Chromosom 9. Die Abgrenzung zu anderen Mikroangiopathien ist dabei oft schwierig, aber zur weiteren Therapieplanung notwendig. Wegweisend für die Diagnose ist die Testung auf die ADAMTS-13 –Aktivität (meist <5%), Den Nachweis eines Inhibitors und großer von-Willebrand-Multimere. Für eine aussagekräftige Labortestung müssen die Proben vor Einleitung einer Plasmatherapie entnommen werden!

Ansprechpartner nach Krankheitsbild

Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS),
Kälteaglutininerkrankung (CAD) und
Thrombotisch-Thrombozytopenische Purpura (TTP):
Dr. med. Sixten Körper

Transfusionsmedizin und DRST

Dr. med. Sixten Körper

Dr. med. Sixten Körper
Dr. med. Sixten Körper

Facharzt für Transfusionsmedizin, Innere Medizin, Hämatologie und Internistische Onkologie

Abteilungsleiter der Abteilung für Blutspende, Apherese und Hämotherapie
Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik
Helmholtzstraße 10
89081 Ulm