Lipdodystrophien

Lipodystrophien sind sehr seltene Krankheiten, charakterisiert durch das Fehlen von Fettgewebe (1). Lipodystrophien können unterteilt werden in familiäre und erworbene Formen und in kompletten Fettgewebsmangel oder partiellen, d.h. nur in einigen Körperregionen vorliegenden Fettgewebsmangel. Für die familiären Formen der Lipodystrophie konnten einige ursächliche genetische Veränderungen identifiziert werden. Bei einem großen Teil der genetisch bedingten Lipodystrophien ist die Ursache aber bis heute unbekannt. Ein erworbener Verlust von Fettgewebe kann immunologische Gründe haben, aber auch durch Infektionen oder die Gabe bestimmter Medikamente insbesondere im Rahmen einer HIV Therapie verursacht werden. Die Ulmer Forschergruppe konnte in den letzten Jahren wesentliche Beiträge zum Verständnis der Pathogenese der Lipodystrophien und der zu Grunde liegenden molekularen Mechanismen der Erkrankung leisten (2, 3) .

Klinik

Neben dem sichtbar fehlenden Unterhautfettgewebe führt der Mangel an Fettgewebe zu verschiedenen oft schweren metabolischen Komplikationen wie Insulinresistenz, Diabetes mellitus, Hypertriglyzeridämie und Fettleber. Das Ausmaß dieser Komplikationen nimmt mit zunehmendem Fettgewebsverlust zu. Zusätzlich leiden die Patienten unter einem Mangel des im Fettgewebe produzierten Hormons Leptin. Weitere begleitende Veränderungen können je nach zugrunde liegender genetischer Ursache die Skelett- und Herzmuskulatur, das Skelettsystem oder die Ohren betreffen.

Therapie

Zur Zeit besteht keine Möglichkeit, Lipodystrophien zu heilen. Neben der herkömmlichen Behandlung der metabolischen Komplikationen stehen aber seit kurzem zwei sehr spezielle Therapien zur Verfügung, die den zugrunde liegende Pathomechanismus in der Entstehung der Komplikationen beeinflussen. Dies ist zum einen eine Behandlung mit einem PPARy-Agonisten, die neben der bekannten Besserung der Blutzuckereinstellung in einigen Patienten auch zu einem Aufbau an Fettgewebe führt (4). Zum anderen ist es in einigen spezialisierten Zentren wie zum Beispiel in Ulm möglich, einen individuellen Heilversuch mit Leptin durchzuführen (5). Das Anheben des reduzierten Leptin-Spiegels führt zu einer dramatischen Verbesserung der oft ausgeprägten Hypertriglyzeridämie und der Fettleber und damit begleitend auch zu einer Verbesserung von Insulin-Resistenz und Diabetes mellitus (6).


Publikationen

1. Fischer-Posovszky, P., Debatin, K.M., and Wabitsch, M. 2002. [Lipodystrophies]. Klin Padiatr 214:99-103.
2. Fischer, P., Moller, P., Bindl, L., Melzner, I., Tornqvist, H., Debatin, K.M., and Wabitsch, M. 2002. Induction of adipocyte differentiation by a thiazolidinedione in cultured, subepidermal, fibroblast-like cells of an infant with congenital generalized lipodystrophy. J Clin Endocrinol Metab 87:2384-2390.
3. Fischer-Posovszky, P., Hebestreit, H., Hofmann, A.K., Strauss, G., Moller, P., Debatin, K.M., and Wabitsch, M. 2006. Role of CD95-mediated adipocyte loss in autoimmune lipodystrophy. J Clin Endocrinol Metab 91:1129-1135.
4. Arioglu, E., Duncan-Morin, J., Sebring, N., Rother, K.I., Gottlieb, N., Lieberman, J., Herion, D., Kleiner, D.E., Reynolds, J., Premkumar, A., et al. 2000. Efficacy and safety of troglitazone in the treatment of lipodystrophy syndromes. Ann Intern Med 133:263-274.
5. von Schnurbein, J., Moss, A., Nagel, S.A., Muehleder, H., Debatin, K.M., Farooqi, I.S., and Wabitsch, M. Leptin substitution results in the induction of menstrual cycles in an adolescent with leptin deficiency and hypogonadotropic hypogonadism. Horm Res Paediatr 77:127-133.
6. Oral, E.A., Simha, V., Ruiz, E., Andewelt, A., Premkumar, A., Snell, P., Wagner, A.J., DePaoli, A.M., Reitman, M.L., Taylor, S.I., et al. 2002. Leptin-replacement therapy for lipodystrophy. N Engl J Med 346:570-578.

Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie