Neuropathologie

Die neuropathologische Diagnostik seltener neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen umfasst neben der Diagnosestellung nach dem Tode im Rahmen einer Autopsie vor allem die bioptische Diagnosestellung zu Lebzeiten.

So können wir Muskelkrankheiten an einer Biopsie aus dem Skelettmuskel diagnositizieren. Neuropathien werden an einer Biopsie des peripheren Nerven (meist N. suralis) festgestellt. CADASIL-Krankheit, eine erbliche Gefäßkrankheit, die zu multiplen Hirninfarkten und einer Demenz führen kann, wird an einer Hautbiopsie gesichert. Hirnbiopsien sind nur in äußerst seltenen Fälle indiziert, da zumeist eine therapeutische Relevanz fehlt und ein solcher Eingriff ein relevantes Risiko darstellt. Bei entzündlichen Gefäßerkrankungen kann eine therapeutische Relevanz bestehen, so dass bei dieser Verdachtsdiagnose eine Hirnbiopsie erwogen werden kann, sofern eine hinreichende Klärung der Differentialdiagnose klinischerseits nicht möglich ist. Bei sicher degenerativen Erkrankungen wird normalerweise keine Hirnbiopsie entnommen. Seltene Tumore des zentralen und peripheren Nervensystems werden ebenfalls bei uns neuropathologisch nach Entfernung durch den Neurochirugen diagnostiziert. Sofern für die Diagnose oder die Aufnahme in eine Therapiestudie nötig werden diese Tumore auch in den jeweiligen Referenzzentren vorgestellt.

In Zusammenarbeit mit der Neurofibromatose-Sprechstunde des Zentrums für seltene Erkrankungen der Universität Ulm untersuchen wir gut- und bösartige Tumoren des peripheren Nervensystems.

Neurodegenerative Erkrankungen werden autoptosich gesichert. Insbesondere bei den Frontotemporolobären Degenerationen (FTLD) erlaubt die neuropathologische Untersuchung eine Subtypisierung nach den entdeckten Proteinablagerungen. Die drei am häufigsten gefundenen Proteine, die bei diesen Erkrankungen aggregieren sind tau, TDP43, und FUS. Üblicherweise kann man FTLD-tau, FTLD-TDP, und FTLD-FUS Fälle unterscheiden. Daneben gibt es nur sehr wenige FTLD-Fälle, in denen keines dieser drei Proteine abglagert wird. Tau und TDP43 Ablagerungen werden manchmal auch zusammen in einem Gehirn beobachtet. Dabei ist die tau-Pathologie allerdings zumeist der Alzheimer Krankheit zuzuordnen, bei der das tau-Protein ebenfalls abgelagert wird.

Diagnoseliste:

Neuropathologie seltener neurologisch/ psychiatrischer Erkrankungen

Besondere Expertise:

Amyotrophe Lateralsklerose
CADASIL
Dissezierende Aneurysmen der Hirnbasisarterien
Entzündliche Erkrankungen der Hirngefäße
Frontotemporolobäre Degeneration
Neurofibromatose
Tumore des peripheren Nervensystems (Neurofibrome, Schwannome, Perineuriome, maligne Nervenscheidentumore)

Kontakt zur Neuropathologie

Prof. Dr. Dietmar Thal
Dr. Angelika Scheuerle

Institut für Pathologie – Sektion für Neuropathologie der Universität Ulm und Institut für Pathologie am Bezirkskrankenhaus Günzburg

Ludwig-Heilmeyer Strasse 2
D-89312 Günzburg

Telefon +49(0)8221/96-2163
Telefax +49(0)8221/96-28158

Zuweisungskriterien:

Biopsiegewebe aus Muskel, Nerv, Haut oder ZNS zur Diagnose zu Lebzeiten

Autopsie zur Klärung von Todesursache, Erkrankung (wenn möglich), und falls explizit gewünscht zur Verfügungstellung von bei der Autopsie gewonnener Gewebeproben für die Forschung an seltenen Erkrankungen.

Bei einer geplanten Biopsie bitten wir um vorherige telefonische Absprache, damit das Gewebe für die jeweilige Fragestellung korrekt entnommen und asserviert wird.