Portraitreihe: 50 Jahre Wissenschaftlerinnen an der UUlm

Frauen in Führungspostionen an der uulm - von damals bis heute - anlässlich des 50. Geburtstages der Universität hat das Gleichstellungsreferat eine Portraitreihe über Frauen in Führungspositionen erstellt.

Die Porträts zeugen von tatkräftigen mutigen engagierten Frauen, die sowohl inhaltlich als auch gesellschaftlich etwas beizutragen haben. Wir wünschen den Leserinnen und Lesern eine inspirierende Lektüre, die Lust macht auf mehr; mehr Wissenschaft, mehr Frauen, mehr universitas - Gemeinschaft.

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Prof. Dr. med. Barbara Spellerberg

seit 2002:
C3-Professur am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Universität Ulm

1999 - 2001:
C2-Hochschuldozentin am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Universitätsklinik der RWTH Aachen

1999:
Habilitation am Institut für Medizinische Mikrobiologie bei Prof. Dr. R. Lütticken,  Universitätsklinik der RWTH Aachen

1995 - 1999:
Gruppenleiterin des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Universitätsklinik der RWTH Aachen

1993:
Abschluss Dr. med. im Fachbereich Pädiatrie bei Prof. Dr. G. Heimann, RWTH Aachen

1992 - 1994:
Postdoc bei Prof. E. Tuomanen, Labor für molekulare Infektionskrankheiten, Rockefeller University, New York, NY, USA

1990 - 1992:
Pädiatrie, Universitätsklinik der RWTH Aachen

1983 - 1990:
Studium der Medizin an der RWTH Aachen

Was sind für Sie die größten Glücksmomente im Leben?
Beruflich sind es Momente, in denen Zusammenhänge klarwerden. Privat sind es Outdooraktivitäten mit meiner Familie.

Worauf könnten Sie am ehesten verzichten?
Alltagsstress.

Wollten Sie schon immer eine Wissenschaftlerin werden?
Ja: Die Freiheit in der Forschung und Lehre sind in keinem anderen Beruf so umsetzbar.

Woran forschen Sie momentan?
Virulenzfaktoren von Streptokokken.

Welches Forschungsprojekt war während Ihrer Tätigkeit an der Universität Ulm Ihr bisher erfolgreichstes?
Die Entdeckung eines Metallionentransporters von Streptokokken, der das Überleben der Bakterien bei niedrigem pH und in eukaryoten Zellen ermöglicht.

Warum haben Sie es im Vergleich zu anderen Frauen geschafft eine Wissenschaftlerin zu werden? Wie kamen Sie zu Ihrer Position?
Ach vieles hat auch mit Glück zu tun.

Häufig haben Frauen an der Universität keine Führungsposition inne. Hat dies damit zu tun, dass Mädchen immer noch eher zu Ballerinas als zu Führungspersönlichkeiten erzogen werden?
Nein ich glaube nicht, dass in erster Linie die Einstellung der Frauen dafür verantwortlich gemacht werden kann. Für den Aufstieg in eine Führungsposition ist, nach meiner Erfahrung die tatkräftige Unterstützung durch Mentoren, aber auch durch Kollegen und Mitarbeiter wichtig. Diese Art der Unterstützung erhalten Männer einfacher als Frauen.

Was raten Sie jungen Frauen bezüglich ihrer beruflichen Planung?
Vieles ist leider nicht so planbar und man muss flexibel bleiben, um gute Möglichkeiten zu erkennen und dann beherzt zuzugreifen.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Themen in der Gleichstellung?

Für den Aufstieg in eine Führungsposition ist die tatkräftige Unterstützung durch Mentoren wichtig.

Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit als gesundes Tier leben?

Die Welt im Fliegen zu erleben ist sicherlich sehr reizvoll, also als Vogel könnte ich es mir gut vorstellen.

Mit welchem Forscher der vergangenen Jahrhunderte würden Sie gern gemeinsam ein Forschungsprojekt gestalten?

Einen neuen Impfstoff zusammen mit Louis Pasteur entwickeln. Es ist sicher spannend zu sehen, wie er molekulare Methoden einsetzen würde.

Prof. Dr. med. Barbara Spellerberg

Professorin an der uulm seit 2002

Fachbereich: Medizin
Abteilung: Medizinische Mikrobiologie und Hygiene

Geburtsdatum: 21. Mai 1964
Geburtsort:  Köln
Staatsangehörigkeit:  deutsch
Familienstand:  verheiratet, 2 Kinder

Jun.-Prof. Dr. Birte Glimm

seit 07/2011:
Junior-Professorin am Institut für Künstliche Intelligenz der Universität Ulm, Ruf auf eine Lebenszeitprofessur im Rahmen des Tenure Track Verfahrens erhalten

2008 - 2011:
Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Information Systems Groups am Computing Laboratory der University of Oxford, EPSRC Projekt „HermiT: Reasoning with Large Ontologies”, Oxford, UK

2008:
Senior-Software-Engineer bei der sd&m AG, Hamburg, DE

2007 - 2008:
Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Information Systems Groups am Computing Laboratory der University of Oxford. Komplexitätsanalyse von Algorithmen zum automatischen Schlussfolgern in Beschreibungslogiken, Oxford, UK

2004 - 2007:
Doktorarbeit „Querying Description Logic Knowledge Bases” an der University of Manchester betreut von Prof. Ian Horrocks and Prof. Ulrike Sattler

2001 - 2004:
B.Sc. Informatik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg

2000 - 2001:
Software Entwicklung und Teamleitung in der Multimedia Agentur Elephant Seven GmbH, Hamburg, DE

1998 - 2000:
Mitgründung und technische Leitung der JEN.net GmbH, Hamburg

1995 - 1998:
Berufsfachschule Hamburger Technische Kunstschule, Kommunikationsdesign

Worauf könnten Sie am ehesten verzichten?
Fragebögen wie diesen ausfüllen.

Wollten Sie schon immer eine Wissenschaftlerin werden? Wenn ja, warum? Wenn nein, was war Ihr ursprüngliches Ziel und wie kamen Sie dennoch dazu?
Nein. Als Pferdenärrin wollte ich eigentlich Berufsreiterin werden, aber meine Eltern haben mich überredet erst zu versuchen zu studieren, da sie mit meinem Berufswunsch nicht so glücklich waren und dann hat sich mein Leben in diese Richtung entwickelt.

Was sind Ihre Forschungsschwerpunkte?
Künstliche Intelligenz insbesondere die Repräsentation und das automatische Schlussfolgern über Wissen im Computer.

Warum haben Sie es im Vergleich zu anderen Frauen geschafft eine Wissenschaftlerin zu werden? Wie kamen Sie zu Ihrer Position?
Da spielen sicher mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen liegt mir die Informatik, zum anderen haben sich gute Perspektiven während meiner Laufbahn ergeben (Wechsel als PostDoc nach Oxford) und mein jetziger Mann hat mich immer unterstützt. Als dann die Juniorprofessur in Ulm ausgeschrieben wurde, habe ich mich gerne beworben, weil ich gerne wieder nach Deutschland zurück wollte und es hat geklappt.

Häufig haben Frauen an der Universität keine Führungsposition inne. Hat dies damit zu tun, dass Mädchen immer noch eher zu Ballerinas als zu Führungspersönlichkeiten erzogen werden?
Dies ist meiner Meinung nach auch oft im Charakter begründet, aber auch andere Faktoren wie die lange Unsicherheit und die oft nötigen Ortswechsel spielen eine Rolle.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Themen in der Gleichstellung?

DUAL CAREER SUPPORT.

Haben Sie jemals daran gedacht Ihren Beruf aufzugeben? 
Was müsste passieren, damit Sie dies wirklich tun?

Nach meiner Promotion wurde mein erster Projektantrag abgelehnt, da habe ich schon daran gezweifelt, ob eine wissenschaftliche Karriere wirklich das ist was ich will. Nach einem kurzen Ausflug in die Industrie bin ich dann aber doch wieder zurück an die Uni gegangen, um meine wissenschaftliche Karriere weiter zu verfolgen.

Wie erfüllen Sie Gleichstellung in Ihrer Abteilung?

Leider haben wir sehr wenig weibliche Nachwuchswissenschaftler, aber ich versuche durch das Halten von Einstiegsvorlesungen den weiblichen Studierenden gleich zu zeigen, dass auch Frauen erfolgreich in der Informatik sein können. Außerdem halte ich Vorlesungen im Rahmen der Ulmer 3 Generationen Uni und beteilige mich am Girl’s Day oder ähnlichen Veranstaltungen.

Jun.-Prof. Dr. Birte Glimm

Professorin an der uulm seit 2011

Fachbereich: Informatik
Abteilung: Künstliche Intelligenz

Geburtsdatum: 20. Juni 1975
Geburtsort:  Bad Oldesloe
Staatsangehörigkeit:  deutsch
Familienstand:  verheiratet, 1 Kind

Prof. Dr. phil. habil. Anke Huckauf

Seit 2009:
Professorin (W3) für Allgemeine Psychologie, Universität Ulm

2006:
Habilitation, Universität Erlangen-Nürnberg

2005:
Erfolgreiche Zwischenevaluation als Juniorprofessorin, Bauhaus-Universität Weimar

2003 - 2009:
Juniorprofessorin (W1) für Psychophysiologie und Wahrnehmung, Fakultät Medien,  Bauhaus-Universität Weimar

1999 - 2002:
Wissenschaftliche Assistentin (C1) am Lehrstuhl I für Allgemeine und  Arbeitspsychologie (Prof. Dr. Dieter Heller) des Instituts für Psychologie,  Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen

1998 - 1999:
Lektorin, Stipendiatin der Robert Bosch-Stiftung; Kolleg zur Ausbildung von  Fremdsprachenlehrern der Universität Danzig, Polen

1996 - 1998:
Wissenschaftliche Angestellte am Lehrstuhl I für Allgemeine und Arbeitspsychologie  (Prof. Dr. Dieter Heller) des Instituts für Psychologie, RWTH Aachen

1996:
Promotion mit summa cum laude zum Dr. phil., RWTH Aachen

1992 - 1996:
Wissenschaftliche Angestellte in einem von der DFG geförderten Kooperationsprojekt des Instituts für Psychologie  der RWTH Aachen und des CNRS Marseille, Frankreich (Prof. Dr. Dieter Heller & Dr. Tatjana A. Nazir);  mehrwöchige Aufenthalte am CNRS Marseille, Frankreich

1986 - 1992:
Studium in Frankfurt, Mainz, Aachen, Abschluss: Diplom-Psychologin

Was sind für Sie die größten Glücksmomente?
Sonntagsbraten mit der Familie.

Worauf könnten Sie am ehesten verzichten?
Auf Steuerformulare.

Wollten Sie schon immer Professorin werden?
Nein: Erst wollte ich Hausfrau werden, dann Lehrerin, dann Chef.  Letztendlich hat ja alles geklappt :)

Woran forschen Sie momentan?
Wie und inwieweit sich unsere  Wahrnehmung verändert bei unterschiedlichen Befindlichkeiten.

Was sind für Sie die größten Glücksmomente im Beruf?
Ein tiefes gemeinsames Verständnis mit wildfremden Menschen  unterschiedlichster Natur und Kultur.

Warum haben Sie es im Vergleich zu anderen Frauen geschafft Professorin zu werden? Selbstkontrolle und, vor allem, ein großes Bedürfnis nach Autonomie, mit dem ich mich nicht gern auf andere verlasse.

Häufig haben Frauen in der Forschung keine Führungsposition inne. Hat dies damit zu tun, dass Mädchen immer noch eher zu Ballerina als zu Führungspersönlichkeiten erzogen werden?
Gäbe es eine klare Ursache für die Ungleichstellung von Männern und Frauen, dann hätten wir sie bestimmt bereits identifiziert und beseitigt. Aus pragmatischer Sicht fehlen Vorbilder. Meine männlichen Kollegen sind ja einerseits der Überzeugung, sie würden bereits anteilig Erziehungsarbeit übernehmen, und andererseits, dass ihre berufliche Position uneingeschränktes Reisen und freie Zeiteinteilung erfordert. Beides geht natürlich kaum.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Themen in der Gleichstellung?

Wie Macht und Geld bei Frauen attraktiv wirken können, und wie Machtverzicht bei Männern sexy wird.

Glauben Sie, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern mit der Zeit geringer werden?

Meine Hoffnung diesbezüglich betrifft die Menopause.

Wie viele Kolleginnen und Kollegen haben Sie in Ihrem Fach?

Etwa 70 % Kollegen, 30 % Kolleginnen.

Prof. Dr. phil. habil. Anke Huckauf

Professorin an der uulm seit 2009
Gleichstellungsbeauftragte seit 2013

Fachbereich: Psychologie
Abteilung: Allgemeine Psychologie

Geburtsdatum: 18. Januar 1967
Geburtsort:  Hüttental, heute: Siegen
Staatsangehörigkeit:  deutsch
Familienstand:  verheiratet, 2 Kinder