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RHD-Genotypisierung bei D-negativen Ostasiaten

Dr. med. Timo Axel Lüttringhaus
Dr. med. Timo Axel Lüttringhaus

Eine einfache und zuverlässige Blutgruppendiagnostik ist die Grundlage für risikoarme Transfusionen im klinischen Alltag. Bisher werden routinemäßig zumeist serologische Testmethoden angewandt, welche eine Einordnung von Proben aufgrund der Oberflächeneigenschaften von Erythrozyten vornehmen. Dies trifft auch für das Rhesus-Blutgruppensystem zu, welches neben dem ABO-System das wichtigste derzeit bekannte Blutgruppensystem darstellt.
Der D-negative Phänotyp geht in der Regel mit einer Deletion des RHD-Gens einher. Unter den mit serologischen Methoden als D-negativ bezeichneten Proben finden sich regelmäßig solche, welche das Antigen D in sehr schwacher Ausprägung tragen und bei Transfusion auf echte D-negative Empfänger erhebliche Transfusionsreaktionen auslösen können. In diesen Proben ist die Konservierung des RHD-Gens mit verschiedenen Mutationen regelmäßig nachweisbar. Aus diesem Grund gewinnt die molekulargenetische Blutgruppendiagnostik zunehmend an Bedeutung, da mit ihrer Hilfe betroffene Proben wesentlich zuverlässiger detektiert werden können. Zur Entwicklung von Testsystemen auf der Basis einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) ist die Kenntnis der in einer Population im serologisch D-negativen Phänotyp vorkommenden relevanten RHD-Allele unerlässlich.
Wir haben am Beispiel einer koreanischen Population die Häufigkeiten der in einer D-negativen ostasiatischen Population vorkommenden RHD-Allele bestimmt und eine PCR-gestützte Untersuchungsmethode entwickelt, mit welcher die in der großen ostasiatischen Gesamtpopulation häufig im D-negativen Phänotyp vorkommenden RHD-Allele schnell und zuverlässig erkannt werden können. Die besondere Aufgabe bestand darin, jene Allele zu identifizieren, die in ostasiatischen D-negativen Populationen häufig sind und routinemäßig getestet werden sollten. So ist beispielsweise eine weitergehende und hier im Rahmen der Abklärung von Allelfrequenzen durchgeführte Unterscheidung zwischen RHD-negativen und sogenannten RHD-CE-D-Hybridallelen in der Routinediagnostik nicht nötig, da beide großen Gruppen kein Antigen D exprimieren.

Abb.1: Ergebnismuster der PCR-SSPs. Neben einer Positiv-Kontrolle (A) ist für jedes in der aktuellen Studie beobachtete Allel das Ergebnismuster in den für die RHD-Genotypisierungsstrategie wesentlichen PCR-SSPs dargestellt (B - E). Neben einer 434 bp-Kontrollbande (*) zeigen sich Amplifikate mit Längen zwischen 113 und 256 bp. Die Promotor- und Exon 10 PCR-SSP sind hier zur Abgrenzung der Proben mit RHD-CE-D-Hybrid-Allelen gegenüber den RHD-negativen Proben ebenfalls dargestellt.
  • Abb.1: Ergebnismuster der PCR-SSPs. Neben einer Positiv-Kontrolle (A) ist für jedes in der aktuellen Studie beobachtete Allel das Ergebnismuster in den für die RHD-Genotypisierungsstrategie wesentlichen PCR-SSPs dargestellt (B - E). Neben einer 434 bp-Kontrollbande (*) zeigen sich Amplifikate mit Längen zwischen 113 und 256 bp. Die Promotor- und Exon 10 PCR-SSP sind hier zur Abgrenzung der Proben mit RHD-CE-D-Hybrid-Allelen gegenüber den RHD-negativen Proben ebenfalls dargestellt.

Es zeigte sich, dass das sogenannte RHD(K409K) in bis zu 30% der serologisch als D-negativ eingestuften Personen nachweisbar war. Dieses Allel führt zu einer mit bisherigen serologischen Standardmethoden kaum nachweisbaren Ausprägung von Antigen D mit dem Risiko von Transfusionsreaktionen bei Übertragung eines Präparates auf echte D-negative Empfänger. Mit der beschriebenen Methode ist nunmehr eine schnelle und sichere Einordnung von D-negativen Proben mit wenigen Untersuchungen möglich. Hiermit ist das aufgrund der Allelverteilung erhebliche Risiko von Transfusionsreaktionen minimierbar, worin sich die klinische Relevanz der Arbeit zeigt. Ein bisher nicht beschriebenes RHD-Allel wurde gefunden, welches als weak D Typ 43 bezeichnet wurde.
In einem zweiten Ansatz der Studie konnte das RHD(K409K) als wichtigstes RHD-Allel unter D-negativen Blutspendern in Ostasien bestätigt werden, welches mit dem serologisch extrem schwer detektierbaren Phänotyp DEL einhergeht. In der veröffentlichten Literatur wurde bisher alternativ zu diesem Allel ein molekulargenetischer Mechanismus in Form einer genomischen Deletion als Grundlage des DEL-Phänotyps diskutiert. In dieser Studie konnte die Existenz dieser Deletion widerlegt werden. Es ist nunmehr gesichert, dass der DEL-Phänotyp in der großen ostasiatischen Gesamtpopulation durch einen einheitlichen Mechanismus erklärbar ist.

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