Modellierung, Bewertung und Risikoanalyse von Zinsgarantien in konventionellen deutschen Lebensversicherungsverträgen
Traditionelle Lebensversicherungen mit einer Garantieverzinsung stellen nach wie vor den größten Teil des deutschen Lebensversicherungsmarktes dar. Die Kapitalmarktkrise der letzten Jahre hat verdeutlicht, dass derartige Produkte und Garantien, die
- wie in Deutschland - dazu führen, dass sich das Guthaben der Versicherten Jahr für Jahr mindestens mit dem Garantiezins erhöht, für die Versicherer mehr Risiken bergen als weitläufig vermutet wurde. Insbesondere, wenn Garantien für sehr lange Zeiträume gegeben werden, am Kapitalmarkt aber nicht adäquat abgesichert werden (können), sind die Risiken für den Garantiegeber substanziell.
Im Rahmen der Arbeit von Alexander Kling wird erstmals ein Modell vorgestellt, welches es ermöglicht, die Risiken, die aus dem konventionellen Geschäft eines Lebensversicherers resultieren, unter Berücksichtigung der wichtigsten deutschen Rahmenbedingungen zu analysieren. Dabei werden regulatorische Rahmenbedingungen (Mindestverzinsung, Mindestüberschussweitergabe, Bilanzierungsregeln, Kapitalanlagevorschriften), Unternehmenspolitik (Weitergabe der Überschüsse, Auf- und Abbau von Reserven, Zahlung von Dividenden, Zusammensetzung des Kapitalanlageportfolios, Art der Überschussweitergabe), Unternehmenssituation (Aktuelle Reservesituation), Zeithorizont und Kapitalmarktparameter betrachtet und deren Auswirkungen auf die Risikosituation des Unternehmens sowie auf den Wert von Versicherungsverträgen analysiert. Ferner wird in der Arbeit eine ausführliche Analyse der Wechselwirkungen der verschiedenen Einflussgrößen durchgeführt.
Interessant sind insbesondere auch die Analysen unterschiedlicher Überschuss-Systeme. Diese zeigen, dass die Art der Überschussweitergabe langfristig einen erheblichen Einfluss auf das Risiko hat und dass durch eine stärkere Gewichtung von Schlussüberschüssen das Risiko des Unternehmens signifikant reduziert werden kann, ohne dabei den Vertragswert aus Kundensicht zu beeinflussen.
Analyse unterschiedlicher Überschussysteme
Dies wird in der folgenden Grafik durch den Vergleich dreier Musterunternehmen verdeutlicht, die je ein Mal mit einer hohen anfänglichen Reservequote (Sicherheitspuffer) und ein Mal mit einer geringen anfänglichen Reservequote ausgestattet sind. In der Grafik dargestellt ist die Wahrscheinlichkeit dieser Unternehmen, in den nächsten 10 Jahren einen so genannten Shortfall (Zahlungsunfähigkeit) zu erleiden, unter der Voraussetzung, dass das Unternehmen bereits für eine gewisse Zeit einer bestimmten Überschusspolitik gefolgt ist. Während die ersten beiden Unternehmen Überschüsse laufend entweder den Deckungsrückstellungen (auf die eine garantierte Mindestverzinsung zu erbringen ist) oder einem Überschusskonto (auf das lediglich Werterhalt garantiert ist) gutschreiben, gewährt das dritte Musterunternehmen ausschließlich so genannte Schlussüberschüsse. Unabhängig von der Ausgangssituation (also dem anfänglichen Sicherheitspuffer) stellt sich dabei bei allen drei Unternehmen eine Art Gleichgewicht ein, das im Wesentlichen durch die Überschusspolitik des Unternehmens bestimmt wird.
Ansprechpartner
- V.i.S.d.P.:
Christina Schwenck-Bothner
Protokoll und Veranstaltungen - Universität Ulm
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