"Prüfungs- und Nichtprüfungshonorare in Deutschland Empirische Analysen kapitalmarktorientierter Unternehmen"
Die Institution Wirtschaftsprüfung und damit der gesetzliche Abschlussprüfer hat die zentrale Aufgabe, die vorhandenen Informationsasymmetrien zwischen der Unternehmensleitung und den Bilanzadressaten durch seine Prüfung und das damit einhergehende Testat in der Art zu reduzieren, dass angesichts seines Testats eine hinreichende Qualität der Informationen zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens sichergestellt wird. Maßgebliche Voraussetzung um dieser Vorbehaltsaufgabe adäquat nachzukommen, ist die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers. Bereits seit den diversen Bilanzskandalen zu Beginn des 21. Jahrhunderts (z. B. Enron, Parmalat, Worldcom) wird die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers intensiv diskutiert; auch jüngste Entwicklungen auf europäischer Ebene machen die Bedeutung der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers deutlich. Am 13. Oktober 2010 gab die Europäische Kommission ein Grünbuch mit dem Titel »Weiteres Vorgehen im Bereich der Abschlussprüfung: Lehren aus der Krise« heraus, welches der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers eine wesentliche Rolle beimisst und in diesem Kontext zahlreiche Fragestellungen zu Prüfungs- und Nichtprüfungshonoraren diskutiert.
In Deutschland stehen Prüfungs- und Nichtprüfungshonorare erst infolge des Bilanzrechtsreformgesetzes seit dem Geschäftsjahr 2005 öffentlich zur Verfügung. Dementsprechend ist der vorliegende empirische Befund außerordentlich beschränkt. In diese Forschungslücke reiht sich die kumulative Dissertation von Frau Ratzinger. Frau Ratzinger analysiert in drei Fachbeiträgen erstmalig mittels multivariater Analyseverfahren im Untersuchungszeitraum von 2005 bis 2007 mögliche Zusammenhänge zwischen der Marktstruktur des deutschen Prüfungsmarktes und dem Preisverhalten der Anbieter von Prüfungsleistungen, zwischen Prüfungs- und Nichtprüfungshonoraren, zwischen der Größe der Mandantenunternehmen und dem Wettbewerbsverhalten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie ob der unpräzise Wortlaut des deutschen Gesetzgebers in einer systematischen Verzerrung deutscher Prüfungs- und Nichtprüfungshonorare resultiert (vgl. Abb. 1).
Ferner wird erstmals eine mögliche Beeinflussung des Berichtsverhaltens des Abschlussprüfers durch die Höhe der Prüfungs- und Nichtprüfungshonorare in der Untersuchungsperiode 2005 bis 2008 untersucht (vgl. Abb. 1).
Wenngleich die Konzentrationsanalyse aufzeigt, dass der deutsche Prüfungsmarkt für kapitalmarktorientierte Unternehmen sehr hoch konzentriert ist (vgl. Abb. 2), lässt sich auf dem deutschen Prüfungsmarkt ein Wettbewerbsverhalten der Anbieter von Prüfungsleistungen konstatieren; Prüferwechsel gehen im Jahr 2005 mit einem 24 %-igen Preisabschlag einher, in den beiden Folgejahren lässt sich ein durchschnittlicher Preisabschlag von 15 % feststellen. Ferner machen die zweistufigen Regressionsresultate deutlich, dass Prüfungshonorare unabhängig von Nichtprüfungshonoraren festgelegt werden, wenn man für die simultane Bestimmung der beiden Honorargrößen kontrolliert und infolgedessen nicht von einer Beeinträchtigung der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers —initiiert durch die bedingte Festlegung der beiden Honorargrößen— auszugehen ist. Des Weiteren kann ein Beleg erbracht werden, dass die Mandantengröße einen Einfluss auf die Wettbewerbsstrategien der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften hat. Die systematische Verzerrung deutscher Prüfungs- und Nichtprüfungshonorare lässt sich empirisch nicht nachweisen und folglich ist eine internationale Vergleichbarkeit deutscher Prüfungs- und Nichtprüfungshonorare gegeben. Schließlich zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass die Höhe der Nichtprüfungshonorare keinen Einfluss auf das Berichtsverhalten und damit die Unabhängigkeit deutscher Abschlussprüfer hat. Diese Ergebnisse wurden unter anderem in den renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschriften, Zeitschrift für Betriebswirtschaft und Schmalenbach Business Review, veröffentlicht bzw. zur Veröffentlichung angenommen.
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