"Neue natürliche Inhibitoren von HIV/Aids"
Professor Jan Münch und Professor Frank Kirchhoff wurden mit dem Merckle Forschungspreis 2007 ausgezeichnet. Den Forschern vom Institut für Virologie des Universitätsklinikums Ulm gelang es im Rahmen einer langjährigen Zusammenarbeit mit IPF Pharmaceuticals (Hannover), einer Biotech Firma, die auf die Herstellung von Peptidbibliotheken aus humanen Körperflüssigkeiten und Geweben spezialisiert ist, körpereigene Verbindungen zu isolieren, die virale Infektionen blockieren oder verstärken. Diese Ergebnisse könnten zur Entwicklung von neuen antiviralen Medikamenten führen.

- Juniorprofessor Dr. rer. nat. Jan Münch und Prof. Dr. rer. nat. et med. Frank Kirchhoff
Beispielsweise gelang es den Ulmer Forschern einen Wirkstoff, im menschlichen Blut zu entdecken, der die Infektion von HIV-1, dem Haupterreger von AIDS, blockiert. Wie in der renommierten Fachzeitschrift Cell berichtet, handelt es sich bei diesem Hemmstoff um ein natürlich vorkommendes 20 Aminosäurereste umfassendes Fragment eines in großen Mengen im Blut zirkulierenden Eiweißes (alpha-1-Antitrypsin). Weiterhin fanden sie, dass spezifische Veränderungen dieses Peptides, als VIRIP (VIRus-Inhibitorisches-Peptid) bezeichnet, die Wirksamkeit gegen HIV-1 um etwa das 100-fache steigern und dass die Virusinfektion über einen neuartigen Wirkmechanismus blockiert wird. Aus diesem Grund sind VIRIP und seine Derivate auch gegen HIV-1 Varianten aktiv, die gegen andere Hemmstoffe resistent sind. „Dies macht VIRIP sehr interessant für die klinische Weiterentwicklung“, sagt Professor Münch. Mit einer klinischen Studie an HIV/AIDS Patienten soll bereits in einigen Monaten begonnen werden.
Neben VIRIP haben die Forscher noch einige weitere Hemmstoffe isoliert, welche die Infektion von HIV-1 oder anderen Viren blockieren. Die bessere Charakterisierung und mögliche klinische Weiterentwickung dieser Verbindungen ist Teil der aktuellen Forschungsarbeiten der Ulmer Forscher. Überraschenderweise fanden Prof. Münch und Prof. Kirchhoff nicht nur Hemmstoffe. In einer Peptidbibliothek aus menschlichem Sperma fanden sie eine Verbindung, welche die HIV-1 Infektion drastisch verstärkt. Diese Peptid, SEVI (Semen Enhancer of Virus Infection) genannt, bildet amyloid-fibrilläre Strukturen aus, die die Anheftung von HIV-Partikeln an die Wirtszellen steigern. Weitere Analysen zeigten, dass SEVI auch die Infektiosität von anderen Viren erhöht. Diese Entdeckung könnte neue Ansätze zur Verhinderung der sexuellen Übertragung von Viren liefern.

Da sich die Strategie der Ulmer Forscher, humane Peptidbibliotheken als Quelle zur Isolierung neuartiger Virus Hemmstoffe zu verwenden, als sehr erfolgreich erwiesen hat, soll sie jetzt auf andere Virusgruppen ausgeweitet werden. Beispielsweise sollen neue Inhibitoren gegen das Hepatitis C Virus gefunden werden, das weltweit etwa 200 Millionen Menschen infiziert hat und häufig zu chronischen Lebererkrankungen oder Krebs führt.
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