Von der ungeheuren Lust auf bewegtes Wasser
Der Universitätssegelclub feierte sein 40. Jubiläum

Universität Ulm

Hoch über dem Lichtermeer der Stadt Ulm traf sich Mitte November eine ganz besondere Festgesellschaft. Der Saal in der Hochschule für Gestaltung (HfG) ist dekoriert mit nautischem Gerät und Ölzeug, ausgediente Seekarten schmücken die Tische für die 120 Gäste. So sieht es aus, wenn der Universitätssegelclub Ulm e.V. (USCU) seinen 40. Geburtstag feiert. Als Club "ohne Haus und Wasser" wurde der USCU am 4. Juli 1977 geboren.

Entstanden aus einer Segelgruppe des Studentensports hat er sich über die Jahre zu einer universitären Instanz entwickelt. Ob Studierende oder Professoren, Verwaltungsangestellte, Wissenschaftler oder Bürger aus der Stadt - alle verbindet sie eine besondere Leidenschaft: das Segeln. Der Uni-Segelverein versteht sich dabei im mehrfachen Sinn als Bildungseinrichtung: "In vierzig Jahren haben wir mehr als 4000 Sportboot-Segelscheine vergeben", so der erste Vorsitzende Dr. Jürgen Hoppe in seiner Festrede. Dazu gehören Binnen-, Küsten- und Seeschifferscheine. Für die Persönlichkeitsbildung sei das Segeln ebenfalls hilfreich, fördere es doch Verantwortungssinn, Teamgeist und strategisches Denken. Und sogar die universitäre Lehre in der Botanik, der Zoologie und der Mikrobiologie profitiert vom ehrenamtlichen Engagement des USCU. "So gibt es seit 2001 regelmäßige Exkursionen für Biologen, die zum Modul 'Ökologie des Mittelmeerraumes' gehören und die ohne die seemännische Unterstützung durch Skipper des Vereins nie möglich gewesen wären", erklärt Hoppe.

Die Zahl der Vereinsmitglieder ist von 49 auf über 350 gestiegen

Für seinen frei gehaltenen, sehr kurzweiligen Vortrag hat sich der lehrerfahrene Biologe vom Institut für Systematische Botanik und Ökologie nur eine Reihe Stichpunkte notiert. So wuchs die Zahl der Mitglieder vom ersten Gründungsjahr bis heute von 49 auf über 350. Über den Hochschulsport kommen vor allem viele Studierende zum Verein, und auch das Studium Generale hat Ausbildungsangebote des USCU im Programm. Die Universität unterstützt den Segelclub, der seit letztem Jahr den Status einer Hochschulgruppe hat, mit Räumlichkeiten für die Theorieausbildung. Die Praxisausbildung findet dagegen auf dem Ammer- und Bodensee, im Mittelmeer und an der Ostsee statt. Dafür kooperiert der USCU mit Segelschulen vor Ort. Am Bodensee hat der Verein seit einigen Jahren nun sogar ein vereinseigenes Boot mit Wasserliegeplatz: die Alpha32. Hergestellt wurde die 32 Fuß lange Segelyacht in Laupheim von der Firma Esslinger & Abt.

 Universitätspräsident Professor Michael Weber lobte in seinem Grußwort die außergewöhnliche Nachwuchsarbeit und dankte dem Verein für dessen erfolgreiche Außenwerbung. "Der Universitätssegelclub Ulm ist sicherlich die beste und größte außeruniversitäre Einrichtung, die die Uni hat", sagte Weber augenzwinkernd in Anspielung auf das Bemühen der Uni um weitere außeruniversitäre Forschungsinstitute. "Segeln ist ein sehr wissenschaftlicher Sport. Hier kommen Leben, Lernen und Forschen zusammen", betonte der Präsident. Außerdem fördere das Segeln - wie von Hoppe bereits erwähnt - die Entwicklung persönlicher Fähigkeiten, darunter gerade auch solche, die in der Wissenschaft wichtig seien wie Mut, Ausdauer und Problemlösungskompetenz.

Die Commodores präsentieren Anekdotisches und Tiefgründiges

 Bei der Feier präsentierte sich auch der Shanty-Chor des USCU mit traditionellen Seemannsliedern, ganz klassisch begleitet mit Gitarre und Akkordeon. Und wie es sich laut Satzung für die "Commodores" gehört, kamen die langjährigen ehemaligen Vereinsvorsitzenden Dr. Klaus Murmann und Professor Harald Traue ihren Repräsentationspflichten nach. Murmann, der gebürtige Füssener, der als Mitarbeiter in der Servicegruppe Informatik arbeitet, ist seit 1977 im Verein und übernahm gleich im ersten Jahr Verantwortung als Vereinsvorsitzender. Anekdotenreich rollte er in seiner Rede Seemannsgarn aus der Vereinsgeschichte auf und wusste vor allem von den Ausbildungstörns viel Amüsantes zu berichten.

"Ein Unisegelclub ist kein Profitcenter"

Harald Traue, der bis zu diesem Jahr als Professor die Sektion für Medizinische Psychologie leitete, kam 1989 zum USCU und war dreiundzwanzig Jahre lang Vorsitzender des Vereins. Der Wissenschaftler widmete sich in seiner Rede der anthropologischen und psychologischen Bedeutung des Segelns. Warum begibt man sich als Mensch ohne Not und Notwendigkeit auf das Wasser? Überflüssig, anstrengend und meistens dazu nass und kalt sei diese Tätigkeit. Traue sprach von den "healthy pleasures", also vom gesunden Vergnügen, und erklärte die Faszination Segeln mit etwas Urmenschlichem, nämlich der ungeheuren Lust, auf das bewegte Wasser zu schauen. Und noch ein fundamentales Bedürfnis stille der Segelverein: das Bedürfnis nach Zusammenhalt in einer selbstlosen Gemeinschaft. "Unser Universitätssegelclub ist kein Profitcenter, sondern eine Solidargemeinschaft, die auch den Charakter ihrer Mitglieder prägt", so der Commodore. Das kann auch an einer Universität nicht schaden.

 Text: Andrea Weber-Tuckerman

Fotos: Katherina Tussait (USCU)

 

 

Nautisches Ambiente im Festsaal der HfG (Foto: Katherina Tussait)
Der Vorsitzende Dr. Jürgen Hoppe begrüßt die 120 Gäste (Foto: Katherina Tussait)
Der Shanty-Chor bringt ein Geburtstagsständchen mit Seemannsliedern (Foto: Katherina Tussait)
Universitätspräsident Professor Michael Weber gratuliert dem Verein in seinem Grußwort (Foto: Katherina Tussait)
Commodore Dr. Klaus Murmann amüsiert die Gäste mit zahlreichen Anekdoten (Foto: Katherina Tussait)
Commodore Professor Harald Traue (links) bekommt vom 2. Vorsitzenden Dr. Jens Kolb (rechts) eine laminierte Seekarte zur Erinnerung an zwei besondere Törns