Dr. Barbara Mez-Starck

1924 - 2001



Dr. Barbara Mez-Starck
Dr. Barbara Mez-Starck mit Dr. Jürgen Vogt anläßlich ihres 75. Geburtstages
(Foto : N. Vogt)

In ihrem Leben hatte sie es oft sehr schwer. Nach der Schulzeit in Berlin begann Frau Starck 1942 das Chemiestudium in Freiburg, das sie aus rassischen Gründen nach einem Semester abbrechen mußte. Die meisten ihrer Verwandten mütterlicherseits kamen in Ausschwitz um. Frau Starck jedoch hat den Krieg überlebt, während sie als Laborhilfe in einer chemischen Fabrik in Goslar gearbeitet hat.

1946 nahm sie das Chemiestudium in Göttingen wieder auf. In jener Zeit hatten Studentinnen mit erschwerten Studier- und Prüfungsbedingungen zu kämpfen, sodaß es gerade unter den Frauen besonders viele Studienabbrecher gab. Nach dem Vorexamen 1948 wechselte sie nach Freiburg, wo sie 1952 bei Prof. R. Mecke im Institut der Physikalischen Chemie ihre Diplomarbeit anfertigte. In demselben Institut promovierte sie 1959 mit dem Thema "Über die Wirkung von Substituenten auf die Intensität infraroter Absorptionsbanden von Schwingungen des Phenylkernes disubstituierter Benzolderivate".

Nach ihrer Promotion blieb Frau Dr. B. Starck in demselben Institut und arbeitete bei Prof. W. Maier. Dort machte sie erste Erfahrungen auf dem Gebiet der Dokumentation. Denn Prof. W. Maier beauftragte seine Assistentin immer wieder damit, ihm für seine Vorlesungen die neueste Literatur zu Mikrowellenspektren bestimmter Verbindungen zusammenzutragen, bis sie beschloß, die Daten für alle Substanzklassen systematisch zu sammeln. Viele Besucher der Universität lernten ihre Datensammlung kennen und waren so begeistert, daß sie fortan Kopien und weitere Aktualisierungen bezogen. Dies war der Beginn der Spektren- und Strukturdokumentation.

Nach Prof. Maiers Tod 1964 arbeitete sie in der von Prof. H. D. Rudolph und Prof. H. Dreizler weitergeführten mikrowellenspektroskopischer Arbeitsgruppe im Physikalischen Institut der Universität Freiburg. Zu dieser Zeit wurde die Landolt-Börnstein-Redaktion auf Frau Starck aufmerksam und lud sie ein, eine kritisch evaluierte Datensammlung zur Mikrowellenspektroskopie zu publizieren. Mit weiteren Koautoren folgten ein Ergänzungsband zur Mikrowellenespektroskopie und ein Band zur Struktur freier Moleküle.

1969 wurde Frau Starck an die gerade gegründete Universität in Ulm berufen und mit der Leitung der Sektion für Spektren- und Strukturdokumentation betraut. In diese Zeit fällt auch ihre Mitarbeit bei der CODATA (Committee on Data for Science and Technology), einer Organisation unter der Schirmherschaft der UNESCO. Seit Anfang der siebziger Jahre arbeitete Frau Starck mit Mitteln der Bundesregierung auf dem Gebiet der elektronischen Fachinformation zuerst mit der Atomenergie-Dokumentation im Kernforschungszentrum Karlsruhe und später mit dem Fachinformationszentrum Physik, ebenfalls in Karlsruhe, zusammen.

Während des Aufbaus der elektronischen Dokumentation MOGADOC (Molecular Gasphase Documentation) erlitt Frau Mez-Starck 1983 einen Schlaganfall, der sie seither halbseitig lähmte. 1987 schied sie deshalb aus dem aktiven Dienst aus, blieb aber auf freiwilliger Basis für die Sektion tätig. Bis kurz vor ihrem Tod am 25. Mai 2001 hat sie regelmäßig die Fachliteratur gesichtet und anschließend für den Mikrowellenkatalog vorbereitet. Die letzten Referatezeitschriften hat sie bis kurz vor ihrem Tod ausgewertet; andere Arbeitsmaterialien lagen auch neben ihrem Sterbebett.

Mit großer Anteilnahme begleitete sie die Weiterentwicklung der MOGADOC-Datenbank, die anläßlich ihres 75. Geburtstages in "Dr. Barbara Mez-Starck Database - MOGADOC" umbenannt wurde, zu einer HTML-basierten Wissensbasis. Dank ihrer Stiftung für multimediale Fachinformation in Chemie und Physik wird diese Arbeit in der Sektion auch weitergeführt. Mit ihrer Unterstützung konnte sich die Sektion in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Strukturchemie an einigen internationalen wissenschaftlichen Projekten beteiligen.

Die Kondolenzliste mit über 50 Namen von sehr bekannten Wissenschaftlern zeigt, wie hoch ihr Lebenswerk international geschätzt wird. Gemeinsam mit ihnen trauern wir um unsere Kollegin.


HTML-formatted by Martin Röttgen