Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, vor allem das Internet, wirken sich direkt
und indirekt auf den Lebensalltag jedes Einzelnen wie auf die Gesamtgesellschaft aus. Alle sind davon
betroffen; diejenigen, die diesen Entwicklungen folgen und sich Kompetenzen zur Handhabung der neuen
Techniken aneignen ebenso wie diejenigen, die sich gegenüber diesen Entwicklungen distanziert zeigen. Dies
gilt auch für die stark wachsende Gruppe der älteren Menschen, in Ballungsgebieten wie im ländlichen Raum.
Zunehmend werden bereits heute Alltagsvorgänge in Beruf und Privatleben per elektronischer Post (E-Mail)
und elektronischer Kontoführung (E-Banking) erledigt. Zukunftsprognosen gehen davon aus, dass viele
Unternehmen in Zukunft aufgrund intensiven Kostendrucks bestimmte Funktionen ausschließlich online
anbieten werden (E-Commerce). Auch immer mehr öffentliche Einrichtungen stellen ihr Dienstleistungsangebot
aus Kosten- und Flexibilitätsgründen auf Onlineangebote um.
So kann das Internet gerade außerhalb der Ballungsgebiete entscheidend zur Stärkung der Infrastruktur
beitragen
und den soziokulturellen und wirtschaftlichen Abstand zu den Verdichtungsräumen verringern. Für die Menschen
im ländlichen Raum bedeutet es damit eine wichtige Hilfe. Dies gilt insbesondere auch für ältere
Menschen, die sich aktiv auf ihr Altern vorbereiten und Einschränkungen in der selbständigen
Lebensführung aufgrund von altersbedingten Mobilitätseinbußen zumindest teilweise mit Hilfe des Internet
begegnen wollen. Dafür finden sich im Internet vielfältige Möglichkeiten: Informationsquellen,
Bildungsangebote, zusätzliche Kommunikationsmöglichkeiten, Einkaufsmöglichkeiten, andere Dienstleistungen
etc. In diesem
Sinne bietet es ein enormes Potenzial, die Teilhabe an gesellschaftlichen Entwicklungen nachhaltig zu sichern.
Die Erfahrungen - unter anderem aus der Informationskampagne "Senior-Info-Mobil" und dem Modellprojekt "Gemeinsam lernen übers Netz" - zeigen, dass ältere Menschen Kenntnisse über die neuen Technologien vor dem Hintergrund ihrer eigenen Lebenserfahrungen in einer Weise weitergeben können, die von Gleichaltrigen besonders gut angenommen wird. Im Rahmen des Projekts werden deshalb interessierte interneterfahrene SeniorInnen insbesondere im ländlichen Raum auf ihrbürgerschaftliches Engagement im IT-Bereich vorbereitet. In Frage kommen Menschen ab 50 mit Grundkenntnissen und Erfahrungen in der Nutzung des Internets, für die nicht die Technik im Vordergrund steht, sondern der Austausch mit anderen Menschen und die Freude an der Weitergabe ihres Wissens. Gerade auch Frauen mit Anwendungswissen über das Internet werden zum Mitmachen ermutigt. Eine möglichst breite Versorgung mit entsprechenden Schulungsangeboten für den ländlichen Raum wird angestrebt.
In den letzten Jahren haben sich auf Initiative des ZAWiW in Baden-Württemberg Internetgruppen von
SeniorInnen zu einem Netzwerk "Senior-Internet-Initiativen in Baden Württemberg" (SII) zusammengeschlossen.
Bislang lag der Schwerpunkt auf den Verdichtungsräumen, z.B. mit Initiativen aus Mannheim,
Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg, Tübingen und Ulm. Hier knüpft das Modellprojekt an und schult
Senioren-Internet-HelferInnen mit dem Ziel, ein flächendeckendes Beratungsangebot in
Baden-Württemberg aufzubauen. Seit Start des Projekts im November 2004 sind 10 neue Initiativen
entstanden z.B. die Rutesheimer Onliner oder das Senioren-Lern-Internetcafé in Hornberg.
Senior-Internet-Initiativen vor Ort, regionale Institutionen der Altenarbeit (Seniorenräte,
Seniorenbüros, etc.) sowie andere örtliche Träger und Vereine im ländlichen Raum (LandFrauenverband,
Kirche, etc.) dienen den "Senioren-Internet-Helfer/innen" als Anlaufstellen für ihr Engagement. Deswegen
kooperiert das ZAWiW bei der Durchführung der Schulungen eng mit diesen Institutionen.
In den Regionen Donau-Iller, dem nördlichen Oberschwaben, dem südlichen Schwarzwald und Heilbronn-Franken
besteht noch ein besonderer Bedarf an Senior-Internet-Initiativen. Zwar gibt es dort bereits einige aktive
Senior-Internet-HelferInnen, jedoch noch keine Initiativen, in denen sie sich engagieren können.
Die Angebote dieser Einrichtungen sind auf die Erfordernisse und Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt und
variieren in Abhängigkeit von den Interessen und Möglichkeiten vor Ort. So gibt es:
Die Lerninhalte bestehen aus technischen, pädagogisch-didaktischen und inhaltlich-thematischen Qualifizierungsbausteinen. Für diese Schulungsmaßnahmen wurden vom ZAWiW Lernmaterialien erstellt. Begleitend zu den Schulungen können die HelferInnen in virtuellen Lerngruppen die von TutorInnen betreut werden ihr Wissen vertiefen und die Schulungen vor- und nachbereiten. Über eine Internetplattform werden die Lernmaterialien für die Teilnehmenden zu Verfügung gestellt. Die Internetplattform dient außerdem der Projektpräsentation. In vielen Bereichen werden die Senioren auch in die Projektentwicklung und Projektevaluation eingebunden. Für alle Senior-Internet-HelferInnen gibt es die Möglichkeit sich von der Webseite für ihre Arbeit hilfreiche Materialien herunter zu laden, darunter auch ein Online-Handbuch, das Antworten auf die gängigsten Probleme bei der Arbeit als BeraterIn gibt. Dieses FAQ-Handbuch wurde gemeinsam mit TeilnehmerInnen eines mehrtägigen Workshops angefertigt und im Laufe der Zeit mit Unterstützung von Senioren erweitert und aktualisiert. Auf der Webseite wird auch ein Forum für den gemeinsamen Austausch, z.B. über Fragen der täglichen Arbeit aber auch einfach nur zum Plaudern, angeboten.
24. Juli 2006:
Das ZAWiW veranstaltet mit Unterstützung von Senioren-Internet-Initiativen in Baden-Württemberg auf der
Landesgartenschau in Heidenheim einen "Senioren und Internet"-Tag. Zu Gast wird auch der Minister für
Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk, sein.
Für Interessierte Einrichtungen, Seniorenräte sowie Institutionen der Erwachsenenbildung mit
Multiplikatorenfunktion (nicht nur) im ländlichen Raum bietet das ZAWiW kostenfreie
Qualifizierungsveranstaltungen an.
Erwachsene - z.B. reale Kompaktveranstaltungen, Arbeitsgruppen "Forschendes Lernen", virtuelle Lernprojekte
und Generationen übergreifende Aktivitäten.
Unterstützt wird das Projekt durch den Landesseniorenrat Baden-Württemberg, das ViLE-Netzwerk e.V. (Verein
"Viruelles und reales Lern- und Kompetenz-Netzwerk älterer Erwachsener"), die
Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) und die Medien und Filmgesellschaft
Baden-Württemberg (MFG). Das Ministerium für Ernährung und ländlichen Raum in Baden-Württemberg fördert
das Modellprojekt im Rahmen des Impulsprogramms doIT-regional. Dadurch ist es dem ZAWiW möglich die Schulungen
kostenfrei anzubieten. Bei mehrtätigen Workshops haben die TeilnehmehrInnen einen Anteil an den Kosten für
Unterkunft und Verpflegung selbst zu tragen.
Im Rahmen des Projektes werden sowohl Senior-Internet-HelferInnen als auch bestehende Einrichtungen, die sich beteiligen möchten, sowie weitere Kooperationspartner zur finanziellen Unterstützung gesucht.