Hinweise zu Seminaren und Diplomarbeiten
Abteilung Verteilte Systeme
Universität Ulm
Einleitung
Der vorliegende Text will einige Erläuterungen zu Seminaren im
Hauptstudium geben, die den Seminarteilnehmern die Planung und
Durchführung von Ausarbeitung und Vortrag erleichtern sollen.
Entsprechendes gilt für die Durchführung einer Diplomarbeit.
Viele der angesprochenen Punkte sind bei näherem Hinsehen trivial und
unmittelbar einleuchtend, wenn man sie sich einmal vor Augen geführt
hat. Sie stammen aus eigener Erfahrung oder den angegebenen Quellen und
sind nicht als "In Stein gemeiselte Wahrheit" zu verstehen, sondern eher
als Ratschlag. Der Text stützt sich in weiten Teilen auf den
Leitfaden für die Erstellung von Seminararbeiten und
Diplomarbeiten [Kroe98] von Prof. Kröger von der FH-Wiesbaden.
Das Seminar bzw. die Diplomarbeit dient zwei unterschiedlichen Zielen:
- Der Beschäftigung mit einem wissenschaftlichen Thema.
- Dem Erlernen bzw. der Anwendung der notwendigen Fertigkeiten
wissenschaftlichen Arbeitens.
Beide Ziele stehen gleichberechtigt nebeneinander und keines sollte
vernachlässigt werden. Oft ist es aber so, daß das
wissenschaftliche Thema zu deutlich im Vordergrund steht und der zweite
Punkt vorausgesetzt oder nur am Rande erwähnt wird. Viele Studenten
sehen sich einer Vielzahl von Problemen gegenüber, sei es bei der
Literaturrecherche, der Erstellung der Ausarbeitung, beim Zitieren oder
beim Vortrag. Mit diesem Text will ich versuchen, dem zumindest etwas
abzuhelfen.
Wissenschaftliches Arbeiten
"Wissenschaftliches Arbeiten ist eine der Grunddisziplinen, die sich
Studierende während ihres Studiums aneignen müssen. Die
Einhaltung von Formalismen bei der Durchführung von Arbeiten ist
wichtig, da dabei eine Vereinheitlichung der Arbeitsweise und deren
Einübung stattfindet. Eine solche Vereinheitlichung ist auch die
Grundlage für Team-basiertes Arbeiten und Lernen."
aus: [Kroe98]
Anforderungen an wissenschaftliches Arbeiten
Folgende Anforderungen sind an eine wissenschaftliche Arbeit zu stellen
(siehe [Lor97a]):
- Nachweis der im Studium erworbenen Fachkenntnisse,
- Fähigkeit zum systematischen Bearbeiten eines begrenzten Themas,
- Nachweis der Selbständigkeit bei der Lösung einer
vorgegebenen Aufgabe,
- Fähigkeit zur Problematisierung und Kritik
- Qualität der Ergebnisse - Neuartigkeit, Güte,
Zuverlässigkeit,
- Fähigkeit zur logischen und prägnanten Argumentation,
- Formal korrekte Präsentation der Ergebnisse.
Diese Punkte sollte man bei der Vorbereitung seines Seminars stets vor
Augen haben.
Die Phasen der Bearbeitung
Langjährige Erfahrungen vieler Wissenschaftler haben ein Grundschema
bei der Bearbeitung eines Themas enstehen lassen, dessen Vorzüge sich
in der Praxis tausendfach gezeigt haben und an dem man sich auch bei der
Ausarbeitung eines Seminars orientieren sollte. Dieses Schema beinhaltet
grob die folgenden Schritte:
- Literaturrecherche
- Eigener Ansatz und Bewertung
- Schriftliche Ausarbeitung
- Präsentation
Die einzelnen Punkte werden in den nun folgenden Kapiteln ausführlich
erläutert.
Die Literaturrecherche
Vor jeder wissenschaftlichen Arbeit steht zunächst eine Orientierung im
Umfeld. Obwohl der Betreuer eines Seminars sicher einige wichtige
Einstiegsliteratur genannt hat, genügt es in der Regel nicht, sich
nur auf diese Quellen zu beschränken. Vielmehr enthält diese
Einstiegsliteratur eine Vielzahl von Querverweisen, die oft einen Blick
wert sind. Auch ein Gang in die Bibliothek oder eine Recherche im Internet
erweitern den Blick auf das Thema.
Das Internet beherbergt eine Vielzahl von Suchmaschinen oder
Linksammlungen. Dabei sind themenbezogene Suchmaschinen/Sammlungen
vorzuziehen, da hierbei bereits viele "falsche Treffer" aussortiert sind.
Selbst heute kann man jedoch noch nicht davon ausgehen, daß sich
alles Material zu einem Thema im Internet befindet. Deshalb sollte man die
Recherche unbedingt auch in Bibliotheken fortsetzen.
Das effektive Lesen wissenschaftlicher Literatur ist eine Kunst
für sich und z.B. in [vW94] dargestellt. Auch
sollte man die korrekte Benutzung von Bibliotheken z.B. in entsprechenden
Kursen erlernen.
Bereits in dieser Phase empfiehlt es sich, eine Bibliographie zu
erstellen, in der die verwendeten Quellen sowie kurze Skizzen der
(für das eigene Thema wichtigen) Inhalte aufgeführt sind. Dies
erspart bei der späteren Erstellung der Ausarbeitung viel
unnötige Sucharbeit.
Nach langer (und hoffentlich erfolgreicher) Literaturarbeit,
verfügt man nun über einen umfassenden Überblick über
das zu bearbeitende Thema. Dies verhindert oftmals unnötige
Doppel-Arbeit ("Tue nie etwas, was ein anderer schon für dich
getan hat."). Jetzt ist man bereit für den nächsten
Schritt.
Der eigener Ansatz und dessen Bewertung
Während sich Seminararbeiten in der Regel auf die Bearbeitung
Darstellung von bestehendem Material beschränken, ist spätestens
bei der Diplomarbeit (und in noch stärkerem Maße bei der
Promotion) die Entwicklung eigener Ideen und Lösungen im
gewählten Themengebiet von Bedeutung.
Wie dieser eigene Ansatz konkret aussieht, hängt stark von der
Aufgabenstellung ab und kann z.B. aus einem Systementwurf samt Umsetzung
oder theoretischen Überlegungen bestehen. Der eigene
Lösungsansatz stützt sich dabei auf die, in der Literatur
vorgefundenen Ideen und Verfahren, er konkretisiert, kombiniert oder
erweitert diese. Gelegentlich ist auch die reine Übernahme bzw.
Übertragung in ein anderes Fachgebiet denkbar.
Allgemeine Ratschläge sind auf Grund der Heterogenität
dieser Phase nur schwer zu geben. Generell gilt jedoch, daß das
gewählte Vorgehen methodisch einwandfrei sein muß. Die
einzelnen Vorgehensschritte sollten logisch begründbar sein und in
der späteren Ausarbeitung auch so dargestellt werden.
Sowohl für Seminar- als auch Diplomarbeit wichtig ist die
kompetente Diskussion und Bewertung der in der Literatur vorgefunden
Lösungen sowie der qualifizierte Vergleich mit dem eigenen Ansatz
(soweit vorhanden). Eine solche Diskussion und Bewertung ist eine
Meinung des Wissenschaftlers und sollte daher von der sachlichen
Darstellung der Lösungen bzw. des eigenen Ansatzes klar getrennt
werden. Es zeichnet einen Wissenschaftler aus, wenn er auch den eigenen
Ansatz kritisch hinterfragt.
Die schriftliche Ausarbeitung
Die schriftliche Ausarbeitung dient der Fixierung der eigenen Arbeit
sowohl für sich selbst (als Vorbereitung des Vortrags) als auch
für Kollegen, die den Text vor, während oder nach einer
Konferenz studieren und aus eigenen Arbeiten darauf verweisen können.
In dieser Funktion dokumentiert die Ausarbeitung auch den eigenen Anspruch
auf die wissenschaftlichen Ergebnisse.
Gliederung der Arbeit
Jede wissenschaftliche Arbeit besteht in der Regel aus den gleichen
wesentlichen Blöcken.
- Titelblatt
- Inhaltsverzeichnis
- Zusammenfassung (Abstract)
- Hauptteil
- Literaturverzeichnis
Nach dem Inhaltsverzeichnis kann bei Bedarf ein Abbildungsverzeichnis
folgen, nach dem Literaturverzeichnis sind z.B. ein Glossar oder weitere
Anhänge möglich.
Hauptteil
Der Hauptteil einer wissenschaftlichen Arbeit sollte eine in sich
geschlossene Abhandlung darstellen. Ein Leser mit vergleichbarer
Ausbildung sollte in der Lage sein, die Arbeit im Zusammenhang zu
verstehen, ohne auf Sekundärliteratur zurückgreifen zu
müssen. Die Sekundärliteratur sollte nur zur Vertiefung von
einzelnen Aspekten notwendig sein. Zu diesem Zweck ist die folgende
Gliederung nützlich (siehe auch [Kroe94]):
- Einleitung
- Aktueller Stand der Forschung
- Eigene Ergebnisse
- Diskussion und Bewertung
- Zusammenfassung
Die einzelnen Teile sollen dabei aufeinander aufbauen, d.h. es sollten
keine Vorwärtsverweise existieren, wohingegen
Rückwärtsverweise die aktuelle Textstelle zu den vorher erarbeiteten
Ergebnissen in Verbindung setzen und somit den logisch folgerichtigen Aufbau
der Arbeit unterstreichen.
Einleitung
Die Einleitung dient der Hinführung zum Thema, sie bettet die Arbeit
in einen Gesamtkontext ein und motiviert den Leser zum weiteren Lesen.
Dazu spricht sie zunächst alle Themenbereiche an, die in die eigene
Arbeit hinein spielen und richtet anschließend den Fokus der weiteren
Betrachtung auf das eigentliche Thema. Die Einleitung schließt mit
einer Übersicht über die restliche Arbeit.
Aktueller Stand der Forschung
Dieser Teil spiegelt die durchgeführte Literaturarbeit wieder. Nach
dem Lesen dieses Kapitels sollte der Leser in der Lage sein, die
restlichen Teile der Arbeit zu verstehen.
Eigene Ergebnisse
Dieser Teil der Arbeit, der je nach Umfang bzw. Art der Arbeit aus
mehreren Kapiteln bestehen kann, stellt die Ergebnisse der Arbeit, die
Entscheidungen über die gewählte Vorgehensweise sowie die
einzelnen Arbeitsschritte detailiert dar. Im Rahmen eines Systementwurfs
und seiner Umsetzung werden dabei typischerweise Kapitel oder Abschnitte
zu Anforderungen, Entwurf, Implementierung und Bewertung vorhanden sein.
Dieser Teil baut auf die im zweiten Teil eingeführten Fachbegriffe
auf und ist auf einer niedrigen Abstraktionsebene geschrieben.
Diskussion und Bewertung
Abgesetzt von der reinen Darstellung in den letzten beiden Kapiteln folgt
eine Diskussion und Bewertung der eigenen Ergebnisse im Kontext des
aktuellen Forschungsstandes. Dies ist auch der Platz, um gemachte
Erfahrungen zu beschreiben. Eine kritische Beleuchtung, bei der auch
Schwächen des eigenen Ansatzes genannt und diskutiert werden, nimmt
eventuelle Fragen während des Vortrags bereits vorweg.
Zusammenfassung
Der Hauptteil wird mit einer Zusammenfassung der gesamten Arbeit
abgeschlossen. Dort werden noch einmal alle wesentlichen Ergebnisse der
Arbeit zusammengefaßt. Am Ende der Zusammenfassung kann ein Ausblick
folgen, der die zukünftige Entwicklung des eigenen Projekts oder des
gesamten Forschungsgebiets aus der Sicht des Autors darstellt. Die Arbeit
und deren Ergebnisse werden in diesem Teil wieder auf einem höheren
Abstraktionsniveau betrachtet.
Layout
Bei der Erstellung der Arbeit werden oftmals gewisse Vorgaben (z.B. vom
Verlag, dem Seminarleiter etc.) gemacht. Diese sind natürlich
einzuhalten. Das gilt insbesondere auch für die Längenangaben.
Wenn derartige Angaben fehlen, so sollte man folgende Vorgaben
berücksichtigen.
Für den Text sollte eine 11 oder 12 Punkt große Schrift
(z.B. Times oder Helvetica) gewählt werden. Der Zeilenabstand
beträgt 1,5, der Rand links 3cm, rechts 2cm.
Grafiken sollten immer dort eingesetzt werden, wo sie das
Verständnis des Leser fördern. Nicht umsonst heißt es:
"Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte". Andererseits sind
Grafiken kein Mittel, um den Text auf den geforderten Mindestumfang
aufzublasen.
Das eigentliche Schreiben und Setzen von Text ist mit heutigen
Textverarbeitungssystemen relativ einfach geworden. Doch gilt auch,
daß eine schöne Oberfläche nicht zwangsweise auch ein
schönes Druckbild ergibt. Als Textverarbeitungssystem ist gerade
im wissenschaftlichen Bereich das Textsatzsystem LaTeX weit verbreitet.
Wer jemals den Ausdruck eines Word Dokuments mit dem eines LaTeX Dokuments
verglichen hat, kennt sicherlich die Unterschiede. Nichtsdestotrotz kann
natürlich auch jedes andere Textverarbeitungssystem verwendet werden.
Bei der Rechtschreibung bieten heutige Systeme weitestgehende
Unterstützung an. Jedoch sind auch sie nicht unfehlbar und versagen
bei grammatikalischen Fehlern in der Regel vollständig. Deshalb
empfiehlt es sich, das eine oder mehrere Personen den Text nochmals
Korrektur lesen.
Das Literaturverzeichnis
Die Frage, wie ein Literaturverzeichnis zu erstellen ist und wie
korrekt zitiert wird, verdient eine eigene Abhandlung und ist hier in
dieser Kürze nicht zu bearbeiten. Immerhin gibt es bereits eine
eigene DIN-Norm (DIN 1505), die sich mit dieser Fragestellung
beschäftigt. Ich empfehle z.B. die Lektüre von
[Lor97b].
Der Vortrag
Neben der schriftlichen Fassung, die quasi die Arbeit auf Dauer
konserviert, ist der Vortrag von mindestens ebenso großer
Wichtigkeit. Hier stellt man die eigenen Überlegungen ganz
unmittelbar einem mehr oder weniger großen Fachpublikum vor. Die
Form und Ausführung der Präsentation bestimmen ganz unmittelbar
den Eindruck der Zuhörer und sind damit oft das wichtigste Kriterium
für Bewertung der eigenen Arbeit [Mat].
Allgemeines
Oberstes Ziel sollte es sein, den Nutzen für die
Zuhörer zu maximieren, was in der Regel die optimale
Wissensvermittlung bedeutet. Einen Vortrag zu halten, der dieses
Kriterium erfüllt, erfordert ausgiebige Vorbereitung und viel
Übung. Daher sollte man die Seminare im Hauptstudium nicht als
lästige Pflicht empfinden, sondern viel mehr als gute Gelegenheit,
die entsprechenden Fähigkeiten zu trainieren. Auch wenn man nach dem
Studium eine nicht wissenschaftliche Laufbahn anstrebt, wird man immer
wieder in die Situation kommen, ein Produkt, eine Idee oder auch sich
selbst vor einem Publikum überzeugend präsentieren zu
müssen.
Der Vortrag sollte sich natürlich aus der schriftlichen
Ausarbeitung ergeben, wobei üblicherweise einige Kürzungen
anzubringen sind. Die Gliederung kann meist direkt übernommen
werden. Am Anfang sind Titel und Name des Referenten zu nennen. Eine
Grobgliederung liefert den roten Faden. Wiederholungen sollten soweit
sinnvoll eingebaut werden. Denken Sie daran, der Zuhörer kann an
schwierigen Stellen nicht selbst zurückblättern.
Zusammenfassungen nach wichtigen Abschnitten einbauen.
Vorwärtsverweise sollte man vermeiden, Rückverweise können
als Wiederholung dienen.
Ein einfaches Mittel, um viele der im Folgenden genannten Punkte zu
verdeutlichen, besteht darin, sich selbst in die Rolle des Zuhörers
zu versetzen, der einen Vortrag anhört. Dabei kann man sich selbst
fragen:
- Welche Darstellungsweise finde ich anschaulich/kompliziert?
- Welcher Vortragsstil ist für mich
motivierend/einschläfernd?
- Was bringe ich an Vorwissen mit, wo habe ich Lücken?
Welche Ausführungen sind unnötig und damit langweilig? Was
müßte genauer erklärt werden?
Wichtige Punkte, die man bei der Planung und natürlich beim
Vortrag selbst beachten sollte, sind:
- Aufbau des Vortrags (Struktur, Gliederung)
- Gestaltung der Folien
- Voraussetzungen
- Motivation der Zuhörer (Interesse wecken)
- Vortragsstil
- Sprachlicher Ausdruck
- Lerneffekt maximieren (Wiederholungen einbauen)
- Zeit für Fragen und Feedback
Zusätzlich sind bei einem wissenschaftlichen Vortrag noch weitere
Punkte zu beachten:
- Beschränkte Zeit
- Angabe aller Referenzen notwendig
- Differenzieren zwischen eigenen/fremden Ergebnissen
- nüchterner, ehrlicher, sachlicher, bescheidener Stil
- Überzeugen statt Übereden
- Beschränkung auf das Wesentliche
Erstellung der Folien
Es gibt mittlerweile einige Tools zur Erstellung von Präsentationen,
egal ob es sich um LaTeX Erweiterungen oder Programme wie Powerpoint
handelt. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie können keine perfekten
Folien hervor zaubern. Vielmehr entsteht ein guter Foliensatz erst im Kopf
des Autors und danach im Programm. Folien oder eine entsprechende
Online-Präsentation sind ein elementarer Bestandteil jedes Vortrags.
Sie dienen dem Referenten als Hilfestellung, Publikum als Orientierung und
zur Veranschaulichung komplizierter Sachverhalte. Entsprechend sind einige
formale Punkte zu beachten:
- Folien übersichtlich halten
- max. ca. 7 (+/-2) Punkte pro Folie
- Stichpunkte, keine ganzen Sätze
- einen Gedankengang pro Folie
- große und gut lesbare Schrift wählen
(z.B. mind. 16 Punkt Times)
- statt viel Text: Grafiken und Schema-Zeichnungen
- Querformat besser als Hochformat
- Wirkung ausprobieren
- Online Präsentation vs. Folien
- Online: Dunkler Hintergrund, helle Schrift
- Folie: Dunkle Schrift, transparenter Hintergrund
- Online: Animationen, schrittweiser Aufbau
- Folie: Schrittweise Aufbau mit Overlay Folien
Der eigentliche Vortrag
Nervös?
Zunächst sollte man sich darüber klar werden, daß ein
Vortrag vor Publikum immer mit einer gewissen Nervosität einhergeht.
Diese ist bis zu einem gewissen Punkt normal und oft sogar auch hilfreich,
weil sie zu einer gewissen Anspannung und erhöhter Aufmerksamkeit
führt. Was darüber hinaus geht, stört den Vortragsablauf.
Eine solche übergroße Nervosität läßt sich
allerdings durch einige Maßnahmen abbauen.
- Den Vortrag einige Male in kleinerem Kreis zur Probe halten.
- Zunächst kleinere Vorträge (z.B.) Seminare halten, danach
erst auf Konferenzen.
- Ablauf gut durchplanen.
- Rechtzeitiger Aufbau
- Projektor einrichten
- Folien sortiert bereit legen
- Zeitplanung mit bestimmten Marken versehen (wann will ich wie
weit sein?)
- Vorher überlegen, was u.U. weggelassen werden kann
- Bereits auf mögliche Fragen vorbereiten
- Üben, üben, üben ...
Wirkung auf die Zuschauer
Kennen Sie das, wenn ein Redner gelangweilt über ein Thema
referiert, das ihn selbst überhaupt nicht zu interessieren scheint?
Zum Einschlafen! Ein Referent sollte also zunächst selbst Spaß
an seinem Vortrag haben und diesen auch nach außen vermitteln. Dazu
gehört eine offene zum Publikum gewandte Körperhaltung und ein
entsprechender Gesichtsausdruck. Weiterhin sollte man es vermeiden, zu
schnell durch den eigenen Foliensatz zu jagen. Das erweckt den Eindruck,
der Referent wolle das Ganze nur schnell hinter sich bringen.
Störungen wie Wackeln des Projektors, Suche nach Folien oder weites
Herumwandern im Raum lenken sowohl Publikum als auch Referenten vom
eigentlichem Thema ab. Außerdem sollte man beim Auflegen einer Folie
prüfen, ob der Projektor noch den richtigen Ausschnitt zeigt. Auf der
anderen Seite sind die gegenteiligen Extreme (starres Verharren am Ort,
mechanisch auswendig gelernter Vortrag und Gesten usw.) zwar nicht
ablenkend, dafür aber einschläfernd.
Der Sprachstil des Redners sollte flüssig, souverän und
locker sein, jedoch keinesfalls wie auswendig gelernt. Wichtig ist auch
auf die Dynamik und Betonung zu achten, da ein zu gleichmässiger
Sprachrythmus bei den Zuhörern Konzentrationsprobleme auslöst.
Auch die angepaßte Lautstärke trägt zur Konzentration des
Publikums bei. Wenn man dann noch durch gelegentliche Medienwechsel,
kleinere Witze oder die Einbeziehung des Publikums den Ablauf beleben,
kann man sich eines aufmerksamen Publikums fast gewiß sein.
Regelmäßiger Blickkontakt mit allen Teilen des Publikums ist ein
weiterer wichtiger Punkt.
Besondere Vorbereitung verlangen Vorträge in Fremdsprachen. Hier
sollte umso mehr Probevorträge vorsehen, insbesondere um
Vokabularlücken rechtzeitig aufzudecken. Ablesen vom Blatt oder
Auswendig lernen ist aber auch hier Tabu.
Oft ist der Anfang eines Vortrages der entscheidende Moment. Die
Zuhörer sind noch skeptisch, der Vortragende noch unsicher. Wenn man
diesen Punkt erfolgreich gemeistert hat, geht der Rest oft wie von selbst.
Daher sollte der Anfang noch sorgfältiger vorbereitet werden wie der
Rest des Vortrags. Eventuell kann man sich sogar die einleitenden Worte
vorher überlegen und auswendig lernen (dann aber nicht
herunterleiern!)
Motivation der Zuhörer
Ein Vortrag vor motivierten und interessierten Zuhörern ist
ungleich einfacher als vor einem Club schwerhöriger Senioren. Doch
wie erreicht man dies? Eine Reihe von Mechanismen helfen dabei:
- Zuhörer einbeziehen (z.B. selbst Fragen stellen, Brainstorming usw.)
- Widersprüche erzeugen und auflösen
- Einsicht, Zustimmung erzeugen
- Bezug zwischen Thema und Publikum herstellen ("Warum ist dieses Thema
gerade für Sie wichtig?")
- relevante und praxisnahe Beispiele bringen
- flexibel auf Unterbrechungen und Zwischenfragen reagieren
Fragen und Diskussion
Am Ende eines Vortrags sollte man genügend Zeit einplanen, um Fragen
der Zuhörer zu beantworten. 25 - 30 Prozent der Vortragszeit sind hier
nicht zu knapp bemessen. Fragen hört man sich immer interessiert und
aufmerksam bis zum Ende an, man fällt seinen Zuhörern nicht ins
Wort (was man ja umgekehrt auch nicht möchte). Die Antwort sollte
präzise und auf den Punkt erfolgen.
Im Rahmen von Seminaren, die ja auch dem Erlernen von
Vortragstechniken dienen, kann man auch direkt auf den Vortragsstil des
Referenten eingehen. Dabei empfiehlt es sich, diesen Teil klar von der
inhaltlichen Diskussion zu trennen und zum Beispiel danach
durchzuführen. Zunächst ist dem Referenten die Möglichkeit
zu geben, sich selbst zu analysieren und Dinge zu nennen, die ihm selbst
aufgefallen sind, danach kann das Publikum Anmerkungen nennen. Dabei
sollte man sich auf neutrale Beobachtungen beschränken und Wertungen
nach Möglichkeit vermeiden.
Zusammenfassung
Es gibt also eine Menge von Punkten für einen guten Vortrag zu
beachten. Alle Teile spielen dabei zusammen, ein schlecht recherchierter
Vortrag wird kaum zu guten Folien führen, umgekehrt kann die
brillanteste Idee, schlecht vorgetragen, nicht überzeugen. Man sollte
also jeden Teil wichtig nehmen und gewissenhaft durchführen. Als Dank
wird man einen erfolgreichen Vortrag vor einem interessierten Publikum
erleben. Egal ob es sich dabei um ein Wissenschaftler, Vorstandsmitglieder
oder Kunden handelt, den Effekt auf die eigene berufliche Laufbahn sollte
man nicht unterschätzen.
Bibliographie
-
[Kroe94]
-
Kröger, Reinhold:
Hinweise zur Strukturierung einer Diplomarbeit.
FH Wiesbaden, FB Informatik, 1994.
-
[Kroe98]
- Kröger, Reinhold; Debusmann, Markus; Weyer, Christoph:
Leitfaden für das Erstellen von Seminar- und Diplomarbeiten.
FH Wiesbaden, FB Informatik, 1998.
-
[Lor97a]
-
Lorenzen, Klaus F.:
Anforderungen an Diplomarbeiten und Kriterien ihrer Beurteilung.
FH Hamburg, FB Bibliothek und Information, Januar 1997.
-
[Lor97b]
-
Lorenzen, Klaus F.:
Das Literaturverzeichnis in wissenschaftlichen Arbeiten -
Erstellung bibliographischer Belege nach DIN 1505 Teil 2.
FH Hamburg, FB Bibliothek und Information, 2. Edition, Januar 1997.
-
[Mat]
-
Mattern, Friedemann:
Seminarvortrag - Hinweise zur Präsentation.
-
[vW93]
-
Werder, Lutz von: Lehrbuch des wissenschaftlichen Schreibens.
Schibri-Verlag, Berlin, 1993.
-
[vW94]
-
Werder, Lutz von: Wissenschaftliche Texte kreativ Lesen: kreative
Methoden für das Lernen an Hochschulen und Universitäten.
Schibri-Verlag, Berlin, 1994.
-
[vW95]
-
Werder, Lutz von: Rhetorik des wissenschaftlichen Redens und
Schreibens. Schibri-Verlag, Berlin, 1995.