Im Falle des V2Zr wurde eine ausgeprägte Abhängigkeit von den Mahlbedingungen gefunden. Die eingesetzte intermetallische Verbindung V2Zr (C15 Struktur) kann unter geeigneten Bedingungen in eine amorphe Phase überführt werden, was auf die Destabilisierung der Phase durch den Mahlprozess zurückgeführt wird. Unter anderen Mahlbedingungen wird eine Phasenseparation während des Mahlprozesses gefunden. Die Ergebnisse können auf der Grundlage der thermodynamischen Daten des V-Zr Systems verstanden werden als Auswirkung unterschiedlich stark ausgeprägter Beiträge der Diffusion.
Im Falle des Fe2Ta wurde eine Destabilisierung der intermetallischen Verbindung mit C14 Struktur bei zunehmender Mahldauer beobachtet. Die Bildung der amorphen Phase wurde mit Röntgenbeugung und Mössbauerspektroskopie verfolgt. Die bei der anschliessenden Kristallisation der amorphen Phase freigesetzte Umwandlungswärme zeigt an, daß die amorphe Phase stabiler als der bcc Mischkristall ist, dessen Stabilität aus CALPHAD-Rechnungen bekannt ist.
Die energetischen Verhältnisse liegen anders im Falls des Ni3Al. Diese Verbindung weist einen schmalen Existenzbereich im Phasendiagramm auf, kann jedoch bis zum Schmelzpunkt nicht thermisch entordnet werden. Beim Kugelmahlen wird nun gefunden, daß eine vollständige Entordnung stattfindet. Trotz der damit verbundenen Enthalpieänderung von 5 kJ/g.at. tritt keine amorphe Phase auf. Die Ergebnisse zeigen, daß in diesem Falle die ungeordnete fcc Mischkristallphase stabiler als die amorphe Phase ist.
Publikationen:
U. Herr und K. Samwer, Phase formation during ball milling of intermetallic
compunds with different structures , Materials Science Forum 179-181
(1995) p. 85-90
U. Herr und K. Samwer, Amorphization of the intermetallic compound V2Zr, Journal of Non-Crystalline Solids 156-158 (1993) 608-611
Im System Fe-W wurde die unvollständige Ausbildung einer amorphen Phase im mittleren Konzentrationsbereich beobachtet, obwohl das System eine verschwindende (Miedema) bzw. positive (CALPHAD) Mischungswärme aufweist. Das Auftreten eines Anteils der amorphen Phase zeigt an, daß eine negative Mischungswärme keine notwendige Voraussetzung für die Bildung amorpher Phasen ist. Von wesentlicherer Bedeutung scheint der Größenunterschied der beiden Atomsorten zu sein, wie bereits früher durch die Egami-Waseda Regel ausgedrückt wird. Die gleichgewichtsfernen Bedingungen des mechanischen Legierens scheinen damit insbesondere im Falle hochschmelzender Metalle den Gegebenheiten bei der Kondensation von Dämpfen auf kalte Unterlagen ähnlich zu sein.
Im System Fe-Ta wurde der Übergang von der übersättigten bcc Mischkristallphase des Fe zu einer amorphen Phase untersucht. Dabei wurde gefunden, daß der Übergang in einem engen Konzentrationsbereich stattfindet. Die Beobachtungen sind weder mit einer polymorphen Umwandlung bei einer kritischen Konzentration noch mit der Ausbildung eines metastablien Gleichgewichts zwischen amorpher und kristalliner Phase im Einklang. Der Einfluß der Mahlbedingungen auf die Phasenbildung wurde durch Variation der Mahlbechertemperatur studiert.
Im Falle des Cu-Ag Systems, welches im Gleichgewichtsphasendiagramm eine Mischungslücke im festen Zustand, aber Mischbarkeit im flüssigen Zustand aufweist, lässt sich die Phasenbildung in weitem Maße durch die Temperatur steuern. Während bei tiefen Temperaturen (300K und tiefer) eine fast vollständige Mischkristallbildung auftritt, führt eine Temperaturerhöhung auf 573K während des Mahlvorganges zur Unterdrückung der Mischkristallbildung. In einer ausführlichen Studie konnte gezeigt werden, daß die Ergebnisse auf den Einfluß beschleunigter Diffusion während des Mahlprozesses hinweisen. Diese beschleunigte Diffusion wird auf die Bildung zusätzlicher Leerstellen, welche nicht im thermischen Gleichgewicht sind, zurückgeführt. Dies wird durch eine quantitative Erfassung des Mahlprozesses im Rahmen eines Ratengleichungsmodelles unterstützt, welche eine Beschreibung aller Versuchsergebnisse in einem einheitlichen Bild ermöglicht.
Im System Ni-Ag, welches im Gleichgewicht auch im flüssigen Zustand eine Mischungslücke aufweist, konnte auch bei Kühlung des Mahlbechers mit flüssigem Stickstoff nur eine geringe Übersättigung der Ni- bzw. Ag-reichen Mischkristalle gefunden werden. Konzentrierte Legierungen wurden nicht gefunden. Auch in diesem System konnte jedoch der Einfluß der Temperatur auf die Phasenbildung in ähnlicher Weise wie im Cu-Ag demonstriert werden. Die Ergebnisse in beiden Systemen, dem Cu-Ag und dem Ni-Ag, weisen große Ähnlichkeit zu der Phasenbildung beim Ionenstrahlmischen von Vielfachschichten auf. Im Falle des Cu-Ag stimmen die Temperaturbereiche für die Bildung der Legierungsphasen für beide Prozesse überein.
Publikationen:
U. Herr und K. Samwer, On the influence of temperature and enthalpy
of mixing during the mechanical alloying of metals , in Solid-Solid
Phase Transformations, Hrsg. W.C. Johnson, J.D. Howe, D.E. Laughlin, W.A.
Soffa, TMS, Warrendale, 1994, p. 1039
U. Herr, T. Klassen und R.S. Averback, Modeling of the mechnical
alloying process in binary systems , Materials Research Society Symposium
Proceedings 400 (1996) 19
T. Klassen, U.Herr und R.S. Averback,Ball milling of systems with
positive heat of mixing: effect of temperature in Ag-Cu, Acta mater.
45 (1997) 2921
J. Xu und U. Herr und T. Klassen und R.S. Averback, Formation of
supersaturated solid solutions in the immiscible Ni-Ag system by mechanical
alloying , Journal of Applied Physics 79 (1996) 3935
Publikation :
U. Herr, T. Klassen und R.S. Averback, Modeling of the mechnical
alloying process in binary systems , Materials Research Society Symposium
Proceedings 400 (1996) 19
Publikationen :
J. Friedrich und U. Herr und K. Samwer, Mechanical crystallization
of amorphous FeZrBCu soft magnetic materials , Poster auf der "NANO98"
in Stockholm (14.-19.6.98)
Poster AM11.75, Verhandl. DPG (VI) 33, 796 (1998)
J. Friedrich, U. Herr, K. Samwer, Journal of Applied Physics 87 (2000)
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