Gastprofessur für Philosophie

Die Gastprofessur für Philosophie am Humboldt-Studienzentrum, die zunächst von der Stadt Ulm, der Universitäts-Gesellschaft, dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e. V. und der Universität Ulm finanziert wurde, ist seit 1997 im Haushalt der Universität etatisiert.

Prof. Dr. David Espinet

David Espinet studierte Philosophie und Romanistik in Freiburg i. Br., Straßburg und Paris. 2008 wurde er mit einer Dissertation zur Phänomenologie des Hörens promoviert. Von 2008 bis 2015 war David Espinet wissenschaftlicher Assistent am Philosophischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Dort habilitierte er sich 2016 mit einer Arbeit zum kantischen Ereignisbegriff. Er ist seither in Freiburg als Privatdozent tätig, wo er lehrt und forscht.

Im Zentrum seiner Arbeit steht die historisch breit informierte und zugleich problemorientierte philosophische Sachanalyse. Sein Anliegen ist es, die philosophische Begriffbildung in ihrer Komplexität und Fülle aber auch mitunter historischen Distanz möglichst unverfälscht zugänglich zu machen, dabei aber vermeintliches philosophisches Spezialistenwissen in seiner tatsächlichen Faszination sowie Relevanz für konkrete Fragestellungen der Gegenwart weit über Fachgrenzen hinaus aufzuzeigen.

Historisch betrachtet liegen seine Schwerpunkte bei der Philosophie Kants und der Kontinentalphilosophie des 20. und 21. Jahrhunderts von Husserl über Heidegger, Merleau-Ponty und Derrida bis hin zu gegenwärtigen Debatten etwa zum Verhältnis von Realismus, Konstruktivismus und Idealismus oder zur Ereignisphilosophie im 21. Jahrhundert an der Schnittstelle von Wissen, Ethik und Ästhetik – dies auch mit Seitenblick auf die antike griechische Philosophie, den Deutschen Idealismus sowie die (post)analytische Philosophie der Gegenwart. Thematische Schwerpunkte bilden Fragen der Erkenntnistheorie, insbesondere der Ereignis- und Wahrnehmungsphilosophie aber auch der Theorie der Biologie, der philosophischen Ästhetik und der kantischen Ethik, auch unter Berücksichtigung angewandter Perspektiven, etwa der Glücksforschung als Schnittmengendisziplin zwischen den happiness economics, der Psychologie der Selbstbestimmung, der Bildungsphilosophie sowie der Design- und Entwurfstheorie.

Derzeit geht David Espinet insbesondere folgenden Fragen nach:

  • Was ist an gutem Design eigentlich gut? Wie viel Ethik steckt in der Ästhetik von Gebrauchsdingen? Welchen Beitrag leistet die Ästhetik zur Ethik des guten Lebens?
  • Welche Rolle spielt das Wechselverhältnis von Selbstbestimmung und Weltbeziehung für individuelle und soziale Glückserfahrung? Unter welchen sozialen Bedingungen macht individuelle Autonomie glücklich? Unter welchen individuellen Bedingungen kann es so etwas wie kollektives Glück geben?
  • Was ist Konstruktion, was Realität? Welchen Anteil sollten wir der menschlichen Reflexion und unserer Gedankenwelt (den Ideen, Werten, Normen, Theorien, Glaubenssätzen) in Bezug auf ein tragfähiges Realitätskonzept einräumen?
  • Welche Rolle spielt das Denken in Zwecken für die Biologie? Und wie lässt sich Kants faszinierende These einer Verwandtschaft von Biologie und ästhetischer Erfahrung im Horizont aktueller Forschungsdesigns genauer verstehen?
Publikationen:

David Espinets Publikationen umfassen die beiden Monographien „Phänomenologie des Hörens. Eine Untersuchung im Ausgang von Martin Heidegger, (=Philosophische Untersuchungen Bd. 23), Tübingen: Mohr Siebeck 2009, zweite Auflage 2016“ und „Ereigniskritik. Zu einer Grundfigur der Moderne bei Kant (=Sonderbände der Deutschen Zeitschrift für Philosophie Bd. 39), Berlin / Boston: De Gruyter 2017“ sowie eine Anzahl von Aufsätzen und Herausgabeschriften (vgl. Auswahl Publikationen)

Vita:

2016–2017    Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies mit dem Projekt „Always Happier? Approaching the Happiness-Paradox From a Kantian Point of View“

2016              Habilitation mit der Arbeit „Ereigniskritik. Zu einer Grundfigur der Moderne
bei Kant“ und Erlangung der venia legendi für das Fach Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

2008–2015    Wissenschaftlicher Assistent am Philosophischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

2013–2014    Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies mit dem Projekt „Critique of the Event. From Kant to Phenomenology and Postanalytical Philosophy“

2011–2012     Gastdozentur an der Pennsylvania State University, USA

2005–2008    Promotion im Fach Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit der Arbeit „Phänomenologie des Hörens. Eine Untersuchung im Ausgang von Martin Heidegger“, Stipendiat des Cusanuswerks

2005              Forschungssemester am Boston College

2000–2001    Einjähriges Studium und Abschluss „Licence en philosophie“ als DAAD-Stipendiat am Philosophischen Seminar der Université de Paris VIII

Ehemalige Gastprofessoren

WS 2016/17 bis SS 2018

Prof. Dr. Matthias Wunsch, Universität Rostock

WS 2012/13 bis SS 2016

Prof. Dr. Ralf Becker, Universität Koblenz-Landau

SS 2009 bis SS 2012

Prof. Dr. Günter Fröhlich, Universität Regensburg

SS 2008 bis WS 2008/09

PD Dr. Peter Fischer, Universität Leipzig

WS 2005/06 bis WS 2007/08
PD Dr. Joerg Wernecke, Universität Augsburg

WS 2002/03 bis SS 2006
apl. Prof. Dr. Michael Kober, Universität Freiburg i.B. 

WS 2001/02 bis SS 2002
Prof. Dr. Klaus Rehkämper ✝

SS 2001
Prof. Dr. Karlfriedrich Herb, Universität Regensburg

SS 2000 bis WS 2000/01
Prof. Dr. Achim Stephan, Universität Osnabrück

SS 1999 bis WS 1999/00
Prof. Dr. Heidrun Hesse ✝

WS 1997/98 bis WS 1998/99
apl. Prof. Dr. Peter Welsen, Universität Trier

WS 1996/97 bis SS 1997
Prof. Burkhard Liebsch, Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

WS 1995/96 bis SS 1996
Prof. Dr. Karl-Heinz Lembeck, Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

SS 1995
Prof. Dr. Peter Oesterreich, Augustana-Hochschule Neuendettelsau

SS 1994 bis WS 1994/95
Prof. Dr. Ulrich Weiß, Universität der Bundeswehr München

SS 1993 bis WS 1993/94
Prof. Dr. Jean-Pierre Wils, Radboud University Nijmegen

WS 1992/93
Prof. Dr. Kurt Bayertz, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

SS 1992
Prof. Dr. Rainer Enskat, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

WS 1991/92
Prof. Dr. Heiner Hastedt, Universität Rostock

SS 1991
Prof. Dr. Michael Heidelberger, Universität Tübingen

SS 1990
Prof. Dr. Thomas Kesselring, Universität Bern

WS 1989/90
Prof. Dr. Vittorio Hösle, University of Notre Dame, South Bend, USA

Prof. Dr. David Espinet

Kontakt

Prof. Dr. David Espinet

david.espinet@uni-ulm.de
N 24 / 133
Universität Ulm
Oberer Eselsberg