Der Weg zur Gründung 1959 – 1967

Die Katholische Akademiker-Vereinigung um den Ulmer Kaufmann Helmut Hauser ergriff in Sachen Universität die Initiative (Foto: Familie Hauser)

"Nie und nimmer wird Ulm Universitätsstadt"

Wirklich nicht? In Ulm lässt man sich keineswegs von seinen hochgesteckten Plänen abbringen. Auch nicht durch das, was der baden-württembergische Ministerpräsident und spätere Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger 1961 prophezeit. Schließlich hat mit dem Wissenschaftsrat das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland die Gründung neuer Hochschulen beschlossen.

Warum soll nicht auch Ulm zum Zug kommen? Eine eigene Bürgerinitiative, der „Arbeitskreis Universität Ulm“, macht sich stark für den Standort. Schließlich haben sich die Ulmer „ihre“ Universität ertrotzt – nach jahrelangen Planungen und Verhandlungen: Mit der Gründungsfeier am 25. Februar 1967 hat Ulm eine Universität. Ulm darf sich zunächst Hochschulstadt – und im gleichen Jahr Universitätsstadt nennen.

Der Oberbürgermeister als Wegbereiter - Theodor Pfizer

Dem Enthusiasmus der Ulmer Universitätspioniere stand Oberbürgermeister Theodor Pfizer zunächst skeptisch gegenüber. Erst nach und nach konnte er für die Idee einer Universitätsgründung gewonnen werden. 1960 wurde er Vorsitzender des Arbeitskreises Universität Ulm.

Ulms Oberbürgermeister Theodor Pfizer entwickelte sich zu einem engagierten Streiter für die Idee einer Universität (Foto: Universität Ulm)
Fruchtbare Ergebnisse: Am 14. Juli 1965 überreichte Professor Ludwig Heilmeyer (2. v. l.) die Denkschrift des Gründungsausschusses an Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger (rechts). Dabei waren Kultusminister Professor Wilhelm Hahn (links), OB Theodor Pfizer (Mitte) und Finanzminister Dr. Hermann Müller (Foto: Südwest Presse)

Eine Bürgerinitiative als Keimzelle der Universität - Arbeitskreis Universität Ulm

Eigentlich soll Konstanz die neue baden-württembergische Universitätsstadt werden – doch in Ulm macht sich eine Gruppe aus Akademikern, Unternehmern und Journalisten daran, für ihre Stadt als Standort zu kämpfen. Sie gründeten den „Arbeitskreis Universität Ulm“.

Aufbau und Organisation 1967 - 1982

Reformwille trifft auf Studierendenflut

Medizin, Biologie, Chemie, Physik und Mathematik – der Fächerkanon der Gründungszeit zeichnet noch heute die Universität Ulm aus.

Die Ulmer Hochschulpioniere schreiben sich von Anfang an auf die Fahnen, zukunftsweisend zu sein. Ihre Reformuniversität soll den nichtakademischen Bürgern und den zukünftigen Generationen von Studierenden gegenüber offen sein. Anstelle von Hierarchien werden fächerübergreifende Kooperationen angestrebt.

Um diesen Grundsatz durchzusetzen, ist Standhaftigkeit gefragt – besonders in Zeiten knapper Haushaltskassen und steigender Studierendenzahlen. In diesen bewegten Zeiten setzt man auf Innovationen, zum Beispiel auf den 1977 in Ulm entwickelten Studiengang Wirtschaftsmathematik.

Festlicher Moment: Die Gründungsfeier am 25. Februar 1967 im Kornhaus. Von links: Die Gründungsprofessoren Werner Zeil, Theodor M. Fliedner, Emil Tonutti, Ludwig Heilmeyer, Thure von Uexküll, Ernst Friedrich Pfeiffer, Karl Knörr und Hans Helmut Kornhuber (Foto: Resch/Südwest Presse)

Gründungsfeier im Kornhaus Ulm

Talar des Gründungsrektors

Zur Gründungszeremonie der Universität Ulm am 25. Februar 1967 erschien der Gründungsrektor Professor Ludwig Heilmeyer zusammen mit den sieben Gründungsprofessoren standesgemäß im Talar. Die Verlegerin Aenne Burda hatte die edlen Gewänder gestiftet - einen roten Talar mit Hermelinbesatz für den zukünftigen Rektor und schwarze Talare für die anderen Professoren.

Ein Vordenker der ersten Stunde

Thure von Uexküll hat die Idee einer Reformuniversität entscheidend mitgeprägt. In Ulm wirkte der Vordenker der ganzheitlichen Medizin als Professor für Innere Medizin und Dekan der Klinisch-Medizinischen Fakultät.

Hochschulreformer der ersten Stunde in Ulm: Der Mediziner Professor Thure von Uexküll

Die Rohringer Zwillinge und das Ulmer Zelt - Ärzte der Uniklinik erfolgreich gegen Immunschwäche

1971 gelang es Ärzten der Universitätsklinik rund um Professor Theodor M. Fliedner, immunkranken Zwillingen Knochenmark und Thymusgewebe zu verpflanzen. Nach zweieinhalb Jahren durften die beiden Kinder zum ersten Mal das in Ulm entwickelte sterile Kunststoffzelt verlassen.

Die Rohringer Zwillinge und das Ulmer Zelt

Strukturwandel, Wissenschaftsstadt und Science Parks 1983 - 2000

Forschung und Lehre docken an die Wirtschaft an

Anfang der 80er-Jahre ist die goldene Zeit der Ulmer Industrie vorbei. Es kriselt in den alteingesessenen Fahrzeug- und Elektrounternehmen, die Arbeitslosenquote explodiert. Auf dem Campus, im Rathaus und in den Chefetagen dagegen beginnen die Köpfe zu rauchen: Könnte der boomende Universitätsbetrieb die Industrie wieder nach vorne bringen? Der Plan: Forschung, Lehre und Wirtschaft sollen sich eng verzahnen. Während akademische Puristen darüber noch die Nase rümpfen, wird im Umfeld der Universität die Wissenschaffsstadt ins Leben gerufen: An den neu entstehenden Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen kommt der Technologietransfer ins Rollen, der Innovationen aus den Laboren schneller in die Produktion bringt. Mit den Ulmer Science Parks wird dieses Konzept schließlich zur Reife geführt.

Auch noch heute aktuell: Die Einführung durch erfahrene Kommilitonen hilft den Erstsemestern, sich zu orientieren (Foto: Müssig/Südwest Presse)

"Väter" der Wissenschaftsstadt - Theodor M. Fliedner und Lothar Späth

Einer der „Väter“ der Wissenschaftsstadt Ulm ist der Hämatologe und Strahlenbiologe Theodor M. Fliedner. Als Wissenschaftler hat er die Basis gelegt für die heute gängige Stammzelltransplantation. Er gehörte bereits zu den Gründungsprofessoren der Universität Ulm und hat ihre Weiterentwicklung als Rektor von 1983 bis 1991 wesentlich vorangetrieben.

Lothar Späth, der ehemalige Ministerpräsident Baden- Württembergs, Ehrendoktor und Ehrensenator der Universität Ulm, hat die Wissenschaftsstadt ebenfalls entscheidend mitgestaltet und den Ausbau der Universität geprägt.

Der "berechenbare" Markt - Wirtschaftsmathematik

Als erste Universität wagte Ulm 1977 in der Ausbildung den Brückenschlag zwischen dem theoretischen Fach Mathematik und der eher praxisorientierten Disziplin Wirtschaftswissenschaften. Das daraus resultierende Studienfach „Wirtschaftsmathematik“ wurde von Anfang an hervorragend angenommen und quantitative Methoden sind heute mehr denn je ein wichtiges Instrument der Unternehmensführung.

Mit dem Studiengang „Wirtschaftsmathematik“ vermittelt die Universität Ulm hochaktuelle quantitative Methoden, die auch bei Big Data und Business Intelligence zum Tragen kommen (Foto: Universität Ulm)

Neue Institute, Lehrangebote, Arbeits- und Ausbildungsplätze 1983 - 2000

Die Universität wächst: Moderne Gebäude auf dem Campus wie das Forschungsgebäude N27 sorgen für optimale Rahmenbedingungen für Forschende, Lehrende und Studierende (Foto: Universität Ulm)

Job-Motor für Stadt und Region

Plötzlich geht wieder was in Ulm: Die Wissenschaftsstadt gibt der Ulmer Wirtschaft Aufwind. Die Vielfalt der neuen Forschungs- und Bildungszweige, der wissenschaftlichen und technischen Innovationen erweisen sich als Motor für den Arbeitsmarkt.

Immer mehr Unternehmen verlegen Forschungs- und Entwicklungszentren direkt in Campusnähe. Studierende freuen sich über neue Möglichkeiten für Praktika oder Abschlussarbeiten. Absolventen starten ihre Karriere in unmittelbarer Nachbarschaft. Und die Unternehmen rekrutieren die besten „Köpfe“ direkt vor Ort.

Aber auch für Nichtakademiker eröffnen sich attraktive Chancen, zum Beispiel in der Verwaltung, der Pflege oder Technik. Zahlreiche neue Firmen werden gegründet, tausende Arbeitsplätze geschaffen.

Vom Studium zum Start-up - Martina Burgetsmeier

Die Nähe der Universität Ulm zur Wirtschaft hat schon zahlreiche Karrieren beflügelt. Dr. Martina Burgetsmeier studierte Wirtschaftsmathematik mit Schwerpunkt Informatik, bevor sie mit vier Kollegen die Softwarefirma eXXcellent solutions in Ulm gründete.

Einst Absolventin des jungen Studiengangs Wirtschaftsmathematik, heute erfolgreiche Unternehmerin: Dr. Martina Burgetsmeier (Foto: privat)

Auch Ulm hat das Mobiltelefon geschrumpft - Grundlagenforschung für die Handyentwicklung

Grundlagenforschung kostet Zeit, Geld und jede Menge Arbeit – ist jedoch unverzichtbar für den technischen Fortschritt. Viele Ideen müssen entstehen, damit sich am Ende eine durchsetzt. So wie bei der Entwicklung des Handys, das in seiner Urversion noch die Ausmaße eines Bierkastens hatte. Dass es heute in jede Hosentasche passt, ist der Arbeit vieler Wissenschaftler zu verdanken, auch den Ulmer Nachrichtentechnikern.

Das fünfte Jahrzehnt 2007 - 2017

Spatenstich für das Helmholtz-Institut Ulm (HIU) Elektrochemische Energiespeicherung: Die Batterietechnologie der Zukunft entsteht hier (Foto: Universität Ulm)

Ein neues Jahrtausend mitgestalten

In jüngster Zeit präsentiert sich die Universität Ulm so vielfältig wie noch nie. Das Spektrum der Fachgebiete wird breiter, die Vernetzungmit Wirtschaft und Gesellschaft wird weiter ausgebaut. Auch dieExzellenzinitiative trägt Früchte. Das Ergebnis: In so mancher Innovation der letzten Jahre steckt ein Stück Ulmer Forschergeist.

Parallel entwickeln sich Institute, Neugründungen und Start-ups. Ulm ist und bleibt ein junger, dynamischer Universitätsstandort. Übrigens: In internationalen Rankings erreichte die Universität Ulm Top-Platzierungen. Wiederholt wurde sie in den letzten Jahren zur "besten jungen Uni Deutschlands" gekürt.

Die Universität Ulm auf Erfolgskurs - Karl Joachim Ebeling

12 Jahre lang hat der Physiker Professor Karl Joachim Ebeling die Geschicke der Universität Ulm maßgeblich geprägt. In seiner Zeit als Präsident studieren das erste Mal mehr als 10.000 junge Leute an der Universität Ulm. Die Einnahmen aus Drittmitteln erreichen einen neuen Höchststand. Die internationale Sichtbarkeit steigt.

Präsident der Universität Ulm von 2003 bis 2015: Professor Karl Joachim Ebeling (Foto: Universität Ulm)
Die fortschreitende Miniaturisierung von Technologie führt zwangsläufig in die Welt der kleinsten Teilchen. Hier regieren die Gesetze der Quantenphysik. Sie zu beherrschen und nutzbar zu machen, ist Ziel der Quantentechnologie (Foto: Universität Ulm)

Innovation aus der Welt der kleinsten Teilchen - Quanten- und Biowissenschaften

Durch die Arbeit mit den Bausteinen des Universums schafft die Universität Ulm neue Anwendungen für unsertägliches Leben: schnelle Computer, sicherer Datenaustausch und medizinischeInnovationen wie zum Beispiel hochleistungsfähige Biosensoren und optimierte bildgebende Verfahren durch Nano-Diamanten.

Zukunft und Vision ab 2017

Hier hebt die Wissenschaft ab: Elektromobilität in der Luftfahrt. Die Expertise der Universität Ulm ist mit an Bord (Foto: DLR)

Beste Aussichten am Oberen Eselsberg

Wo soll es hingehen? Über 10.000 Studierende lernen heute in Ulm – und in den nächsten Jahren wird ihre Zahl wohl noch steigen. Mit ihrem von Anfang an medizinisch-naturwissenschalich-mathematisch-technisch ausgerichteten ProŒfil hat sich die Universität national und internationaleinen hervorragenden Ruf erarbeitet.

Ihre Forschung richtet sie an großen gesellschaftlichen Herausforderungen, den sogenannten „Global Grand Challenges“, aus. Dabei legt sie ihren Fokus auf folgendeThemen:

  • Alterung: Medizinische und sozio-ökonomische Herausforderungen einer alternden Gesellschaft
  • Nachhaltigkeit: Ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit
  • Technologien der Zukunft“: Naturwissenschaliche und informationstechnologische
    Neuerungen
  • Mensch und Gesundheit: Körperliche und psychische Gesundheit erhalten und fördern, soziales WohlbeŒnden steigern

Man darf gespannt sein, was die nächsten 50 Jahre bringen. Ihrem Motto "Sciendo, Docendo, Curando", dem "Forschen, Lehren und Heilen" will sich die Universität Ulm auch weiterhin verpflichten.

Nikola Mattschas (Medizin), Stefan Kaufmann (Medieninformatik), Clemens Hafner (Elektrotechnik), Maren Cichon (Psychologie), Heike Tritschler (Medizin), Maria Nothing (Medizin) (v.l.u.n.r.o) (Foto: privat)

Unsere Uni - Studierende und junge Alumni

„Die Gründe, warum wir uns für Ulm als Studienort entschieden haben, sind ebenso vielfältig wie wir es sind. Unterm Strich sind uns allen an der Uni Ulm die spannenden Aufgaben und Möglichkeitenauch außerhalb unserer Curricula in Erinnerung geblieben.“

"Wir haben es sehr genossen, uns von der Uni herausfordern zu lassen. Dazu gehörte, in verschiedene fachfremde Themen reinzuschnuppern und damit auch viel über uns selbst zu lernen. Die Freundschaften, die sich dabei gebildet haben, möchte keiner von uns missen. Ebenso wenig die verschiedenen Projekte, die wir ins Leben gerufen haben und die auch heute noch das studentische Leben prägen.“

„Wir wünschen unserer Uni Ulm neugierige Studierende, die die Welt entdecken und verbessern möchten – und gleichzeitig auch Lust haben, bereits in ihrem Studium genau
damit zu beginnen. Die Lebendigkeit der Universität Ulm zeichnete sich immer dadurch aus, dass sie sich von ihren Studierenden aktiv prägen ließ – gerne als sympathischer Underdog anstatt als steife Eliteuni. Wir wünschen ihr, diesen Geist auch in den kommenden 50 Jahren beizubehalten.“

„Wir wünschen der Universität Ulm aufgeschlossene und experimentierfreudige Studierende, die sich nicht in strikte Vorgaben pressen lassen und die den Mut haben, über den eigenen Tellerrand zu blicken.“

Energie to go - Energiewandlung und -speicherung 

Wie kann Energie für Laptops, Smartphones und Autos noch besser gespeichert und verfügbar gemacht werden? Elektrochemische Grundlagenforschung gibt es schon seit 1989 an der Uni Ulm. Jetzt sind in der Wissenschaftsstadt starke Forschungs- und Kooperationspartner hinzugekommen: Die Technologien für Batterien und Brennstoffzellen
der Zukunft entstehen in Ulm.

Gemeinsam stärker: Energieforschung im Spezialisten-Netzwerk der Wissenschaftsstadt Ulm (Grafik: Universität Ulm)