Abteilung Neurochirugie

Prof. Dr. H.-P. Richter

Dr. G. Antoniadis

Dr. S. Rath, Dr. V. Braun, Dr. J. Oberle

Stichworte: Neurochirurgische Intensivmedizin, Prognostik, Pharmako-EEG, Evozierte Potentiale, Hirndurchblutung, intrakapilläre Hämoglobinoxygenierung, Monitoring der zerebralen Perfusion, Mikrolichtleiterphotometer, Chirurgie der peripheren Nerven, spinale Stabilisierungsoperationen, traumatische Nervenläsionen, Kontinuitätsläsionen, intraoperative Nervenaktionspotentiale (NAP), interfaszikuläre Neurolyse, traumatische Armplexusläsionen, intraoperative Wurzel-SEP, Nerventransplantation, Skelettmuskelinterponate, Revaskularisation der Muskelinterponate, Neuronavigation, Torticollis spasmodicus, Gehörerhaltung, Neurofibromatose, Intraoperatives Infrarot-imaging

Pharmako-EEG in der neurochirurgischen Intensivmedizin. Die EEG-Veränderungen nach Gabe zentralwirksamer Substanzen wie Benzodiazepinen und Barbituraten erwiesen sich bei komatösen Patienten mit schweren intrakraniellen Läsionen (Schädel-Hirn-Traumen, spontane intrazerebrale und subarachnoidale Blutungen) als prognostisch hochsignifikante Parameter hinsichtlich des Überlebens und der Wiedererlangung des Bewußtseins. Bei einer Untersuchung an 111 tief komatösen Patienten waren atypische EEG-Antworten meist irreversibel und wiesen bereits frühzeitig auf einen ungünstigen Verlauf hin. EEG-Veränderungen nach Osmotherapie zur Hirndrucksenkung ließen einen Zusammenhang mit dem Ausmaß der Blut-Hirnschrankenstörung erkennen.

Mit Hilfe eines Mikrolichtleiterphotometers (EMPHO) kann die zerebrale intrakapilläre Hämoglobinoxygenierung am offenen Gehirn (intraoperativ) erfaßt werden. Dabei ließen sich bereits erhebliche Unterschiede in der kapillären Sauerstoffsättigung zwischen gesundem Hirngewebe und hirneigenen Tumoren nachweisen. Ziel weiterer Untersuchungen ist die frühzeitige Erkennung intraoperativer zerebraler Ischämien und die Entwicklung eines möglichst minimal invasiven Monitorings der zerebralen Perfusion.

Stellenwert intraoperativer elektrophysiologischer Untersuchungen bei der operativen Behandlung peripherer Nervenläsionen: Gegenstand des Forschungsvorhabens sind intraoperative elektrophysiologische Untersuchungsverfahren (elektrisch evozierte Nervenaktionspotentiale, SEPs) bei der operativen Behandlung traumatisch bedingter Läsionen peripherer Nerven beim Menschen. Seit 1990 werden o.g. Methoden in unserer Klinik, in der im Vergleich mit anderen neurochirurgischen Kliniken in der BRD sehr viele Patienten mit Läsionen peripherer Nerven behandelt werden (im Jahr etwa 150 Patienten), intraoperativ eingesetzt. Mit dem geplanten Forschungsvorhaben soll deren Stellenwert bestimmt werden, insbesondere, ob solche Methoden eine prognostische Relevanz besitzen und ob sie daher dem Operateur eine Entscheidungshilfe bezüglich des zu wählenden Operationsverfahrens sein können, wie von einigen Autoren behauptet wird. Methodisch soll dies erreicht werden, indem eigene, bisherige und zukünftige intraoperative Messergebnisse analysiert und mit den klinischen Ergebnissen verglichen werden.

Die Rekonstruktion größerer Nervendefekte geschieht üblicherweise durch Transplantation autologer Nerveninterponate. In einer experimentellen Studie an Kaninchen wurden autologe Nerveninterponate mit unbehandelten und im flüssigen Stickstoff vorbehandelten Skelettmuskelinterponaten klinisch, elektrophysiologisch und morphometrisch verglichen. Zusätzlich wurde die Revaskularisation der vorbehandelten Skelettmuskelinterponaten klinisch, elektrophysiologisch und morphometrisch verglichen. Auch wurde die Revaskularisation der vorbehandelten Muskelinterponate mikroangiographisch drei Wochen nach der Transplantation untersucht.

Neuronavigation: Ziel ist der routinemäßige klinische Einsatz und die Weiterentwicklung der Neuronavigation sowohl im kranialen, als auch im spinalen Bereich. Dies dient dem möglichst schonenden Zugang zu tiefsitzenden intrazerebralen Läsionen, der frühzeitigen Lokalisation von Risikostrukturen (z.B. innerhalb eines Tumors) und der Vermeidung von Fehlplazierung spinaler Instrumentationen.

Torticollis spasmodicus: Weltweit gehört die Neurochirurgische Klinik zu den drei Einrichtungen mit der größten Erfahrung auf dem Gebiet der sog. Selektiven peripheren Denervierung. Ein verbesserter operativer Zugang wurde hier entwickelt. In Zusammenarbeit mit dem Neurophysiologischen Institut (Prof. Becker) und dem Institut für Neuropathologie der RWTH Aachen (Prof. Schröder) werden auch neurophysiologische und neuropathologische Grundlagen dieser Erkrankung erforscht.

Gehörerhaltung: Eine im Jahr 1995 abgeschlossene tierexperimentelle Studie diente der Ursachenforschung des Gehörverlusts trotz anatomisch erhaltendem N. cochlearis bei der Operation eines Akustikusneurinoms.

Neurofibromatose: In dieser Studiengruppe werden Patienten sowohl mit NF 1, als auch mit NF 2 betreut und ggf. operativ versorgt. Der genetische Aspekt der Erkrankung wird zusammen mit dem Institut für Humangenetik (Prof. Krone) erforscht.

Mit einer neuen triggerbaren Infrarotkamera können Meßmethoden zur Lösung spezifischer diagnostischer Fragestellungen entwickelt werden. Zusätzlich können solche Infrarot-Verfahren zur Unterstützung neurochirugischer Eingriffe bei intrakraniellen Tumoren und Läsionen peripherer Nerven eingesetzt werden. Die notwendigen Pilotexperimente und klinischen Studien sind geplant.

Finanzierung der Forschungsprojekte:

Stellenwert intraoperativer elektrophysiologischer Untersuchungen bei peripheren Nervenläsionen:
Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG unter dem AZ OB 92/2-1

Einflüße mechanscher und thermischer Traumen sowie der Blutversorgung aus der A. auditiva interna auf den N. cochlearis und das Gehör :
Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG unter dem AZ BR 1394/1-1.

Kooperationen:

Klinik für Anästhesiologie der Universität Ulm (Mikrolichtleiterphotometer)

Institut für Neurophysiologie der Uni Ulm, Prof. Becker (Torticollis spasmodicus)

Institut für Neuropathologie der RWTH Aachen, Prof Schröder (Torticollis spasmodicus)

Institut für Humangenetik der Uni Ulm, Prof. Krone (Neurofibromatose)

Zentralinstitut für Biomedizinische Technik, Prof. Edrich, Dr. Erné (Infrarot-imaging)

Dissertationen:

1993 Schneider, Ortwin: Die Kompressionsneuropathie des N. ulnaris am Ellenbogen: Ergebnisse der Dekompressionsoperation

1993 Kast, Erich: Spontane intrazerebrale Hämatome: Ursachen, Verlauf und Prognose unter Berücksichtigung verschiedener Therapieformen

1993 Nusser, Alfred: Intensivmedizinische Risiken bei Alkoholikern mit intrakraniellen Läsionen unter besonderer Berücksichtigung der Delirbehandlung mit Clonodin

Symposien/Konferenzen:

1995 46. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie
Ulm 2.-5. April

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