Ringvorlesung: Frauenforschung - Gender Studies
Gendermedizin - brauchen wir das?

Zeit : Montag , 16.12.2019, 18:30 - 20:00 Uhr
Veranstalter : studium generale mit der Gleichstellung und Chancengleichheit der Universität Ulm und des Universitätsklinikums Ulm
Ort : Universität Ulm, O 25, Hörsaal 2

Dozentin: Prof. Dr. Dr. h.c. Vera Regitz-Zagrosek, Institut für Gendermedizin, Charité Universitätsmedizin Berlin

Die evidenzbasierte Medizin hat uns im letzten Jahrhundert enorme Fortschritte gebracht – so die Reduktion der Sterblichkeit an Infektionen, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs. Allerdings wurden dabei wichtige therapierelevante Unterschiede in Risikofaktoren, Krankheitsmechanismen und Arzneimittelwirkungen zwischen Frauen und Männern oft übersehen.
Die Gendermedizin füllt diese Lücke. Sie berücksichtigt biologische Unterschiede, die in der traditionellen Medizin oft unerkannt, vernachlässigt, aber dennoch hoch relevant sind: unterschiedliche Prägung des Immunsystems, des Herz-Kreislaufsystems, des Stoffwechsels und des Arzneimittelstoffwechsel zwischen Männern und Frauen. Mit dieser Gruppenbildung kann sie einen Teil der biologischen Unterschiede zwischen Individuen mit viel geringerem Aufwand erklären als die personalisierte Medizin. Zusätzlich berücksichtigt sie die soziokulturelle Dimension. Das ist enorm wichtig, da soziokulturell geprägte Phänomene wie Lebensstil, Stress, Umwelt über das Epigenom auf die Biologie wirken und medizinische Grundlagen beeinflussen. Darüber hinaus beeinflussen geschlechtsspezifische Rollenmodelle von Patient*innen und Ärzt*innen, Verhalten und Umgang mit der Erkrankung im hohen Ausmaß die Behandlungsergebnisse. Daher brauchen wir für eine kompetente Medizin Genderansätze, für die bessere Betreuung von Frauen und Männern.

Ringvorlesung "Frauenforschung - Gender Studies"