Werkstattgespräch
Gehirnströme und Freier Wille – eine (kritische) Betrachtung zu diversen Experimenten und ihrer Aussagekraft

Zeit : Mittwoch , 10.7.2019, 17:00 - 18:30 Uhr
Veranstalter : studium generale
Ort : Universität Ulm, O25, Raum 346,

Dozent: Dr. Walter Hürster, Research & Consulting, Ulm

Seit Jahren wird in den Medien eine Diskussion geführt um die „Freiheit des menschlichen Willens“ (Standpunkt einer humanistisch-idealistischen Philosophie) gegenüber einem „determinierten, unbewussten Verhalten“ (reduktionistisch-neurowissenschaftliche Sicht). Ausgelöst wurde sie durch das Experiment von Benjamin Libet zur Bestimmung der zeitlichen Reihenfolge und zur Messung der Zeitintervalle, die zwischen der Einleitung einer Handlung auf neuronaler Ebene, dem dazugehörigen bewussten Willensakt und der Ausführung der Handlung liegen. Nach der gängigen Interpretation des experimentellen Befunds durch „die Neurowissenschaft“ werden Handlungen durch unbewusste Prozesse eingeleitet, und erst mit beträchtlicher Verzögerung wird uns bewusst, was unser Gehirn ohne unser wissentliches Zutun längst „entschieden“ hat. Doch lassen sich solche Aussagen aus den Experimenten überhaupt ableiten?
Im Vortrag wird zunächst die angewandte experimentelle Methodik, insbesondere bezüglich der Zeitableitung, kritisch untersucht. Basierend hierauf werden die aus den Experimenten gezogenen Schlussfolgerungen auf ihre Aussagekraft hin überprüft. Im Anschluss daran wird ein eigenes Experiment vorgestellt, das wir im Rahmen einer interdisziplinären Kooperation an der LMU München durchgeführt haben.

In den „Werkstattgesprächen„ können Wissenschaftler*innen, Gruppen des Forschenden Lernen und Bürger-Forscher*innen (Citizen Science) aktuelle Einblicke in ihre Forschungsarbeit geben und ihre Überlegungen und Hypothesen in einem geschützten Raum zur Diskussion stellen.