Forschungs- und Lehrboni vergeben
Psychotrauma-, Quanten- und Stochastik-Forscher sowie innovative Lehrkonzepte ausgezeichnet

Universität Ulm

Talentierte Nachwuchsforscher und engagierte Dozenten standen bei der Vergabe der Forschungs- und Lehrboni am Montagmittag in der Villa Eberhardt im Mittelpunkt. Professor Joachim Ankerhold, Vizepräsident für Forschung und Informationstechnologie, sieht in den jungen Wissenschaftlern ein „Aushängeschild der Universität Ulm, die mit ihrer Forschung zur Stärkung des wissenschaftlichen Profils beitragen.“

Die Forschungsboni über je 10 000 Euro werden jährlich an bis zu drei Nachwuchswissenschaftler vergeben. Sie sollen neben einer Anerkennung hervorragender Leistungen auch eine Anschubfinanzierung zur Vorbereitung von Drittmittel-Anträgen sein. Jeweils zur Hälfte finanzieren Universität Ulm und die Ulmer Universitätsgesellschaft (UUG) die Preisgelder. Deshalb überreichte UUG-Geschäftsführer Dietrich Engmann zusammen mit Professor Ankerhold die Urkunden. Engmann freute sich, in diesem Jahr wieder drei Auszeichnung übergeben zu dürfen: „Es ist für die Ulmer Universitätsgesellschaft nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch eine Ehre, den wissenschaftlichen Nachwuchs an der Universität Ulm unterstützen zu dürfen.“

Die ausgezeichnete Nachwuchsforscherin Dr. Sarah Wilker beschäftigt sich in der Abteilung Klinische und Biologische Psychologie mit einem Forschungsthema, das besonders aktuell ist: der geistigen Gesundheit von Traumapatienten, zu denen auch viele Geflüchtete gehören. Im Speziellen forscht die 30-Jährige zu der sogenannten Narrativen Expositionstherapie (NET), bei der die Betroffenen ihre Erlebnisse unter intensiver therapeutischer Begleitung chronologisch erzählen und so verarbeiten sollen. Dabei gilt das Interesse der Psychologin vor allem dem Einfluss dieser Therapie auf bestimmte, „epigenetische“ Genveränderungen. Wilker wurde bereits mit mehreren Preisen und Stipendien ausgezeichnet und hat während ihrer Forschungsarbeiten in Norduganda eine Traumaambulanz für Überlebende des dortigen Rebellenkriegs mit aufgebaut.

Am Institut für Theoretische Physik befasst sich der Physiker Dr. Jorge Casanova mit Quantentechnologien, insbesondere der Erfassung und Informationsverarbeitung von Quanten. Sein Ziel ist es, einen Sensor für den Nanobereich zu entwickeln, der die 3D-Form einer komplexen atomaren Struktur, wie sie etwa in einem Molekül vorkommt, abbilden kann. Eine Anwendung findet dieses Verfahren später womöglich in Chemie, Biologie und Medizin. Der 34-jährige Spanier, der seit 2014 an der Universität Ulm forscht, hatte erst nach einem erfolgreich abgeschlossenen Chemiestudium ein Physikstudium begonnen.

Dr. Vitalii Makogin, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Stochastik, forscht über die Theorie stochastischer Prozesse und Felder. Das besondere Interesse des Ukrainers gilt dabei „Grenzwertsätzen für Exkursionsmengen nicht stationärer zufälliger Funktionen“, einem wenig untersuchten Teilbereich. Seine nun ausgezeichneten Forschungsergebnisse sollen helfen, neue mathematische Modelle, unter anderem für extreme Phänomene in Physik, Klimakunde und Werkstoffkunde aufzubauen. Mit dem Preisgeld möchte der 29-Jährige unter anderem Konferenzen und Workshops besuchen, um seine Forschung vorzustellen.

Zum ersten Mal war auch die Übergabe des Lehrforschungspreises der Medizinischen Fakultät Teil der Feierstunde. Professor Joachim Ankerhold ehrte Projektkoordinatorin Astrid Horneffer aus der Dekanatsverwaltung für ihr Engagement beim Ausbildungsprogramm „Train the Tutor“. Hier werden lehrinteressierten Studierenden, die bereits als Tutoren arbeiten, medizindidaktische Grundlagen vermittelt. Horneffer hat untersucht, welchen Erfolg das Programm hatte und befragte dabei speziell die Zielgruppe der betreuten Studierenden.

Im Anschluss überreichte Professorin Irene Bouw, Vizepräsidentin für Lehre und Internationales die Lehrboni über je 2000 Euro an die Preisträger. „Ich freue mich, dass die Lehre an der Universität Ulm so vielfältig ist, und so beeindruckende innovative Lehr- und Lernkonzepte in die wissenschaftliche Ausbildung und Betreuung unserer Studierenden einfließen.“, so Bouw. Mit dieser Auszeichnung würdigt die Universität das Engagement von Dozenten in der Lehre. Dabei werden die Geehrten von den Studierenden vorgeschlagen.

Lehrboni für innovative Konzepte

Dr. Karin Stadtmüller von der Studienkommission Wirtschaftswissenschaften (Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften) wurde für die kompetente Fachstudienberatung, die engagierte Öffentlichkeitsarbeit und die abwechslungsreichen Vorlesungen für Studienanfänger mit einem Lehrbonus ausgezeichnet. Vorgeschlagen dafür wurde sie von der Fachschaft für Wirtschaftswissenschaften.

Den Lehrbonus der Fakultät für Ingenieurwissenschaften, Informatik und Psychologie erhielt Anne Landhäußer aus dem Team der Studienkommission des Instituts für Psychologie und Pädagogik auf Vorschlag der Fachschaft Psychologie. Landhäußer hat unter anderem ein „Studierendenkolloquium“ organisiert, in dem sich regelmäßig Studierende mit Dozenten und externen Referenten treffen, und über zentrale Themen des Psychologiestudiums austauschen.

Aus der Medizinischen Fakultät wurde PD Dr. Benjamin Mayer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie, ausgezeichnet. Die Studienkommission Humanmedizin hatte ihn für die Erweiterung der Lehre durch den sogenannten „Prüfarzt-Track“, vorgeschlagen, bei dem Studierenden unterschiedliche Aspekte des wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt werden.

Auf Vorschlag des Fachbereichs Biologie erhielten Professor Marian Kazda vom Institut für Systematische Botanik und Ökologie sowie Dr. Philipp von Wrangell von der Studienkommission Biologie und Biochemie den Lehrbonus der Fakultät für Naturwissenschaften für die Summer School „Soil and Water". Diese zweiwöchige internationale und interdisziplinäre Sommerschule für Biologiestudenten befasst sich mit den komplexen Zusammenhängen zwischen Boden, Pflanzen, Wasser, Gestein und menschlicher Nutzung.

Den Abschluss bildete die Übergabe der Zertifikate für Hochschuldidaktik. Dr. Cornelia Estner, Leiterin der Arbeitsstelle Hochschuldidaktik lobte die ausgezeichneten wissenschaftlichen Mitarbeiter für die Entwicklung eines eigenen didaktischen Profils. Erworben werden die Zertifikate als modular angelegte Qualifizierung mit einem Aufwand von mindestens 200 Arbeitseinheiten berufsbegleitend. Das Ziel ist es, neue Impulse in die Lehrveranstaltungen zu bringen. Übergeben wurden die Urkunden von Estner zusammen mit Professorin Irene Bouw an den Mathematiker Dr. Jens Dreyhaupt, Dr. Cornelia Hämmerle (Physik), die Mediziner Dr. Christian Ehrnthaller und Dr. Thomas Kapapa, die Chemikerin Dr. Fabienne Gschwind und Anne Landhäußer vom Institut für Psychologie und Pädagogik.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Philipp Eisele am Cello und Benedikt Haggenmüller (Viola). Die beiden Musiker des Universitätsorchesters spielten einen Satz aus dem Duo für Viola und Cello von Antonio Bartolomeo Bruni sowie Allegro und Menuett aus dem Duett mit zwei obligatorischen Augengläsern von Ludwig van Beethoven.

Text und Medienkontakt: Daniela Stang

Gruppenfoto aller Preis- und Amtsträger: 1. Reihe (v. l.): Dr. Vitalii Makogin, Dr. Cornelia Hämmerle, Dr. Karin Stadtmüller, Anne Landhäußer, Dr. Thomas Kapapa, 2. Reihe (v. l.): Astrid Horneffer, Dr. Cornelia Estner (Leiterin Arbeitsstelle Hochschuldidaktik), Prof. Irene Bouw (Vizepräsidentin für Lehre und Internationales), Dr. Sarah Wilker, 3. Reihe (v. l.): Dr. Fabienne Gschwind, Prof. Markus Huber-Lang, Dr. Christian Ehrnthaller, Dr. Jorge Casanova, 4. Reihe (v. l.): Dietrich Engmann (UUG-Geschäftsführer), Prof. Peter Dürre, Prof. Robert Stelzer, Prof. Joachim Ankerhold (Vizepräsident für Forschung und Informationstechnologie), Prof. Marian Kazda, Dr. Jens Dreyhaupt, 5. Reihe (v. l.): PD Dr. Benjamin Mayer, Prof. Klaus Melchers, Dr. Philipp von Wrangell (Foto: Eberhardt/kiz)
Forschungsboni: 1. Reihe (v. l.): Dr. Jorge Casanova, Dr. Vitalii Makogin, Dr. Sarah Wilker, Dietrich Engmann (UUG-Geschäftsführer), 2. Reihe (v. l.): Prof. Klaus Melchers, Prof. Peter Dürre, Prof. Robert Stelzer, Prof. Joachim Ankerhold (Vizepräsident für Forschung und Informationstechnologie) (Foto: Eberhardt/kiz)
Lehrforschungspreis: v. l.: Prof. Markus Huber-Lang, Astrid Horneffer, Prof. Joachim Ankerhold (Vizepräsident für Forschung und Informationstechnologie) (Foto: Eberhardt/kiz)
Lehrboni: Vordere Reihe (v. l.): Dr. Philipp von Wrangell, Prof. Irene Bouw (Vizepräsidentin für Lehre und Internationales), Dr. Karin Stadtmüller Hintere Reihe (v. l.): Dr. Marian Kazda, PD Dr. Benjamin Mayer, Anne Landhäußer (Foto: Eberhardt/kiz)
Zertifikate für Hochschuldidaktik: v. l.: Dr. Jens Dreyhaupt, Dr. Christian Ehrnthaller, Anne Landhäußer, Dr. Cornelia Estner (Leiterin Arbeitsstelle Hochschuldidaktik), Dr. Cornelia Hämmerle, Dr. Fabienne Gschwind, Dr. Thomas Kapapa, Prof. Irene Bouw (Vizepräsidentin für Lehre und Internationales) (Foto: Eberhardt/kiz)